Nach Rentenreform: Handwerk fordert Senkung der Sozialbeiträge

Datum04.07.2026 08:10

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Zentralverband des Deutschen Handwerks begrüßt die Rentenreform, fordert aber eine Senkung der Sozialbeiträge zur Kompensation steigender Rentenbeiträge. Präsident Dittrich verlangt ein zweites Reformpaket zur Senkung der Lohnzusatzkosten und der Abgabenlast. Er fordert mindestens eine Senkung der Kranken- und Pflegebeiträge und eine Entlastung von Personengesellschaften. Die geplante Einführung einer kapitalgedeckten Rente erfordert höhere Rentenbeiträge, was bis 2028 zu einem Anstieg auf 19,9 Prozent führen könnte.

InhaltDer Zentralverband des Deutschen Handwerks begrüßt die Rentenreform, will aber die steigenden Beiträge zur Altersvorsorge kompensieren. Kranken- und Pflegebeiträge müssten langfristig gesenkt werden. Das Handwerk fordert von der Bundesregierung ein zweites Reformpaket im Herbst, um die Sozialbeiträge zu senken. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Jörg Dittrich, sagte der "Bild "-Zeitung, Ziel müsse sein, die Lohnzusatzkosten wieder "Richtung 40 Prozent" zu bringen. Die von der Koalition geplante Rentenreform unterstütze er zwar, sie dürfe aber nicht "ablenken davon, dass jetzt auf der anderen Seite etwas getan werden muss zur Senkung von Steuer- und Abgabenlast", so Dittrich. Der zu erwartende starke Anstieg der Rentenbeiträge im Jahr 2028 müsse durch Senkungen bei Kranken- und Pflegebeiträgen mindestens kompensiert werden. "Wir müssen diese Dinge gemeinsam betrachten." Dittrich forderte außerdem eine Entlastung von Personengesellschaften – also von Unternehmen mit mindestens zwei Personen, die persönlich und häufig auch mit Privatvermögen haften. Der Finanzminister und die Koalition müssten Antworten darauf finden, wie die Weiterführung ‌solcher Unternehmen attraktiv bleibe. Ohne diese ‌Minderheit der Selbstständigen werde es keine sicheren ‌Arbeitsplätze geben. "Stärkere Schultern sollen gern mehr tragen, aber Personenunternehmen dürfen nicht benachteiligt sein gegenüber Kapitalgesellschaften und ⁠das sind sie momentan", kritisierte Dittrich. Auch der Linkenpolitiker Dietmar Bartsch forderte in der "Rheinischen Post" eine Senkung der Sozialabgaben – um Millionen von Arbeitnehmern im Niedriglohnbereich zu entlasten, die von den Steuersenkungen der Regierung nicht profitierten, weil sie aufgrund ihres geringen Verdienstes keine Einkommensteuer bezahlen müssten. Union und SPD wollen die Vorschläge der Rentenkommission nach Aussagen von Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) zügig und vollständig umsetzen. Kern der Reformpläne ist die Einführung einer neuen Kapitalrente, für die die Rentenbeiträge steigen sollen. Der von Arbeitnehmern und Arbeitgebern hälftig gezahlte Rentenbeitrag würde um bis zu zwei Prozentpunkte erhöht. Dies käme zu einer ohnehin erwarteten Steigerung des Beitragssatzes von heute 18,6 Prozent des Bruttolohns hinzu. 2028 wird er Prognosen zufolge schon bei 19,9 Prozent liegen.