Papst Leo XIV. besucht Lampedusa – »Ort der Hoffnung und der Menschlichkeit«

Datum04.07.2026 11:43

Quellewww.spiegel.de

TLDRPapst Leo XIV. hat Lampedusa besucht, „Ort der Hoffnung und der Menschlichkeit“. Er ehrte ertrunkene Bootsflüchtlinge und knüpfte an die Migrationspolitik seines Vorgängers Franziskus an. Der Papst forderte eine langfristige EU-Strategie, die Schutz, Integration und Bekämpfung von Fluchtursachen umfasst. Eine Gedenktafel für Franziskus wurde eingeweiht, der Pier heißt nun „Molo Papa Francesco“. Der Besuch auf der Insel, als „Ground Zero“ der europäischen Migration bekannt, betont die Dringlichkeit, die Würde aller Migranten zu wahren.

InhaltDer Papst erinnert auf der Mittelmeerinsel Lampedusa an das Schicksal der Bootsflüchtlinge. Er knüpft an die Flüchtlingspolitik seines Vorgängers Franziskus an und forderte eine langfristige EU-Strategie für Migration ein. Papst Leo XIV. hat auf Lampedusa der im Mittelmeer ertrunkenen Bootsmigranten gedacht. Zum Auftakt seines Besuchs auf der südlichsten Insel Europas legte er am Samstag auf dem Friedhof Blumen an den Gräbern verstorbener Migranten nieder und verharrte im stillen Gebet. Mit seinem Besuch tritt Leo XIV. in die Fußstapfen des verstorbenen Papstes Franziskus, der die Notlage von Flüchtlingen zu einer Priorität seines Pontifikats gemacht hatte. Seine erste Reise als Papst führte Franziskus nach Lampedusa, wo er eine "Globalisierung der Gleichgültigkeit" anprangerte. Leo segnete am Samstag eine Gedenktafel für Franziskus, nach dem nun der Ankunftsort von Migranten in Lampedusa benannt wird. Der bisher Molo Favaloro genannte Pier wird künftig Molo Papa Francesco heißen. Der Landungssteg ist einer der symbolträchtigsten Orte für Migranten im zentralen Mittelmeer. An dem rund 150 Meter langen Pier gehen seit Jahren Menschen an Land, die die gefährliche Überfahrt überlebt haben. Entweder erreichen die Boote die Anlegestelle aus eigener Kraft oder Hilfsschiffe bringen die Menschen dorthin. Leo segnete die Gedenktafel mit der Aufschrift: "Molo Papa Francesco - ein Ort der Ankunft, der Hoffnung und der Menschlichkeit". Dann begrüßte er Migranten, die für den Besuch des Papstes aus dem Aufnahmelager der Insel, dem sogenannten Hotspot, zum Pier gekommen waren. Die Insel gilt als "Ground Zero" der europäischen Migration – sie ist der wichtigste Einreiseort für Migranten, die mit Booten aus Libyen oder Tunesien eingeschleust werden. Auf dem gerade mal neun Kilometer langen Eiland spielten sich die großen Dramen der Zuwanderung ab – immer wieder gab es Berichte über Hunderte Tote, darunter viele Kinder. Die Menschen fliehen vor Konflikten, Klimawandel und Armut. Die Internationale Organisation für Migration geht von mehr als 35.000 vermissten Migranten im Mittelmeer seit 2014 aus. Die tatsächliche Zahl der Todesopfer ist mutmaßlich deutlich höher, weil viele Schiffbrüche nie erfasst werden. Leo XIV. durchschritt auch die berühmte Porta d'Europa, ein Denkmal in Form eines großen Tores am südlichsten Punkt der Insel, das an die Opfer der Flüchtlingskrise in Europa erinnern soll. Am Vormittag wird der Papst noch eine Messe feiern, bevor er mittags zurück nach Rom fliegt. Der Pontifex forderte bei seinem Besuch eine langfristige EU-Strategie für Migration ein. Schutz und Integration müssten Vorrang haben – und die Ursachen von Flucht entschlossener bekämpft werden. Aufgrund seiner geografischen Lage und seiner institutionellen Struktur sei Europa in der Lage, die Krise in diesem Bereich ganzheitlich anzugehen, sagte das Kirchenoberhaupt am Samstag. Leo XIV. forderte, die Soforthilfe in einen langfristigen strategischen Plan einzubinden, "der Migranten aufnimmt, schützt, fördert und integriert und gleichzeitig auf Entwicklung hinarbeitet, damit niemand zur Auswanderung gezwungen wird". All dies müsse unter Wahrung der Würde jedes Einzelnen geschehen, so der Papst. Die Verantwortung dafür sieht der Papst nicht allein bei den öffentlichen Institutionen, sondern auch bei der Zivilgesellschaft und der Kirche. Bereits im vergangenen Monat hatte er einen Migrations-Hotspot auf den spanischen Kanarischen Inseln aufgesucht. Er prangerte eine Politik an, die Migranten gleichgültig abweise und warnte vor Menschenschmugglern, die Gottes Zorn auf sich zögen, indem sie die Verzweiflung der Flüchtlinge ausnutzen. Leo hat wiederholt betont, wie wichtig es ist, die Würde von Migranten zu wahren, insbesondere angesichts des Massenabschiebungsprogramms der Trump-Regierung in seiner Heimatstadt Chicago. Er richtet sich aber auch an die christlichen Führer Europas.