Datum04.07.2026 11:05
Quellewww.zeit.de
TLDRDie USA feiern ihr 250-jähriges Bestehen mit großen Events unter dem Motto "America 250", die am 4. Juli ihren Höhepunkt erreichen. Präsident Trump prägt die Feierlichkeiten. Historisch steht die Unabhängigkeit für universelle Werte, doch ihre Interpretation und Inanspruchnahme ist umstritten und spaltet das Land. Viele Amerikaner planen private Feiern. Kritiker werfen Trump vor, die Veranstaltung politisch zu instrumentalisieren, was zu Absagen von Bundesstaaten und Künstlern führte. Parallel sind Proteste gegen die Regierung geplant.
InhaltUnter Trump soll das US-Jubiläum natürlich besonders groß und spektakulär werden. Nicht allen ist nach Feiern zumute. Es gibt Kritik. Und einige Absagen. Ein Überblick Die Feierlichkeiten zum 250-jährigen Bestehen der USA haben in Washington, D. C. bereits vergangene Woche begonnen. Unter dem Motto America 250 sollen sie am Unabhängigkeitstag am 4. Juli im ganzen Land ihren Höhepunkt finden. Natürlich dreht sich dabei alles vor allem um einen Mann: US-Präsident Donald Trump. Ein Überblick. Am 4. Juli 1776 erklärten 13 Kolonien in der berühmt gewordenen Declaration of Independence ihre Unabhängigkeit von Großbritannien. Es war das zweite Jahr des US-amerikanischen Unabhängigkeitskriegs. Ein zentraler Auslöser dessen war die Weigerung der Kolonien, Steuern und andere Eingriffe Großbritanniens zu erdulden, ohne dort selbst im Parlament vertreten zu sein (No taxation without representation). Gegen die Übermacht der britischen Truppen kamen sie zunächst nicht an. Erst die Unterstützung durch Spanien, die Niederlande und Frankreich brachte ihnen im Jahr 1781 den Sieg, 1783 wurde dann in Paris Frieden geschlossen. Die US-amerikanische Unabhängigkeit gilt als Beginn der politischen Moderne. Der bekannte Dokumentarfilmer Ken Burns sagt aber im Gespräch mit der ZEIT, Demokratie sei nicht das Ziel der Revolution gewesen: "Die Idee war vielmehr, dass eine führende Gruppe weißer Männer mit Besitztümern die Dinge lenken sollte." Die Loslösung von Großbritannien wurde lange vor allem als eine Siegesgeschichte weißer Männer und Siedler erzählt; Indigene kommen in der Unabhängigkeitserklärung nur in rassistischer Weise vor, Sklaven wurden nicht als Träger der proklamierten Rechte anerkannt. Die erkämpfte Freiheit war also nicht die Freiheit aller. Trotzdem wurden in der Declaration universelle Werte festgehalten, allen voran in dem Satz: All men are created equal – Alle Menschen sind gleich geschaffen. Zudem seien sie "von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet": Leben, Freiheit, das Streben nach Glück. Sich daraus ergebende Leitbilder wie der American way of life oder der American Dream haben weltweit lange große Anziehungskraft ausgeübt. Klar ist aber auch, dass seit Trumps zweiter Präsidentschaft wieder zur Debatte steht, wer diese später Verfassung gewordene Selbstbestimmung für sich in Anspruch nehmen darf. Staatliche Antidiskriminierungsprogramme in der Tradition der Schwarzen Bürgerrechtsbewegungen der Sechzigerjahre werden von der US-Regierung rückabgewickelt, der Supreme Court stützt mit vielen seiner Entscheidungen Trumps rigide Migrationspolitik, regierungskritische Demonstranten werden von den Republikanern regelmäßig als Radikale verunglimpft. Noch setzt sich die Spaltung der USA also weiter fort, es erscheint zweifelhaft, ob ausgerechnet das Semiquincentennial – der halbfünfhundertste Geburtstag – daran etwas ändert. Anzunehmen ist vielmehr, dass sich viele US-Amerikaner zum 4. Juli lieber ins Private zurückziehen. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup zufolge wollen 44 Prozent der befragten US-Amerikaner den Tag mit Freunden und Familie verbringen. Nur etwa einer von zehn Befragten will eine der Veranstaltungen von America 250 besuchen. Große Events finden neben D. C. unter anderem in Los Angeles, Boston und Philadelphia statt. Der Anteil derer, die den Anlass überhaupt nicht feiern möchten, ist der Umfrage zufolge am ausgeprägtesten in der Gruppe der unter 30-Jährigen. In Washington hat der US-Präsident für den Abend des 4. Juli "die spektakulärste aller Trump-Kundgebungen" angekündigt. Er werde "eine Grundsatzrede halten, die Sie nicht verpassen wollen", schrieb er in seinem Onlinedienst. Dank ihm könnten die US-Amerikaner zudem einem weiteren "historischen Schauspiel" beiwohnen, ergänzte er in Großbuchstaben: der "größten Feuerwerkshow der Geschichte". In der US-Hauptstadt sollen an dem Tag Tausende Polizisten und 5.000 Soldaten der Nationalgarde im Einsatz sein. Zum unfreiwilligen Symbol der Veranstaltung ist vorab das Wasserbecken vor dem Lincoln Memorial geworden. Der Reflecting Pool sollte zum Jubiläum eigentlich in Donald Trumps Wunschfarbe, dem Blau der amerikanischen Flagge, strahlen. Dafür ließ der US-Präsident das berühmte Wasserbecken Medienberichten zufolge für rund 14 Millionen US-Dollar "modernisieren". Nun aber beschäftigen Algen und sich lösende Farbbeschichtung die Behörden. Der Pool ist neongrün. Trump machte nächtliche Saboteure für die Probleme verantwortlich. Beweise dafür hat er nicht vorgelegt. Die oppositionellen Demokraten werfen dem Präsidenten vor, die 250-Jahr-Feier für ein parteipolitisches Spektakel vor den Zwischenwahlen zum Kongress im November zu nutzen. Trump wiederum unterstellt den Demokraten, sie würden die USA "hassen". Mehrere demokratisch regierte Bundesstaaten haben deshalb ihre Teilnahme an dem seit vergangener Woche laufenden Volksfest auf der National Mall abgesagt, darunter Oregon, Washington und Illinois. Auf der sogenannten Great American State Fair sollen Traditionen, Musik und Speisen aus allen 50 Landesteilen präsentiert werden. Auch für Trumps Rallye am 4. Juli gab es Absagen; Musikern wie The Commodores, Poison-Frontmann Bret Michaels und Fabrice Morvan vom Pop-Duo Milli Vanilli ist die Veranstaltung zu parteipolitisch aufgeladen. US-Medien wie die New York Times und der Atlantic sprechen von einer "Schlacht" um die Gedenkfeiern. Landesweit sind am 4. Juli Proteste gegen die Trump-Regierung geplant. Man wolle "die Unabhängigkeit erklären von Trumps faschistischem Amerika", schreiben die Aktivisten von Refuse Facism auf ihrer Homepage. Auch vor der US-Botschaft in Berlin soll demonstriert werden. Klar, gekickt wird ja auch noch! Am 4. Juli finden in den USA zwei WM-Achtelfinalspiele statt, eines in Philadelphia, eines in Houston. Wie The Athletic schreibt, soll es vor beiden Partien jeweils eine dem 250. Jubiläum gewidmete Zeremonie geben. Welches Bild dort von den USA gezeichnet wird? Fifa-Chef und Trump-Freund Gianni Infantino wird’s wissen. Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AP.