China testet Raketenstart von Atom-U-Boot im Südpazifik

Datum06.07.2026 09:14

Quellewww.spiegel.de

TLDRChina testete erstmals seit zwei Jahren eine Interkontinentalrakete von einem Atom-U-Boot im Südpazifik. Die Rakete, die mit einem Übungssprengkopf bestückt war, landete erfolgreich im Zielgebiet. China bezeichnete den Test als routinemäßig und völkerrechtskonform. Australien, Japan und Neuseeland zeigten sich besorgt und halten das Manöver für destabilisierend, insbesondere angesichts Chinas militärischer Aufrüstung.

InhaltErstmals seit zwei Jahren hat Chinas Volksbefreiungsarmee im Pazifik eine Interkontinentalrakete ins Meer gefeuert – offenbar mit einem Übungssprengkopf. Australien hält das Manöver für "destabilisierend". Chinas Armee hat im Pazifik nach eigenen Angaben zu Testzwecken eine ballistische Rakete gestartet. Die Rakete sei um 12.01 Uhr Ortszeit abgefeuert worden und der Test erfolgreich verlaufen, teilte die Marine mit. Die mit einem Übungssprengkopf bestückte Rakete wurde demnach von einem Atom-U-Boot abgefeuert und landete in dem anvisierten Zielgebiet. Nähere Angaben zu einem eher seltenen Test dieser Art machte die Armee zunächst nicht. Laut Chinas Volksbefreiungsarmee handelte es sich um einen routinemäßigen Test im Rahmen jährlicher Militärübungen, der im Einklang mit dem Völkerrecht steht. Betroffene Staaten seien im Vorfeld darüber benachrichtigt worden. Der Test habe sich nicht gegen einzelne Länder gerichtet, betonte die Armee in ihrer Mitteilung. Australien und Japan teilten laut der Nachrichtenagentur Reuters mit, sie seien über den Test informiert worden, verurteilten diesen jedoch. "Australien hat gegenüber China unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass wir dies als destabilisierend für die Region betrachten", sagte Australiens Außenministerin Penny Wong. Der Test erfolge "vor dem Hintergrund eines raschen militärischen Aufrüstungsprozesses Chinas", dem es an der Transparenz mangele, so Wong in Fiji. Wong hatte dort zuvor ein Verteidigungsabkommen mit Fiji unterzeichnet, mit dem sich die Staaten dem zunehmenden chinesischen Einfluss in der Region entgegenstellen wollen. Japan brachte Peking gegenüber seine Besorgnis über chinesische Militäraktivitäten zum Ausdruck, wie das Verteidigungsministerium auf der Onlineplattform X mitteilte. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Regierungsquellen berichtet, schlug die Rakete außerhalb von Japans ausschließlicher Wirtschaftszone ein. Neuseelands Außenminister Winston Peters sagte, sein Land sei "binnen Stunden" über den Raketenstart informiert worden und "tief besorgt". "Neuseeland betrachtet dies als eine unwillkommene und besorgniserregende Entwicklung", so Peters. Tests ballistischer Raketen, die womöglich auch atomare Sprengköpfe tragen können, gibt China eher selten bekannt. Im September 2024 hatte die Volksbefreiungsarmee überraschend erstmals seit Jahrzehnten wieder eine Interkontinentalrakete mit einer Sprengkopfattrappe in den Pazifischen Ozean abgefeuert. Der Test hatte damals für großes Aufsehen gesorgt (Lesen Sie hier mehr  über den damaligen Raketenstart). Chinas Militär übt regelmäßig auf dem Land, in der Luft und im Meer. Erst am Montag begann eine Marineübung zusammen mit russischen Kriegsschiffen in Gewässern nahe der nordchinesischen Küstenstadt Qingdao. Die jährlich abgehaltene Übung steht dieses Jahr unter dem Motto "gemeinsam auf Bedrohungen der Sicherheit auf See reagieren", wie das Verteidigungsministerium mitteilte.