Meinung: Österreich: Bereitet Sebastian Kurz ein Comeback vor?

Datum04.07.2026 08:51

Quellewww.spiegel.de

TLDREs gibt Gerüchte über ein politisches Comeback von Sebastian Kurz mit Unterstützung der FPÖ. Trotz früherer Konflikte und Kurz' Dementi scheinen sich beide Seiten anzunähern. Positionen wie Migrationskritik und EU-Skepsis machen Kurz für die FPÖ kompatibel. Eine Rückkehr als Kanzler ist unwahrscheinlich, eine eigene Partei oder das Amt des Außenministers sind denkbar.

InhaltÖsterreichs Ex-Kanzler Kurz bandelt mit der rechten FPÖ an. Alles nur Kontaktpflege, sagt er. Beobachter vermuten mehr dahinter. Plant Sebastian Kurz die Rückkehr in die Politik - mit Unterstützung der rechtsradikalen FPÖ? Entsprechende Gerüchte halten sich hartnäckig in Wien. FPÖ-Chef Herbert Kickl sprach in einem Interview unlängst selbst von Kontakten zum Umfeld des Altkanzlers. Ihre Zusammenkunft Anfang Juni war mehr als ein "Versöhnungstreffen", wie das Magazin "Profil" berichtete. Schließlich sind Unstimmigkeiten wohl schon sehr viel früher ausgeräumt worden, wie SPIEGEL und "Standard" erfuhren. In Interviews redet Kurz den Termin mit dem FPÖ-Mann eher klein. Als politischer Mensch pflege er Kontakte, der Austausch mit Kickl habe keinerlei strategische Bedeutung. Aus der FPÖ heißt es auf Anfrage: Wenn es "etwas zu sagen gäbe, hätte Herbert Kickl eine Pressekonferenz gemacht". Streben Kurz und Kickl wirklich gemeinsam an die Macht? Die Vorstellung mag absurd klingen, schließlich gelten die beiden spätestens seit der Ibiza-Affäre 2019 als verfeindet. Damals Kurz sorgte für die Entlassung von Kickl als Innenminister. Wenig später stürzte Kickl im Parlament Kurz als Kanzler. Noch heute kokettieren FPÖ-Leute damit, Aufkleber vorrätig zu haben, auf denen "Kurz muss weg" steht. STANDARD und SPIEGEL erklären, was Österreich bewegt, ordnen politische Debatten ein, erzählen unbekannte Besonderheiten und analysieren die Hintergründe der Macht. Inside Austria erscheint jeden Samstag als Newsletter und Podcast. Für Inside-Austria Hörer- und Leserinnen gibt es jeweils ein besonderes Angebot: 4 Wochen SPIEGEL+ für 1 €, danach 5,99 € pro Woche sowie 1 Monat STANDARD Smart für 1 € statt 14,90 € . Und doch mehren sich Indizien, dass Kickl und Kurz eine gemeinsame Idee entwickeln. Davon sprechen Personen in und außerhalb der ÖVP, der konservativen Partei von Kurz. "Er will unbedingt zurück in die Politik", sagen mehrere seiner Parteifreunde. Das Ende der ÖVP-FPÖ-Koalition bereute Kurz öffentlich, er sagt Sätze wie: "Mit der FPÖ war es die beste Zeit." Dazu spricht er sich gegen Migration aus und kritisiert die EU - Positionen, die ihn FPÖ-kompatibel machen. Sollte Kurz tatsächlich zurückkehren in die Politik, dürfte er wohl weniger auf das Kanzleramt zielen. Denn auf die Regierungszentrale am Wiener Ballhausplatz erhebt auch Kickl Anspruch. Umfragen sehen die FPÖ vorne, jedoch deutlich von einer absoluten Mehrheit entfernt. Die ÖVP unter dem gegenwärtigen Kanzler Christian Stocker wiederum steht als Juniorpartnerin wohl nicht bereit. In der ÖVP gibt es große Widerstände gegen eine Rückkehr von Kurz. Dessen Unterstützer streuen Gerüchte, Kurz könne eine eigene Partei gründen. Eine Kraft, die der FPÖ die Mehrheit für eine rechte Koalition bescheren könnte - und Kurz das Amt des Außenministers. Die Finanzierung wäre auch gesichert: Kurz ist reich und ein inzwischen von ihm gegründeter Thinktank namens "Gobal Shift Institute"  könnte als Vehikel dienen, um Gelder zu sammeln. Wäre Kurz bereit, unter Kanzler Kickl als Minister zu dienen? Erwägt er vielleicht sogar eine Kandidatur bei der Bundespräsidentenwahl 2028, wie das "Profil" andeutete? SPIEGEL und "Standard" schickten diese und weitere Fragen schriftlich an Sebastian Kurz. Antworten kamen keine. Im Inside-Austria-Podcast geht es diese Woche um die NS-Vergangenheit Österreichs  – und die der eigenen Vorfahren. Viele wissen nämlich gar nicht, ob Eltern oder Großeltern Mitglied in der NSDAP waren, der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Das Thema war und ist in vielen Familien ein Tabu. Wer mehr erfahren wollte, musste aufwendige Ahnenforschung in Archiven betreiben. Das ist nun anders: Der SPIEGEL hat ein digitales Recherchetool  erstellt, worüber man die rund zwölf Millionen Karteikarten durchsuchen kann, die das US-Nationalarchiv frei zur Verfügung stellt. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich war der Zulauf zur NSDAP groß – sogar so groß, dass es teilweise Aufnahmestopps gab. Warum war das so? Dieser Frage gehen die Hosts Lucia Heisterkamp und Katharina Zingerle im Gespräch mit dem österreichischen Historiker und Autor Kurt Bauer nach. Sie sprechen über die Anfänge des Nationalsozialismus in Österreich, über die Terroranschläge in der Zeit, als die NSDAP verboten war – und über die Frage, was eine Parteimitgliedsnummer über die Gesinnung aussagt. Schönes Wochenende und herzliche Grüße aus Wien! Oliver Das GuptaAutor für SPIEGEL und STANDARD Und noch einmal der Hinweis in eigener Sache: Dieses Briefing als Newsletter in Ihr E-Mail-Postfach können Sie hier bestellen.