Zahl der Toten in Venezuela steigt auf fast 3000

Datum05.07.2026 00:43

Quellewww.spiegel.de

TLDRNach einem Doppel-Erdbeben in Venezuela steigt die Zahl der Toten auf fast 3000, Tausende werden vermisst. Überlebende und Hilfsorganisationen kritisieren das Missmanagement der Behörden bei den Rettungsarbeiten, während die Regierung dies zurückweist und von mobilizing von Einsatzkräften und internationalen Helfern spricht. Die Naturkatastrophe traf den Bundesstaat La Guaira am schwersten. Ein Wiederaufbaufonds ist geplant, finanziert durch den IWF und Spenden.

InhaltDie Opferzahl des Doppelbebens in Venezuela wächst weiter. Hinzu kommen Tausende Vermisste. Überlebende und Hilfsorganisationen werfen den Behörden Missmanagement bei den Rettungsarbeiten vor. Nach dem schweren Doppel-Erdbeben in Venezuela ist die Zahl der geborgenen Toten auf 2954 gestiegen. Die Zahl der registrierten Verletzten belaufe sich ‌nun auf 16.592, teilte das Informationsministerium am Samstag mit. 16.309 Menschen seien durch die Naturkatastrophe obdachlos geworden, erklärte Parlamentspräsident Jorge Rodriguez. Die Suche nach Überlebenden dauere an. Zur Zahl der noch Vermissten machte die Regierung keine Angaben. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnte die Zahl bei bis zu 50.000 liegen. Die beiden Beben der Stärken ​7,2 und 7,5 hatten das südamerikanische Land am 24. Juni erschüttert. Am ⁠schwersten betroffen ⁠ist der nördliche Bundesstaat La Guaira an der Karibikküste. Dort seien auch fast alle örtlichen Regierungsvertreter ums Leben gekommen, sagte die Interims-Präsidentin Delcy Rodriguez. "Die Lage ist dramatisch." Satellitenbilder zeigen das Ausmaß der Zerstörung – mehr dazu hier . In den vergangenen ​Tagen war ‌massive Kritik an der Übergangsregierung von Rodriguez laut geworden. Überlebende und Hilfsorganisationen warfen den Behörden Schwerfälligkeit und Ineffizienz vor. Unter anderem fehle schweres Gerät zur ‌Trümmerbeseitigung, weshalb die Rettungsarbeiten maßgeblich von Zivilisten und ausländischen Helfern getragen würden. Die Präsidentin, die im Januar nach ‌dem durch die USA forcierten ​Sturz ihres Vorgängers ‌Nicolas Maduro die Macht übernommen hatte, wies ‌die ​Vorwürfe zurück. Die Regierung habe sofort gehandelt. Laut Parlamentspräsident Jorge Rodriguez wurden 30.000 staatliche Einsatzkräfte ​sowie 3281 ⁠internationale Helfer mobilisiert. Rodriguez sagte, es seien absichtlich Falschinformationen gestreut worden, um zusätzlich Chaos zu säen, etwa mit fingierten Tsunami-Warnungen. Die Urheber dieser Falschmeldungen seien bereits identifiziert worden, sagte sie, ohne Details zu nennen. Nach Angaben von Rodríguez wurden bei den Beben nach bisherigen Erkenntnissen 189 Gebäude komplett zerstört und mindestens 855 weitere beschädigt. Auch Krankenhäuser seien darunter. Brücken und Straßen seien ebenfalls betroffen. Für den Wiederaufbau möchte die Regierung einen ersten Fonds von 200 Millionen Dollar (knapp 175 Millionen Euro) einrichten. Die Gelder dafür werde der Internationale Währungsfonds (IWF) freigeben, sagte die Präsidentin. Für internationale Geldspenden sei zudem ein Konto bei der Lateinamerikanischen Entwicklungsbank eingerichtet worden. Auch dieses Geld solle vor allem in den Wiederaufbau fließen. Was ein Retter sagt: "Wir können in solch einer Situation nicht den ganzen Trümmerberg durchsuchen"