DGB-Index Gute Arbeit: 40 Prozent bezweifeln Durchhalten bis zur Rente

Datum05.07.2026 06:11

Quellewww.zeit.de

TLDRLaut DGB-Index bezweifeln 40 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland, ihren Beruf bis zum Renteneintritt ausüben zu können. In belastenden Berufen wie Pflege oder Handwerk sind es sogar 50 Prozent. DGB-Chefin Fahimi fordert angesichts dieser "bitteren Befunde" würdige Übergänge in die Rente und gesündere Arbeitsbedingungen statt einer Anhebung des Rentenalters. Die Ergebnisse spiegeln die Debatte um Rentenreformen wider.

InhaltIn belastenden Berufen rechnet nur jede Zweite damit, bis zum Renteneintritt zu arbeiten. DGB-Chefin Fahimi hält eine Auswertung des DGB-Index "Gute Arbeit" für bitter. Vier von zehn Arbeitnehmern in Deutschland glauben einer neuen Erhebung zufolge nicht, dass sie ihren Job bis zum Erreichen des Renteneintrittsalters ausüben können. Im Handwerk, in der Pflege, im Baugewerbe, in Erziehungsberufen und anderen körperlich und psychisch belastenden Berufen zweifelt sogar die Hälfte der Beschäftigten an einem Durchhalten bis zur Rente, wie aus einer neuen Auswertung des DGB-Index Gute Arbeit hervorgeht, über den die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Sonntag berichteten. Für die Auswertung wurden in den Jahren 2022 bis 2026 knapp 28.000 Beschäftigte befragt. Demnach glauben nur 53 Prozent, ihre derzeitige Tätigkeit bis zum gesetzlichen Renteneintritt ohne Einschränkungen ausüben zu können – 40 Prozent rechnen dagegen nicht damit. Besonders groß sind die Zweifel in körperlich und psychisch stärker belasteten Berufen. 72 Prozent der Beschäftigten im Bereich Sanitär, Heizung und Klempnerei rechnen damit, ihren Beruf nicht bis zur Rente ausüben zu können. In der Krankenpflege sind es 71 Prozent, in der Altenpflege 67 Prozent, in Hochbauberufen 66 Prozent und bei Erzieherinnen und Erziehern 57 Prozent. Eine Rolle bei der Einschätzung spielen die körperliche Belastung, Zeitdruck oder starker Lärmbelastung. Auch lange Arbeitszeiten, geringe Handlungsspielräume und fehlende betriebliche Gesundheitsförderung verschlechtern die Einschätzung. DGB-Chefin Yasmin Fahimi sprach der Zeitung gegenüber von einem "bitteren Befund". "Diese Realitäten darf die Regierung bei ihren Rentenentscheidungen nicht länger ignorieren", forderte sie. "Statt die Messlatte beim Renteneintrittsalter immer höher zu legen, braucht es würdige Übergänge in die Rente und gesündere Arbeitsbedingungen. Es kann niemand wollen, dass sich ganze Generationen krank in die Rente schleppen und dann Abzüge einfach hinnehmen müssen", sagte Fahimi weiter. Über die Zukunft der gesetzlichen Rente wird derzeit eine heftige Debatte geführt. In dieser Woche haben die Spitzen von Union und SPD erklärt, die von der Rentenkommission vorgelegten Vorschläge zu einer Rentenreform "zügig" als Paket umsetzen zu wollen. Das Gremium hatte 33 Reformvorschläge gemacht, unter anderem eine Anpassung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung, die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63, einen größeren Kreis an Einzahlenden ins Rentensystem sowie eine Kapital-Rente.