AfD-Parteitag: Polizei ermittelt wegen Angriffen auf Medienschaffende

Datum05.07.2026 21:17

Quellewww.spiegel.de

TLDRBei Protesten gegen den AfD-Parteitag in Erfurt kam es zu Angriffen auf Medienschaffende von "Apollo News" und der "Jungen Freiheit". Die Polizei ermittelt. Während die meisten Demonstrationen friedlich verliefen und zehntausende Menschen teilnahmen, gab es auch Sitzblockaden. Politiker verurteilten die Gewalt gegen Journalisten scharf. Das linke Bündnis "Widersetzen" distanzierte sich nicht klar von den Angriffen. Trotz der Proteste fand der AfD-Parteitag statt.

InhaltMehr als 30.000 Menschen haben in Erfurt gegen den Parteitag der AfD demonstriert, weitgehend friedlich. Doch es gab eine Attacke auf Reporter eines rechtspopulistischen Portals. Ermittlungen laufen, Politiker verurteilen den Angriff. Meist friedlicher Protest, aber auch Sitzblockaden und Verletzte: Bei den Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag ist es am Samstag auch zu Übergriffen auf Medienschaffende gekommen. Wie Polizeipräsident Thomas Quittenbaum sagte, seien drei Vertreter des rechtspopulistischen Portals "Apollo News" körperlich angegriffen worden, die Polizei habe ihnen Hilfe geleistet. Wie SPIEGEL-Reporter beobachteten, flogen Flaschen und Farbbeutel. Der Apollo-News-Chefredakteur schreibt auf der Plattform X, einem seiner Mitarbeiter sei gegen den Hinterkopf getreten worden. Die Polizei führt zu den Angriffen auf Medienschaffende und Livestreamer Ermittlungen. Einem Vertreter der "Jungen Freiheit" sei zudem sein Handy geraubt worden. Einige Tatverdächtige des Raubs wurden nach Angaben der Polizei bereits identifiziert. Die Grünen haben die Angriffe verurteilt. "Wir lehnen jede Form von Gewalt auf solchen Demonstrationen ab", sagte die Grünen-Ko-Chefin Franziska Brantner der "Bild"-Zeitung . "Wir bedauern diesen Einzelfall und wünschen gute Genesung. Der Schutz der Pressefreiheit ist ein unverhandelbares Grundrecht." Brantner bezeichnete es zugleich als ein "Zeichen demokratischer Stärke, dass am Wochenende Zehntausende Menschen friedlich auf die Straße gegangen sind, um für Zusammenhalt in einer liberalen und freien Demokratie gegen Rechtsradikalismus zu demonstrieren." Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm (CDU), verurteilte die Attacken laut "Bild" ebenfalls. "Wer Gewalt gegen Journalisten anwendet, der greift die Demokratie an", sagte Throm demnach. Meinungsfreiheit und Pressefreiheit seien "zentrale Säulen einer freiheitlichen Gesellschaft". Das linke Bündnis "Widersetzen" äußerte sich auf einer Pressekonferenz zu den Aktionen gegen den Parteitag nur kurz zu den Angriffen. "Wir sind nach Erfurt gekommen, um Faschisten zu blockieren. Faschisten mit einem Presseausweis sind immer noch Faschisten", hieß es am Sonntag auf die Frage, ob das Bündnis die Angriffe verurteilen würde. Nach Angaben von "Widersetzen" beteiligten sich rund 17.000 Menschen an Blockadeaktionen. Unter anderem musste deswegen die Autobahn A71 zeitweise gesperrt werden. Trotz der Proteste begann der AfD-Parteitag am Samstag pünktlich. Hunderte AfD-Delegierte waren bereits in der Nacht in die Halle gelangt und den Blockierern damit zuvorgekommen. "Wir sind gekommen, um den AfD-Parteitag zu verhindern, das ist uns nicht gelungen", sagte Suraj Mailitafi, Sprecher von "Widersetzen", am Sonntag in Erfurt. Das sich als antifaschistisch verstehende Bündnis verteidigte zugleich Blockaden als Mittel des zivilen Ungehorsams. Die Thüringer Polizei hatte nach dem von Protesten und Blockaden begleiteten AfD-Bundesparteitag in Erfurt eine positive Einsatzbilanz gezogen. Das Wochenende "überwiegend friedlich" verlaufen. Das Einsatzkonzept der Polizei sei "zu 100 Prozent aufgegangen", sagte Polizeipräsident Quittenbaum. "Man kann zufrieden sein. Es ist bunt und laut", hatte Thüringens Innenminister Georg Maier bei einer ersten Zwischenbilanz gesagt. Mit dem friedlichen Ablauf der Proteste habe Erfurt "ein Zeichen für eine lebendige Demokratie gesetzt" und sich weltoffen gezeigt, sagte Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU). Nach Angaben der Initiatoren beteiligten sich rund 50.000 Menschen an Kundgebungen und weiteren Protestaktionen gegen die AfD. Das Bündnis "Widersetzen" organisierte Blockaden, vor allem auf den Zufahrtswegen zum Tagungsort. Die Polizei schätzte die Zahl der Gegendemonstranten auf bis zu 31.000 und sprach von rund 12.000 Blockierern.