AfD-Parteitag in Erfurt: Delegierte wählen Chrupalla und Weidel als Co-Chefs

Datum04.07.2026 14:42

Quellewww.spiegel.de

TLDRAlice Weidel und Tino Chrupalla wurden auf dem AfD-Parteitag in Erfurt als Co-Vorsitzende wiedergewählt, wobei Weidel 81,3 % und Chrupalla 70 % der Stimmen erhielten. Beide äußerten den Anspruch der AfD auf Regierungsverantwortung. Chrupalla ist seit 2019, Weidel seit 2022 im Amt. Der Parteitag fand inmitten von Zehntausenden von Protesten statt und war von internen Abstimmungen über weitere Vorstandsposten geprägt.

InhaltSeit vier Jahren führen sie gemeinsam die Partei, und das bleibt auch so: Alice Weidel und Tino Chrupalla sind als Co-Vorsitzende der AfD bestätigt worden – das Ergebnis fiel bei einem der beiden jedoch enttäuschend aus. Alice Weidel und Tino Chrupalla bleiben an der Spitze der AfD. Der Parteitag in Erfurt bestätigte beide für die kommenden zwei Jahre als Vorsitzende im Amt. Weidel erhielt 81,3 Prozent, Chrupalla 70 Prozent. Für Chrupalla bedeutet das einen deutlichen Dämpfer, für Weidel ein leichtes Plus. Beim Parteitag in Essen 2024 hatten Chrupalla knapp 83 und Weidel rund 80 Prozent geholt. Gegenkandidaten gab es auch dieses Mal nicht. Die Vorsitzenden schlugen sich gegenseitig vor. Zuvor hatten sich die Delegierten mit deutlicher Mehrheit dafür entschieden, dass die Partei weiterhin von einer Doppelspitze geführt werden soll. Auch eine Einzelspitze wäre laut Satzung möglich. Weidel hatte in ihrer Rede Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf angegriffen. Dieser sei der Vivaldi unter den Regierungschefs – "für alle vier Jahreszeiten eine Reformankündigung". "Jedes Mal haut er kräftig auf die Pauke und danach folgt ein Streichkonzert." Gestrichen würden Versprechen, warf sie Merz vor. Lauten Jubel gab es im Saal für den Ausruf: "Wir werden rigoros abschieben!" Chrupalla formulierte in seiner Bewerbungsrede den Machtanspruch der AfD: "Wir wollen regieren", sagte er. Man sei zu einer Volkspartei gewachsen. Dass man Oppositionsarbeit beherrsche, habe man bewiesen. "Und wir werden regieren, zuerst in einem Land, dann im Bund.". Man müsse gut vorbereitet sein. Chrupalla steht bereits seit November 2019 an der Spitze der AfD, zunächst an der Seite von Jörg Meuthen, der später die AfD verließ, weil diese ihm zu radikal wurde. Der 51-jährige Malermeister aus Sachsen ist damit der inzwischen dienstälteste Chef, den die AfD seit ihrer Gründung 2013 hatte. Gemeinsam mit der 47-jährigen Wirtschaftswissenschaftlerin Weidel führt er die AfD seit Sommer 2022. Neben der Wahl der Parteichefs stehen in Erfurt zwölf weitere Posten des Vorstands zur Abstimmung. Dabei kommt es auf mehreren Positionen, etwa bei den Stellvertreterposten, zu Kampfkandidaturen. Teilweise treten AfD-Politiker aus demselben Landesverband gegeneinander an. Neu in die Führungsriege aufrücken soll der Thüringer Stefan Möller, Co-Chef und Vertrauter des Thüringer Landeschefs Björn Höcke. Beide stuft der Thüringer Verfassungsschutz als Rechtsextremisten ein. Die AfD an sich wird vom Verfassungsschutz unter anderem in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft. Der Parteitag wurde wie erwartet von umfangreichen Protesten begleitet. Zehntausende Demonstranten waren in Erfurt unterwegs. Trotz Blockaden von Zufahrtsstraßen begann das Delegiertentreffen aber ohne Verzögerungen, da die meisten der rund 600 AfD-Mitglieder bereits in den frühen Morgenstunden angereist waren. Begleitet von der Polizei wurden sie in Bussen zur Messe Erfurt gebracht. Einem Sprecher zufolge waren vor 5.00 Uhr bereits 540 Delegierte auf dem Gelände.