Datum06.07.2026 10:57
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Krankenstand in Sachsen ist stabil bei etwa 23 Fehltagen pro Jahr, mit leicht rückläufigem Trend. Telefonische Krankschreibungen spielen eine geringe Rolle. Die Ursachen für Fehlzeiten sind vielfältig, darunter Pandemiefolgen, Demografie und arbeitsbedingte Belastungen. Psychische Belastungen nehmen bei Jüngeren zu. Arbeitgeber haben durch gute Arbeitsbedingungen, flexible Modelle und Gesundheitsmanagement einen entscheidenden Einfluss auf die Senkung von Fehlzeiten.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Krankheiten“. Lesen Sie jetzt „Weniger Fehltage in Sachsen – Arbeitgeber gefragt“. Telefonische Krankschreibungen haben in Sachsen in der Vergangenheit kaum eine Rolle gespielt. Ihr Anteil an allen Krankmeldungen lag im Jahr 2021 bei 0,8 Prozent, teilte die Barmer Krankenkasse mit. Im Jahr 2023 seien es 1,2 Prozent gewesen, Angaben zu 2024 und 2025 machte die Kasse nicht. Untersucht wurden die Daten von rund 105.000 Erwerbspersonen im Alter von 15 bis 64 Jahren, die bei der Barmer in Sachsen versichert sind. Die CDU-SPD-Koalition im Bund möchte die Möglichkeit, sich per Telefon vom Arzt krankschreiben zu lassen, abschaffen. Nach Angaben der Barmer lag die durchschnittliche Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage - so die offizielle Bezeichnung - in den Jahren 2024 und 2025 relativ stabil bei 23 Tagen. In den beiden Jahren zuvor waren es rund 24 Tage. Der rückläufige Trend setzt sich auch 2026 fort. Bis Ende März dieses Jahres wurden nur durchschnittlich sechs Fehltage erfasst. Im Vergleichszeitraum 2025 waren es 6,5 Tage. Der Anteil der Krankmeldungen von bis zu drei Tagen stieg von 35 Prozent (2021) auf 40,5 Prozent (2025). "Der Trend von rückläufigen Krankenständen ist ein positives Signal für Beschäftigte und Unternehmen. Dennoch ist der Arbeitsplatz das wichtigste Setting für Prävention im Erwachsenenalter", betonte Claudia Beutmann, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Sachsen. Die hohen Krankenstände ließen sich nicht auf einzelne Ursachen zurückführen. Nach Erkenntnissen der Barmer haben vor allem die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die Folgen der Corona-Pandemie, die Demografie sowie arbeitsbedingte Belastungen Einfluss auf die Entwicklung der Fehlzeiten, hieß es. Bei jüngeren Beschäftigten nähmen vor allem psychische Belastungen und Erkrankungen zu, während ältere Beschäftigte seltener, aber oftmals länger ausfielen. Die Analyse zeige außerdem, dass Arbeitgeber einen entscheidenden Beitrag zur Senkung von Fehlzeiten leisten könnten, teilte die Barmer mit. Gute Arbeitsbedingungen, flexible Arbeitsmodelle, wertschätzende Führung und ein wirksames betriebliches Gesundheitsmanagement wirkten sich nachweislich positiv auf die Gesundheit der Beschäftigten aus. "Die gemeldeten Krankheitstage in Sachsen sind hoch, das stimmt. Die Ursachen dafür sind jedoch vielfältig und weder abrupt noch mit Einzelmaßnahmen in den Griff zu bekommen", erklärte Beutmann. "Damit die Menschen in Deutschland dauerhaft so gesund wie möglich sind und damit auch die Krankmeldungen wieder sinken, müssen alle Beteiligten zusammenarbeiten. Und das beginnt damit, die Fakten klar zu benennen und Statistiken korrekt auszuwerten." Laut Barmer verfügen Arbeitgeber über den mit Abstand größten Hebel, um die Krankenstände zu senken. Betriebliches Gesundheitsmanagement dürfe kein nettes Zusatzangebot sein, sondern Voraussetzung für ein erfolgreiches Unternehmen. Firmen könnten durch gute Arbeitsbedingungen, mehr Flexibilität, gute Führung und Gesundheitsmanagement wesentlich zur Gesundheit ihrer Beschäftigten beitragen. Der Krankenstand beschreibt den Anteil der Beschäftigten, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums arbeitsunfähig erkrankt sind, und wird in Prozent angegeben. Für Sachsen ergibt sich 2025 aus durchschnittlich 23 Fehltagen geteilt durch 365 Tage ein Krankenstand von rund 6,3 Prozent. Das heißt, dass krankheitsbedingt an einzelnen Tagen des Jahres im Schnitt gut sechs Prozent der Beschäftigten eines Betriebs fehlten. © dpa-infocom, dpa:260706-930-340310/1