Datum05.07.2026 19:56
Quellewww.zeit.de
TLDRExperten kritisieren Fifa-Schiedsrichter-Boss Pierluigi Collina für Regelauslegungen bei der WM. Vor allem die Aberkennung eines deutschen Tores gegen Paraguay und ähnliche Entscheidungen sorgten für Unmut. Kritiker werfen Collina vor, Regeln kurzfristig geändert und ohne klare Kommunikation durchgesetzt zu haben. Dies führe zu Verwirrung und sei eine reine Befolgung "des Chefs".
InhaltDie Unparteiischen sehen sich bei der Fußball-WM immer stärkerer Kritik ausgesetzt. Auch ihr Boss Pierluigi Collina sieht sich mit zunehmenden Vorwürfen konfrontiert. Die Schiedsrichter geraten bei der Fußball-Weltmeisterschaft zunehmend in die Kritik. Zuletzt sorgte die schwache Leistung von Ilgis Tantaschew beim Achtelfinale zwischen Frankreich und Paraguay (1:0) für viel Aufregung. Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich bewertete das Auftreten des Usbeken bei MagentaTV als "die schlechteste Leistung bei dieser WM". Seine Spielleitung sei nach einem "kompletten Akzeptanz- und Kontrollverlust" voll "in die Hose gegangen". Die Kritik an Tantaschew ist kein Einzelfall. Spätestens seit dem aberkannten 2:1-Tor vom deutschen Innenverteidiger Jonathan Tah in der Verlängerung gegen Paraguay werden die Schiedsrichter-Leistungen immer heftiger bemängelt. Weil viele Expertinnen und Expertinnen die schlechten Auftritte der Unparteiischen nicht als isolierte Einzelfälle verstehen, gerät nun Pierluigi Collina in den Fokus. Der Fifa-Schiedsrichterboss hatte die Aberkennung von Tahs Kopfballtor in einem schriftlich vorgelegten WM-Zwischenfazit als korrekt bezeichnet, worauf seine Ex-Kollegen mit Unverständnis reagierten. "Collina macht im Endeffekt seine eigenen Regeln beziehungsweise seine eigenen Anweisungen", sagte der frühere Fifa-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer. Für den ZDF-Experten ist klar, dass die Referees auf dem Platz nur als eine Art Erfüllungsgehilfen für Collina fungieren: "Wenn man bei so einem großen Turnier als Schiedsrichter nominiert wird, dann macht man natürlich das, was der Chef sagt. Was Collina sagt, ist dann Gesetz." Und dieses "Gesetz" habe Collina ohne öffentliche Kommunikation kurzerhand vor der WM geändert. "Einerseits soll das Spiel bei Zweikämpfen großzügig laufen gelassen werden, andererseits sind die Torhüter wieder besser zu schützen", sagte Kinhöfer. Beide Leitlinien sei bei der WM-Endrunde deutlich erkennbar. Darüber habe Collina nach eigenen Angaben zwar Trainer und Spieler vor dem Turnier informiert, "alle anderen bekamen das aber erst durch seinen Zwischenbericht mit. Das sorgt für Ärger", sagte der ZDF-Experte. Neben Tahs Treffer wurde auch der spanischen Mannschaft im Sechzehntelfinale gegen Österreich (3:0) ein Tor wegen Behinderung des Torhüters aberkannt. Beide Entscheidungen stehen im krassen Gegensatz zu den Regelauslegungen in der abgelaufenen Saison in den europäischen Fußball-Ligen. Kinhöfer befürchtet, dass Collinas Regelauslegung zu großen Problemen führen könnte. "Der Torwart weiß, ich muss nur leicht berührt werden, dann schmeiße ich mich auf den Boden, drehe mich noch dreimal. Und dann sagt jeder: Schaue es Dir an, Videobeweis, das Tor wird aberkannt." Ob die WM-Leitlinie in der kommenden Spielzeit beispielsweise auch in der Fußball-Bundesliga verpflichtend angewendet werden muss, ist noch nicht bekannt. Alle Entwicklungen zur Fußball-WM finden Sie in unserem Liveblog.