AfD-Parteitag in Erfurt: Polizei ermittelt nach AfD-Parteitag wegen Angriffen auf Journalisten

Datum06.07.2026 08:59

Quellewww.zeit.de

TLDRNach dem AfD-Parteitag in Erfurt ermittelt die Polizei wegen körperlicher Angriffe auf drei Journalisten des Portals "Apollo News" und des Raubs eines Handys von einem Vertreter der "Junge Freiheit". Die Angriffe ereigneten sich am Rande von Protesten gegen den Parteitag, an denen Zehntausende teilnahmen. Die Bündnisse "Zusammenstehen" und "Widersetzen" distanzierten sich teilweise von den jüngsten Angriffen. Union, SPD und Grüne verurteilten die mutmaßliche Gewalt gegen Journalisten und betonten die Bedeutung der Pressefreiheit. Thüringens Innenminister rief zur Gewaltfreiheit auf.

InhaltAm Rande des AfD-Parteitags in Erfurt kam es zu Angriffen auf Journalisten des rechtspopulistischen Portals "Apollo News". Union, SPD und Grüne verurteilten die Attacken. Nach dem Parteitag der AfD in Erfurt ermittelt die Thüringer Polizei wegen Angriffen mutmaßlicher Demonstranten auf Journalisten mehrerer rechtsorientierter Medien. Laut dem Thüringer Polizeipräsidenten Thomas Quittenbaum wurden drei Vertreter des rechtspopulistischen Portals Apollo News am Rande der Proteste gegen den Parteitag körperlich angegriffen. Einem Vertreter der rechtsgerichteten Zeitung Junge Freiheit sei zudem das Handy geraubt worden. Demnach soll die Polizei einige Tatverdächtige des Raubs identifiziert haben. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) sagte der Bild-Zeitung, die Kriminalpolizei habe die Ermittlungen übernommen. Nach den Angreifern auf die Journalisten von Apollo News werde noch gefahndet, berichtete unter anderem die Bild-Zeitung. Zuvor hatte Apollo-News-Chefredakteur Max Mannhart von Angriffen auf ein Reporterteam seines Mediums berichtet. Demnach sollen drei Reporter "aus einer Antifa-Demo heraus gejagt und zusammengeschlagen" worden sein. Dazu veröffentlichte er auf X ein Video, auf dem zu sehen ist, wie mehrere Personen, bei denen es sich offenbar um die Reporter handelt, von einer Gruppe Demonstranten verfolgt und beschimpft werden. Das Bündnis Widersetzen, das die Proteste gegen den AfD-Parteitag mitorganisiert hatte, schien die Angriffe zu relativieren. "Faschisten mit einem Presseausweis sind immer noch Faschisten. Sie sind auf unseren Aktionen nicht willkommen", sagte ein Sprecher der Gruppe bei einer Pressekonferenz am Sonntag. Union und Grüne verurteilten die mutmaßlichen Angriffe auf Journalisten. "Wir lehnen jede Form von Gewalt auf solchen Demonstrationen ab", sagte Grünenvorsitzende Franziska Brantner der Bild-Zeitung. "Wir bedauern diesen Einzelfall und wünschen gute Genesung. Der Schutz der Pressefreiheit ist ein unverhandelbares Grundrecht."  Thüringens Innenminister Maier sagte: "Gewalt darf niemals das Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Ich verurteilte die Attacken auf die Medienvertreter." Auch der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm (CDU), sagte: "Wer Gewalt gegen Journalisten anwendet, der greift die Demokratie an." Meinungsfreiheit und Pressefreiheit seien "zentrale Säulen einer freiheitlichen Gesellschaft". Beim AfD-Parteitag in Erfurt wurden die Parteivorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel wiedergewählt. Gegen den Parteitag haben nach Polizeiangaben mehr als 31.000 Menschen demonstriert. Die Bündnisse Zusammenstehen und Widersetzen sprachen von etwa 50.000 Demonstrierenden. Die Aktivisten gaben als Ziel heraus, den Parteitag zu verhindern. "Wir sind gekommen, um den AfD-Parteitag zu verhindern, das ist uns nicht gelungen", sagte Suraj Mailitafi, ein Sprecher des Bündnisses, am Sonntag in Erfurt. Aber jeder Fall, bei dem einem AfD-Mitglied der Weg zur Veranstaltung erschwert worden sei, "war ein Erfolg". Das sich als antifaschistisch verstehende Bündnis verteidigte zugleich Blockaden als Mittel des zivilen Ungehorsams. Die Thüringer Polizei zog eine positive Einsatzbilanz. Angesichts Zehntausender Demonstrierender sei das Wochenende "friedlich verlaufen", teilte sie mit. Angriffe auf Medienschaffende und Livestreamer seien vereinzelt gewesen. Bis Sonntagmittag registrierte die Polizei 65 Straftaten und 13 Ordnungswidrigkeiten, darunter vor allem Sachbeschädigungen, Körperverletzungsdelikte und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Elf Beamte seien leicht verletzt worden.