Anschlag auf das Berliner Stromnetz: Experten empfehlen zentrales Krisenzentrum

Datum06.07.2026 14:43

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz im Januar legte die mangelhafte Krisenresilienz der Hauptstadt offen. Eine Expertenkommission empfiehlt nun 66 Maßnahmen, darunter die Einrichtung eines Krisenzentrums und die Benennung eines "Chief Resilience Officer". Ziel ist es, Berlin widerstandsfähiger gegen zukünftige Ausnahmezustände zu machen und die Sicherheit der Bürger zu erhöhen.

InhaltDer mehrtägige Stromausfall Anfang Januar in Berlin war ein "Weckruf": Jetzt haben Experten Handlungsempfehlungen für ein krisenfestes, "resilientes" Berlin vorgestellt. Rund 100.000 Menschen waren mitten im Winter ohne Strom und Heizung: Nach dem Blackout in der Hauptstadt vom 3. bis 7. Januar war die Wut auf die Berliner Behörden groß. Nicht nur die Kälte setzte den Menschen zu, auch die mangelhafte Kommunikation mit der Bevölkerung und die unzureichende Notstromversorgung sorgten für Kritik. Grund für den massiven Stromausfall war ein mutmaßlich linksextremistischer Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Die Reaktion darauf zeigte, wie schlecht die Hauptstadt für Ausnahmezustände gerüstet ist. Nach Einschätzung einer unabhängigen Expertenkommission ist Berlin nicht ausreichend auf Krisen und Katastrophen vorbereitet. Der mehrtägige Stromausfall habe eine Reihe von Schwachstellen im Umgang damit offengelegt, heißt es in dem Bericht, den die Kommission nun im Roten Rathaus vorgestellt hat. Sie reichen von unzureichender Kommunikation mit der Bevölkerung bis zu Mängeln bei der Notstromversorgung. "Der Terroranschlag auf das Stromnetz im Januar 2026 war ein Weckruf für Berlin und andere Städte", so die Kommission. "Die Bewältigung der Lage führte Berlin an die Belastungsgrenze." Die Expertenkommission hat für ihre Analyse verschiedene Bereiche untersucht: Energieversorgung, Verkehr und Mobilität, digitale Infrastrukturen, Gesundheit, Ernährung und Versorgung, Verwaltung und Sicherheit. Unter anderem wurden Kompetenzen in Sachen Kommunikation, personelle Verfügbarkeit oder zivil-militärische Zusammenarbeit abgeklopft und daraus 66 notwendige Maßnahmen abgeleitet. Die Expertenkommission empfahl unter anderem die Einsetzung eines Chief Resilience Officer (CRO) in Berlin, eines Resilienzbeauftragten. "Mein Ziel ist es, Berlin zur Modellstadt der Krisenfestigkeit zu machen", sagte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner, der wegen seiner verzögerten Reaktion auf den Notfall und sein Krisenmanagement nach dem Anschlag scharf kritisiert worden war. "Wir ziehen die richtigen Lehren aus den beiden Anschlägen auf unser Stromnetz und verbessern den Katastrophenschutz in Berlin – und damit die Sicherheit für die Berlinerinnen und Berliner", ließ er in einer Pressemitteilung verlauten.