Bundeswehr-Aufrüstung: Transporthubschrauber CH47 werden deutlich teurer

Datum04.07.2026 13:14

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Beschaffung von 60 Transporthubschraubern des Typs CH47 für die Bundeswehr verteuert sich um über 631 Millionen Euro, was die Gesamtkosten auf rund 7,187 Millionen Euro erhöht. Die Kostensteigerung, die aus dem Sondervermögen finanziert wird, führt der Hersteller Boeing auf gestiegene Zulieferer- und Lohnkosten zurück. Laut dem Verteidigungsministerium handelt es sich beim ursprünglichen Budget um einen Schätzpreis, und die Akzeptanz der Erhöhung ist Voraussetzung für den Hauptvertrag. Dies unterstreicht die Anfälligkeit auch direktstaatlicher Rüstungsgeschäfte für Preisanpassungen der Industrie.

InhaltDie schlechten Nachrichten bei der Modernisierung der Bundeswehr reißen nicht ab. Nach SPIEGEL-Informationen steigt der Preis für neue Transporthubschrauber aus US-Produktion um mehr als eine Milliarde Euro. Bei einem weiteren großen Rüstungsprojekt der Bundeswehr gibt es erhebliche Kostensteigerungen. Nach SPIEGEL-Informationen werden die 60 in den USA bestellten Transporthubschrauber vom Typ CH47 um 631 Millionen Euro teurer als ursprünglich geplant. Insgesamt steigt der Preis für die 2023 bestellten Helikopter damit auf rund 7,187 Millionen Euro. Das Verteidigungsressort unterrichtete die Haushälter des Bundestags am Freitagabend über die zusätzlichen Kosten bei dem Projekt, das aus dem 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr finanziert wird. Das entsprechende Papier liegt dem SPIEGEL vor. Die ersten der 60 CH47-Helikopter sollen 2027 bei der Bundeswehr ankommen und die altersschwachen Flieger vom Typ CH53 ablösen. Laut dem Ministerium von Boris Pistorius geht die Kostensteigerung auf höhere Preise des Herstellers Boeing und nicht auf zusätzliche Wünsche der Bundeswehr bei der Ausstattung zurück. Demnach macht die US-Firma 360 Millionen Dollar zusätzlich wegen gestiegener Zuliefererkosten, Lohnkostensteigerungen im Umfang von rund 230 Millionen und Konfigurations- und Integrationsanpassungen in Höhe von 29 Millionen Dollar geltend. In dem Bericht unterstreicht das Wehrressort, dass solche Kostensteigerungen normal seien. Bei dem 2022 genannten Budget, das der Haushaltsausschuss genehmigt hatte, habe es sich lediglich um einen "Schätzpreis" gehandelt. Nun, da der finale Vertrag geschlossen werden soll, finde eine "Preisumwandlung" statt, in dem Bericht wird sie etwas euphemistisch auch "Preisfortschreibung" genannt. Die Kostensteigerung, immerhin etwas mehr als 10 Prozent des ursprünglich kalkulierten Budgets, illustriert, dass auch die sogenannten "Foreign Military Sales", also direkte Verträge zwischen den Regierungen in Berlin und Washington, nicht vor Kostensteigerungen gefeit sind, wenn die Industrie ihre Preise erhöht. Laut dem ersten Vorvertrag für die Helikopter ist Deutschland verpflichtet, die höheren Preise zu akzeptieren. Auch in dem Bericht heißt es nun, dass die Kostensteigerung unumgänglich sei. "Die Akzeptanz der Erhöhung des Budgetrahmens", so das Papier, sei "Voraussetzung für den noch zu schließenden Hauptvertrag zwischen der US-Regierung und dem Unternehmen Boeing". Würde Berlin die höheren Preise nicht akzeptieren, so die Linie, käme der Vertrag nicht zustande und Deutschland bekäme die 60 Helikopter nicht ausgeliefert. Die schlechten Nachrichten kommen nur einige Tage nachdem Minister Pistorius ein anderes Milliardenprojekt seines Hauses zur Beschaffung von neuen Fregatten für die Marine stoppen musste. Auch hier waren die Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen, deswegen will das Ministerium nun deutlich kleinere Fregatten einkaufen, die allerdings bereits an andere Staaten verkauft worden sind.