Datum04.07.2026 08:19
Quellewww.spiegel.de
TLDRFast eine Dreiviertelmillion Rentnerinnen und Rentner, überwiegend Frauen, sind in Deutschland auf Sozialhilfe angewiesen – ein Anstieg von 30.000 zum Vorjahr. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) kritisiert die Zahlen als „Spitze des Eisbergs“ und fordert eine Mindestrente sowie eine Rente wie in Österreich. Die geplante Streichung der „Rente nach 63“ treffe besonders Rentner in Ostdeutschland, so das BSW.
InhaltImmer mehr Rentnerinnen und Rentner sind auf Sozialhilfe angewiesen, aktuell sind es fast 30.000 mehr als vor einem Jahr. Betroffen sind vor allem Frauen. Mehr als eine Dreiviertelmillion Rentnerinnen und Rentner erhalten in Deutschland aktuell Sozialhilfe. Das ergab eine Anfrage vom Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) beim Statistischen Bundesamt. Dabei seien deutlich mehr Frauen als Männer betroffen. Die Zahlen sind demnach gestiegen. Bundesweit erhalten 771.275 Rentnerinnen und Rentner aktuell Sozialhilfe. Das sind fast 30.000 mehr als vor einem Jahr und fast 180.000 mehr als vor vier Jahren, rechnet das BSW vor. Der BSW-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Thomas Schulze, bezeichnete die neuen Zahlen als lediglich Spitze des Eisbergs. "Viele Rentner beantragen aus Scham keine Hilfe oder liegen nur knapp darüber", heißt es in einer Erklärung. Schulze schlägt eine Rente wie in Österreich vor. Die Durchschnittsrente liege dort 800 Euro höher und es gebe eine Mindestrente, die nach jahrzehntelanger Arbeit vor Armut schützt. Schulze warnte, die geplante Rentenreform werde vor allem Menschen in Ostdeutschland besonders hart treffen. "Weil sie nur die gesetzliche Rente haben", wie er laut einer Mitteilung sagte. Menschen in Westdeutschland haben häufiger privat oder betrieblich fürs Alter vorgesorgt. In Sachsen erhielten laut den Zahlen des Statistischen Bundesamts im März 21.490 Rentnerinnen und Rentner Sozialhilfe, das sind 1600 mehr als vor einem Jahr. In Sachsen-Anhalt wuchs die Zahl um rund 800 auf 11.835. In Thüringen waren es 9510, rund 900 mehr als vor einem Jahr. Schulze bezeichnete es außerdem als "brutale Rentenkürzung", dass Menschen, die 45 Jahre gearbeitet haben, nicht mehr abschlagsfrei in Rente gehen dürfen. Laut dem Vorschlag einer Kommission, den die Bundesregierung umsetzen will, soll die Rente für "besonders langjährig Versicherte" – bekannt als "Rente nach 63" – gestrichen werden. Sie ermöglicht bislang Versicherten mit 45 Beitragsjahren oder mehr, ohne Abschläge vor dem gesetzlichen Eintrittsalter in Rente zu gehen. Warum die Rente plötzlich der größte Coup der schwarz-roten Koalition von Kanzler Friedrich Merz ist, lesen Sie hier .