Werbung für Kindesmissbrauch im indischen Instagram entdeckt

Datum04.07.2026 11:31

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie BBC deckte auf Instagram in Indien Anzeigen auf, die für Kindesmissbrauch und Vergewaltigungsvideos warben und zu Telegram verlinkten. Metas erste Reaktion war eine Ablehnung, die erst nach öffentlicher Anfrage korrigiert wurde. Indien fordert eine Erklärung von Meta und kritisiert die Werbesysteme. Telegram steht ebenfalls in der Kritik, gegen illegale Inhalte vorzugehen.

InhaltDie BBC hat auf Instagram in Indien Anzeigen gefunden, die für Videos von Kindesmissbrauch und Vergewaltigungen werben. Die erste Reaktion des Meta-Konzerns war dürftig. Die indische Regierung fordert eine Erklärung. Einem Bericht der BBC zufolge  hat Instagram in Indien Anzeigen ausgespielt, die für sexuellen Kindesmissbrauch und anderes pornografisches Material geworben haben. Die Werbeclips, in denen Begriffe wie "Vergewaltigungsvideo" und "Kindervideo" verwendet worden sein sollen, haben Nutzer demnach in die Messenger-App Telegram verlinkt. Dort habe man die beworbenen Videos zu Preisen ab weniger als einem Euro kaufen können. Eine der von ihnen gefundenen Anzeigen meldeten die BBC-Reporterinnen und -Reporter an Instagram. Vermutlich nutzten sie dazu die Funktion "Werbeanzeige melden". Binnen 24 Stunden habe das zum Meta-Konzern gehörende Netzwerk geantwortet, die monierte Anzeige würde nicht gegen die Gemeinschaftsrichtlinien von Instagram verstoßen. Diese Haltung änderte sich offenbar, als die BBC eine offizielle Anfrage an Meta stellte und um eine Stellungnahme bat. In dieser hieß es dann, man habe mehrere entsprechende Anzeigen sowie die damit zusammenhängenden Accounts abgeschaltet. Die unterschiedlichen Reaktionen auf die BBC-Hinweise dürften auf Metas Systeme zur Überprüfung von Inhalten zurückzuführen sein. Laut Meta werden Anzeigen von automatisierten Systemen geprüft, bevor sie live geschaltet werden. Dabei setzt das Unternehmen zunehmend auf künstliche Intelligenz (KI). Menschen sind bei diesem Verfahren laut Meta nur noch "für Instandhaltung sowie Training dieser Systeme verantwortlich und prüfen manche Anzeigen auch manuell." In einem Blogbeitrag erklärt Meta , dass für Werbung auf seinen Plattformen, zu denen neben Instagram etwa auch Facebook und WhatsApp zählen, dieselben "Gemeinschaftsstandards" gelten wie für alle anderen Beiträge. Ferner haben Werbetreibende zusätzliche Auflagen zu beachten, weshalb Werbung keine "obszönen Formulierungen, übermäßigen Nacktdarstellungen oder Fehlinformationen" enthalten dürfe. Wie genau Meta auf die Einhaltung dieser Vorgaben pocht, ist allerdings immer wieder Gegenstand von Kritik und Spekulationen. Wie abhängig Meta von Anzeigen als Einnahmequelle ist, zeigt ein Blick auf den Finanzbericht für das Geschäftsjahr 2025 . Von 200 Milliarden Dollar Umsatz stammen demnach 196 Milliarden aus dem Geschäft mit Werbung. Die BBC lässt zu diesem Thema einen ehemaligen Facebook-Manager zu Wort kommen, der heftige Vorwürfe gegen die Praktiken des Konzerns erhebt. Der Mann, der das Unternehmen 2020 verlassen hat, sagt, der Algorithmus von Instagram sei darauf ausgelegt, die Nutzer auf der Plattform zu halten, indem er ihnen "immer extremere, immer verlockendere" Dinge zeigt. Neu sind diese Erkenntnisse nicht. Zudem basieren sie bei besagtem Ex-Manager auf sechs Jahre alten Erfahrungen. Gegenüber der BBC verwahrte sich Meta gegen Vorwürfe, es würde wissentlich und vorsätzlich Werbung mit Kinderdarstellungen an Nutzer ausspielen. Entsprechende Behauptungen seien "vollkommen unzutreffend". Zudem arbeite das Unternehmen ständig daran, seine "Verteidigungsmaßnahmen" zu verbessern und Technologien zu entwickeln, "um Betrüger aufzuspüren und rechtswidrige Websites auszusperren". Allein im vergangenen Jahr habe man "mehr als vier Millionen Accounts" wegen verdächtigen Verhaltens blockiert. Die indische Regierung gibt sich mit diesen Erklärungen offensichtlich nicht zufrieden. Wie die "Times of India " meldet, hat der in Indien für Informationstechnologie zuständige Minister Ashwini Vaishnaw von Meta eine formelle Erklärung zu den von der BBC erhobenen Vorwürfen eingefordert. Demnach verlangt Vaishnaw Informationen dazu, ob und wenn ja, wie Instagrams System die fraglichen Anzeigen geprüft hat und welche Maßnahmen ergriffen wurden, nachdem die Anzeigen gemeldet wurden. Siddharth Pillai, Mitgründer einer Plattform, die Kindern Hilfestellung gegen Onlinebedrohungen geben soll, sieht eine Schwäche von Metas System in der engen Verzahnung von Instagram mit Telegram. Ihm zufolge nutzen Kriminelle die Möglichkeiten zur Verlinkung von der einen zur anderen Plattform, um der Verfolgung zu entgehen. Sie würden die Inhalte die entfernt worden sind, "einfach immer wieder erneut hochladen." Telegram wird immer wieder vorgeworfen, nicht genug gegen kriminelle und extremistische Inhalte vorzugehen, auf Behördenanfragen zur Ermittlung von Straftaten nur unzureichend zu reagieren. Im Jahr 2024 warf die Pariser Staatsanwaltschaft Telegram-Gründer Pawel Durow gar Beihilfe zur organisierten Verbreitung von Kindesmissbrauchsaufnahmen und Drogenhandel  vor. Durow wurde damals bei einem Zwischenstopp in Frankreich festgenommen, durfte das Land erst nach mehr als einem Jahr wieder verlassen.