Datum04.07.2026 16:15
Quellewww.spiegel.de
TLDRTürkei verweigert queerer Kreuzfahrt Anlegen. Türkische Behörden untersagten der "Scarlet Lady" die Einfahrt wegen "moralischer Standards". Die LGBTQ+-spezifische Kreuzfahrt von Atlantis Events muss ihre Route ändern. Die Behörden begründeten die Entscheidung mit Verhaltensweisen, die nicht mit der Gesellschaft und den moralischen Werten vereinbar seien. Die Reise war seit einem Jahr geplant.
InhaltDie "Scarlet Lady" muss ihre Route ändern. Türkische Behörden haben dem Schiff die Einfahrt untersagt. Die knapp 2000 Touristen an Bord entsprechen nicht den "moralischen Standards" der Führung. Der Vorgang dürfte bislang einmalig sein. Türkische Behörden haben einem amerikanischen Kreuzfahrtschiff mit knapp 2000 Passagieren die Einfahrt in ihre Häfen verweigert. Rich Campbell, CEO des Reiseunternehmens Atlantis Events, das die Tour veranstaltet, sagte "USA Today", seine Firma sei von türkischen Behörden darüber informiert worden, dass die Pläne, in zwei türkischen Häfen anzulegen, storniert werden müssen . Als Begründung wurden "moralische Standards" und "familiäre Werte" angegeben worden, berichtet CNN . Atlantis Events ist auf Kreuzfahrten mit LGBTQ+-Publikum spezialisiert. Das Unternehmen chartert komplette Kreuzfahrtschiffe, plant deren Reiserouten sowie das flankierende Programm. Im aktuellen Fall handelt es sich bei dem Schiff um die Scarlet Lady von Virgin Voyages, einem der vielen Unternehmen des britischen Milliardärs Richard Branson. Der ursprüngliche Plan hatte vorgesehen, dass das Schiff am 7. Juli in der Hafenstadt Kuşadası anlegt und im Anschluss für zwei Tage in Istanbul bleibt. Wie das Unternehmen auf seiner Website mitteilt , ist die Route aufgrund der Anordnung der Türkei bereits geändert worden. Als Ersatz werden nun Alexandria und Heraklion angesteuert. Behörden der Küstenprovinz Aydin, in der auch der Hafen von Kuşadası liegt, haben auf X (früher Twitter) eine Stellungnahme zu den Vorgängen veröffentlicht. Darin heißt es, die "Veranstaltung", als die das Schiff bezeichnet wird, habe "auf Social-Media-Plattformen für große Unruhe gesorgt, da das Kreuzfahrtschiff von Gruppen gemietet wurde, die für Verhaltensweisen bekannt sind, die nicht mit der Struktur unserer Gesellschaft und unseren moralischen Werten vereinbar sind." Der Besuch der Provinz durch eine solche Gruppe komme "keinesfalls in Frage". Gegenüber CNN erklärte CEO Campbell, er sei verblüfft, dass es den türkischen Behörden als Begründung ausreicht, dass es sich bei den Reisenden um eine queere Gruppe handele. Die Reise sei bereits vor einem Jahr angekündigt worden, ergänzte er bei USA Today. Zudem habe Atlantis Events Istanbul in den vergangenen 25 Jahren schon 13-mal angesteuert. Alle Versuche, die Behörden umzustimmen, auch unter Mitwirkung der amerikanischen Botschaft, seien dennoch gescheitert. Vertreter der Regierung und Präsident Recep Tayyip Erdoğan äußern sich immer wieder offen LGBTQ-feindlich. Ende Juni hatten Behörden eine Pride-Parade in Istanbul verboten, die Innenstadt vorsorglich abgesperrt und den öffentlichen Nahverkehr eingeschränkt. Als Begründung wurden Sicherheitsbedenken vorgeschoben. Als Aktivisten dennoch versuchten, sich zu Demonstrationen zu versammeln, wurden diese unmittelbar von Zivilpolizisten unterbunden.