Datum04.07.2026 22:51
Quellewww.zeit.de
TLDRTausende protestierten friedlich gegen den AfD-Parteitag in Erfurt. Die Polizei registrierte 48 Straftaten, vereinzelt kam es zu kleineren Auseinandersetzungen und Angriffen auf Medienvertreter. Blockaden, insbesondere auf der A71, verzögerten kurzzeitig den Verkehr. Der AfD-Parteitag begann jedoch pünktlich. Die Veranstalter der Proteste zeigten sich zufrieden mit der Reichweite der Aktionen.
InhaltZehntausende Menschen haben an Kundgebungen, Blockaden und Demonstrationen gegen den AfD-Parteitag teilgenommen. Der Tag verlief laut Polizei ohne größere Zwischenfälle. Die Aktionen und Proteste gegen den Bundesparteitag der AfD in Erfurt sind nach Angaben der Polizei überwiegend friedlich verlaufen. An den verschiedenen Versammlungen und Protestaktionen hätten sich im Tagesverlauf insgesamt knapp 31.000 Menschen beteiligt, teilte die Polizei am Abend in einer Zwischenbilanz mit. Die Bündnisse Zusammenstehen und Widersetzen sprachen hingegen von 50.000 Demonstranten. Vereinzelt sei es zu kleineren Auseinandersetzungen gekommen, die aber durch Einsatzkräfte schnell beendet worden seien, teilte die Polizei weiter mit. Insgesamt wurden laut der Polizei 48 Straftaten sowie elf Ordnungswidrigkeiten registriert. In einem Fall habe es einen Verdacht des schweren Landfriedensbruchs gegeben. Das Durchbrechen einer polizeilichen Absperrung und Angriffe auf Einsatzkräfte konnten nach Angaben der Thüringer Polizei verhindert werden. Da bei "vereinzelten Vorkommnissen" Aktivisten und Medienvertreter leicht verletzt wurden, wurden Ermittlungen eingeleitet. So berichtete beispielsweise das Nachrichtenportal Apollo News, dass eines ihrer Reporterteams von Demonstranten angegriffen worden sei. Der Chefredakteur schrieb auf der Plattform X, einem seiner Mitarbeiter sei dabei gegen den Hinterkopf getreten worden. Die Polizei konnte den konkreten Vorfall nicht bestätigen. Es sei während des Großeinsatzes jedoch auch zu Übergriffen gekommen, "insbesondere auf Livestreamer", teilte ein Sprecher mit. Dabei wurden Medienvertreter den Angaben zufolge leicht verletzt. Die Polizei war mit Tausenden Beamten im Einsatz. Dabei wurde Thüringer Polizei unterstützt von Kräften aus fast allen Bundesländern und der Bundespolizei, die unter anderem auch Pferde und Wasserwerfer bereitstellten. Es habe eine "generalstabsmäßige Vorbereitung" über Wochen gegeben, sagte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) nach einem gemeinsamen Besuch des Polizeilagezentrums zusammen mit Ministerpräsident Mario Voigt (CDU). An mehreren Blockadeaktionen, zu dem das Bündnis Widersetzen aufgerufen hatte, nahmen laut Polizei knapp 10.000 Menschen teil. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Autobahn A71, die zeitweise an mehreren Stellen von mehreren tausend Menschen blockiert wurde. Zudem seilten sich von zwei Autobahnbrücken Personen ab. Am frühen Nachmittag wurde die Autobahn laut Polizei wieder für den Verkehr freigegeben. Außerdem klebten sich einige Aktivisten an einem zentralen Platz in der Innenstadt an Straßenbahnschienen fest. Der Parteitag der AfD begann trotz der Blockaden pünktlich. Viele AfD-Delegierte fuhren schon in den frühen Morgenstunden mit Reisebussen zum Parteitagsgelände, um die Blockaden zu umgehen. Nach Angaben von Delegierten versammelten sie sich bereits vor 4.00 Uhr an Treffpunkten weit außerhalb der Stadt. AfD-Chef Tino Chrupalla eröffnet den Parteitag mit Spott: "Der frühe Vogel fängt den Wurm, die Randalierer von der Antifa haben ihr eigenes Störmanöver verschlafen." Das Bündnis selbst war trotz des pünktlichen Beginns des AfD-Parteitags zufrieden: "Das waren die größten Blockaden, die wir je auf die Beine gestellt haben. Die antifaschistische Bewegung geht gestärkt aus diesem Tag", sagte Noa Sander von Widersetzen. Während in der Messehalle Alice Weidel und Tino Chrupalla als Spitzenduo wiedergewählt wurden, versammelten sich zahlreiche Menschen auch vor der Messe. Am Nachmittag waren dort laut Polizei bis zu 15.000 Menschen. Bei den Kundgebungen sprachen etwa Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), DGB-Chefin Yasmin Fahimi, Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). Die Demonstrationen seien bisher weitgehend friedlich verlaufen, bestätigte auch Maier. "Man kann zufrieden sein. Es ist bunt und laut." Er hoffe, dass auch die weiteren geplanten Aktionen bis Sonntag gewaltfrei blieben. Im Vorfeld hatte es nach Aufrufen im Internet Befürchtungen gegeben, dass es auch zu gewalttätigen Ausschreitungen kommen könnte.