Datum04.07.2026 05:23
Quellewww.zeit.de
TLDRDer GKV-Spitzenverband warnt die Bundesregierung vor Zugeständnissen bei geplanten Sparplänen im Gesundheitswesen. Verbandschef Blatt kritisiert Lobbydruck von Ärzten und Pharmaindustrie und betont, dass ohne Reformen Beitragserhöhungen drohen. Die Regierung will Ausgaben der Krankenkassen senken, um steigenden Kosten und Beitragserhöhungen entgegenzuwirken. Proteste von Ärzten und der Pharmabranche begleiten die Pläne.
InhaltÄrzte und Pharmaindustrie kritisieren die Bundesregierung für geplante Reformen im Gesundheitswesen. Der Krankenkassenverband bezeichnet dies als "Lobbydruck". Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) warnt die schwarz-rote Koalition davor, von ihren Sparplänen im Gesundheitswesen kurz vor deren Verabschiedung abzuweichen. "Derzeit wird viel diskutiert, ob geplante Einsparungen bei der Pharmaindustrie und der Ärzteschaft zurückgenommen werden und es droht, dass die Krankenhausreform verwässert wird", sagte Verbandschef Oliver Blatt der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Das wäre genau der falsche Weg, denn dann wird es am Ende doch wieder für alle teurer." Ohne mutige und weitgehende Reformen würde es sich nicht verhindern lassen, dass bei den Krankenkassen erneut die Beiträge steigen, sagte der GKV-Chef. In den ersten Monaten des Jahres seien die Ausgaben der Krankenkassen doppelt so schnell gestiegen wie die Einnahmen. "Wenn nicht schnell und entschlossen gehandelt wird, dann fliegen uns zum Jahreswechsel die Finanzen um die Ohren", sagte Blatt. Das Milliardensparpaket für das Gesundheitswesen soll kommende Woche im Bundestag verabschiedet werden. Damit will die Bundesregierung die gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2027 von stark steigenden Ausgaben entlasten und so erneute Beitragserhöhungen verhindern. Um die Ausgaben der Kassen zu senken, soll ein Gesetz den Anstieg der Vergütungen für Arztpraxen, Kliniken und Pharmabranche begrenzen. Patienten sollen beispielsweise mehr bei Medikamenten zuzahlen, auch die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern will die Bundesregierung einschränken. Die Maßnahmen der Gesundheitsreform sollen für das kommende Jahr eine erwartete Lücke von 18,8 Milliarden Euro schließen. Um Details ringen die Politiker allerdings noch. Gegen die Sparpläne gibt es heftige Proteste aus dem Gesundheitswesen, aber auch von der Pharmabranche und Patientenvertretern. Die Kassenärzte hatten etwa gewarnt, dass sie in der Folge ihr Leistungsangebot reduzieren müssten. Der Krankenkassenverbandschef Blatt forderte, "dass der Bundestag dem Lobbydruck von Pharmaindustrie, Krankenhäusern und Ärzteschaft standhält". Versicherte und Arbeitgeber hätten vorgelegt "und bereits mehr als einen angemessenen Anteil an den Finanzierungs- und Einsparplänen geleistet", sagte er. Blatt verwies darauf, dass Zusatzbeiträge gestiegen sind und Zuzahlungen und die Beitragsbemessungsgrenze angehoben werden sollen.