Datum05.07.2026 13:24
Quellewww.zeit.de
TLDRArchäologen entdeckten in Ägypten 18 gut erhaltene Gräber aus der Zeit vor 2.000 Jahren mit Grabbeigaben und einem Granitsarkophag. In den Mündern einiger Verstorbener wurden Goldstücke gefunden. Zudem wurde in der Dachla-Oase eine byzantinische Stadt aus dem 4. Jahrhundert mit Straßen, Häusern und einer Kirche freigelegt. Tonscherben und Münzen aus römischer Zeit wurden ebenfalls geborgen.
InhaltArchäologen melden zwei spektakuläre Funde in Ägypten: mehrere, teils intakte Gräber samt Überresten und Grabbeigaben. In der Wüste wurde zudem eine Stadt entdeckt. Wissenschaftler haben an der archäologischen Stätte Marina el‑Alamein an der Mittelmeerküste in Ägypten neue Gräber und zahlreiche Beigaben freigelegt. Das ägyptische Tourismus- und Antikenministerium teilte mit, bei laufenden Ausgrabungen seien 18 Gräber entdeckt worden, außerdem Oberflächenbestattungen, Särge und weitere Funde. Damit liege die Zahl der in dem Gebiet seit der Entdeckung der Stätte 1986 nachgewiesenen Gräber inzwischen bei 44. Nach Angaben des Ministeriums gehören zu den neuen Funden elf vollständig in den Fels gehauene Grabkomplexe sowie sieben oberirdische Gräber aus Kalkstein. Ein Teil der Anlagen sei außergewöhnlich gut erhalten: In mehreren Kammern seien verschlossene Bestattungsöffnungen gefunden worden, die demnach seit der Antike nicht geöffnet wurden. Zu den geborgenen Objekten zählen laut Ministerium vollständige und nahezu vollständige Keramikgefäße, Amphoren, Öllampen, Teller, außerdem Altäre und Becken aus Kalkstein sowie architektonische Bauteile, die zu den Grabanlagen gehören. Ein zentrales Einzelstück ist nach Ministeriumsangaben ein 2,5 Meter langer Granitsarkophag, dessen Deckel noch an Ort und Stelle liege. Es wird demnach vermutet, dass der Sarg seit etwa 2.000 Jahren nicht geöffnet wurde. Besondere Aufmerksamkeit erregten 24 Goldstücke, die nach Angaben des Ministeriums in die Münder einiger Verstorbener gelegt worden seien. Dies wird als Bestandteil eines Bestattungsrituals beschrieben, das als "goldene Zunge" bezeichnet wird. Die Fundstätte Marina el‑Alamein liegt rund 100 Kilometer westlich von Alexandria entfernt. Es wird angenommen, dass die Stätte mit der antiken Stadt Leukaspis identisch sein könnte, die der antike griechische Geograf Strabon erwähnt. Das Ministerium ordnet die Blüte der Stadt vom hellenistischen bis in den byzantinischen Zeitraum ein und spricht von einem Höhepunkt der baulichen und wirtschaftlichen Aktivität in den ersten drei Jahrhunderten nach Christus. Neben den neuen Funden am Mittelmeer haben Archäologen in der Dachla-Oase eine Siedlung aus byzantinischer Zeit freigelegt. Ausgrabungen im Westen Ägyptens legten eine Stadtanlage mit Straßennetz, öffentlichen Plätzen, Wohnhäusern, einer basilikaähnlichen Kirche und Verteidigungsanlagen frei. Die Anlage wird in das 4. Jahrhundert datiert und soll im archäologischen Komplex Ain al‑Sabil liegen. Errichtet worden seien die Gebäude aus Lehmziegeln. Am Ausgrabungsort wurden zudem etwa 200 als Ostraka bezeichnete Tonscherben mit Inschriften in Koptisch und Griechisch gefunden, ebenso Bronze- und Goldmünzen. Ein Teil der Münzen wird in die Zeit des römischen Kaisers Constantius II. (337–361) eingeordnet.