Datum05.07.2026 11:01
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie rechtsextreme "Patriot Front" marschierte am US-Unabhängigkeitstag mit rund hundert vermummten Mitgliedern durch Washington. Die Gruppe, die eine weiße Suprematie vertritt und Faschismus befürwortet, sieht sich durch Donald Trumps Politik ermutigt. Sie propagiert die Verschwörungstheorie des "großen Austauschs" und strebt eine Abschaffung des aktuellen Staates an. Die Polizei sah keine rechtlichen Bedenken bei dem Aufmarsch.
InhaltHunderte Mitglieder der rechtsextremen "Patriot Front" sind vor den Feierlichkeiten zum US-Unabhängigkeitstag durch Washington marschiert. Sie fühlen sich durch die Politik Trumps ermutigt und möchten die Demokratie abschaffen. Sie nennen sich "Patrioten", sind aber nach Einschätzung von Wissenschaftlern Rechtsextreme mit faschistischen Zielen: Mitglieder der US-Gruppierung "Patriot Front" sind am Samstag während der 250-Jahr-Feiern in Washington in der Nähe des Kapitols aufmarschiert. Die schätzungsweise rund hundert Männer waren vermummt, trugen uniformartige Blauhemden, schwenkten Flaggen und riefen "Reclaim America!" (Erobert Amerika zurück). Die Polizei von Washington teilte mit, die Aktivitäten der Gruppe seien vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Es habe keine Meldungen über Festnahmen oder Beschwerden gegeben. Die Gruppe wurde 2017 von dem texanischen Rechtsextremisten Thomas Rousseau gegründet und machte in den vergangenen Jahren mehrfach durch provokante Aufmärsche in US-Städten von sich reden. Rousseau hatte zuvor der Neonazi-Gruppe "Vanguard America" angehört. Offiziell unterhält die Patriot Front keine Beziehungen zur Regierung von Präsident Donald Trump. Sie fühlt sich aber durch seine Amerika-zuerst-Politik (America First) ermutigt. Zudem unterstützt sie die von ihm angeordneten Massenabschiebungen sowie den Kampf seiner Regierung gegen die angebliche Diskriminierung Weißer, etwa durch die Abschaffung von Gleichstellungsprogrammen in der Armee und im Beamtenapparat. Bei Wahlkampfveranstaltungen von Donald Trump im Jahr 2024 wurden ebenfalls Mitglieder der Patriot Front gesichtet. "Dass sie es wagen, ausgerechnet am Unabhängigkeitstag öffentlich zu demonstrieren, zeigt, welche Probleme dieses Land mit dem weißen Nationalismus hat", sagt John Cohen, ein früherer Experte für Terrorismusbekämpfung im US-Heimatschutzministerium. Einer Analyse von Extremismusforschern der George-Washington-Universität zufolge ist die Patriot Front von der Überlegenheit Weißer überzeugt. Sie betrachtet "Multikulturalismus, Einwanderung und Vielfalt als existenzielle Bedrohungen für ihre Vision von Amerika". Die Gruppe vertritt zudem die Verschwörungstheorie des "großen Austauschs", die auch in Europa Anhänger im Rechtsaußen-Spektrum hat. Danach sollen angeblich "einheimische" weiße US-Bürger organisiert durch nichtweiße Einwanderer ersetzt werden. Der Extremismusforscher Luke Baumgartner von der George Washington Universität wies zudem darauf hin, dass das Logo der Gruppe Ähnlichkeiten mit dem "Fascio"-Symbol der faschistischen Partei von Benito Mussolini in Italien aufweise. Im Kern sei "Patriot Front" eine Organisation, die die Botschaft verbreiten wolle, dass Amerika ein Land nur von und für weiße Menschen sei. Nach Angaben der US-Anti-Diffamierungs-Liga (ADL) hatte die Gruppe kurz nach ihrer Gründung ein Manifest veröffentlicht, das einen Aufruf für einen "amerikanischen Faschismus" enthielt. Auf ihrer Webseite bekennen sich die Mitglieder dazu, das "amerikanische Heimatland gegen das Eindringen fremder Staaten und Interessen abzusichern". Zudem heißt es dort: "Der korrupte und ineffektive Staat, der das nationale Interesse zugunsten einer globalen Plutokratie unterwandert, ist nicht länger legitimiert zu regieren, und muss verändert oder abgeschafft werden."