Datum04.07.2026 04:00
Quellewww.zeit.de
TLDRFünf Jahre nach der tödlichen Flutkatastrophe im Ahrtal sind die Folgen immer noch spürbar. Mehr als 180 Menschen starben, tausende wurden obdachlos. Der Wiederaufbau gestaltet sich langwierig: Straßen, Brücken und die Bahnstrecke wurden beschädigt oder zerstört. Politische Aufarbeitung und Ermittlungen wegen möglichem Behördenversagen laufen. Trotz Fortschritten bei der Infrastruktur bleiben Gedenken und die Bewältigung der Traumata zentral.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Eine Chronologie“. Lesen Sie jetzt „Fünf Jahre Ahrtal-Flut: Die Katastrophe und der Wiederaufbau“. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 verwüstet eine tödliche Flutkatastrophe nicht nur das Ahrtal. Mehr als 180 Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen verlieren ihr Leben, Tausende Häuser werden beschädigt oder zerstört. Auch fünf Jahre später ist der Wiederaufbau nicht abgeschlossen. Eine Chronologie: 14. Juli 2021: Nach tagelangem Starkregen steigt der Pegel der Ahr dramatisch an. Erste Warnungen vor Hochwasser werden herausgegeben. Am selben Tag ruft der Kreis Ahrweiler die zweithöchste Alarmstufe aus. 15. Juli 2021: Die Flut verwüstet das Ahrtal. Häuser werden mitgerissen, Menschen flüchten auf Dächer. Die Folgen der verheerenden Flut: Das Tal ist verwüstet. Menschen werden vermisst. Die ersten Todesfälle werden bekannt. Mehr als 180 Menschen werden wegen der Flutkatastrophe ihr Leben verlieren, 135 davon im Ahrtal und ein Mensch im Raum Trier. Eine Person aus der Ahr-Region gilt bis heute als vermisst. 16. Juli 2021: Bund und Länder sagen schnelle Hilfe zu. Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel verspricht Unterstützung, Rheinland-Pfalz stellt zunächst 50 Millionen Euro bereit. In den Tagen nach der Flut macht sich große Solidarität unter der Bevölkerung breit: Zahlreiche Menschen reisen nach und nach als Helfer ins Ahrtal. 17. Juli 2021: Der damalige NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) lacht während einer Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Erftstadt. Ein fataler Fehler, der als Mitgrund für seine spätere Niederlage als CDU-Kanzlerkandidat bei der Bundestagswahl gilt. 6. August 2021: Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Landrat des von der Flutkatastrophe besonders betroffenen Landkreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), eingeleitet. Es geht um den Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen. 17. August 2021: Der Wiederaufbau geht voran: Das Mobilfunknetz funktioniert wieder wie vor der Katastrophe. Von insgesamt 112 Brücken im Schadensgebiet sind 35 nutzbar, 17 eingeschränkt benutzbar, 53 zerstört und 4 teilzerstört. 14. September 2021: Im Ahrtal ist eine provisorische Stromversorgung nach Angaben der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) bis zu den Hausanschlusskästen sichergestellt. Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser durch Leitungen funktioniert weitgehend wieder. 1. Oktober 2021: Die politische Aufarbeitung der Flutkatastrophe beginnt mit der ersten Sitzung des Landtagsuntersuchungsausschusses in Mainz. Das Gremium soll auch mögliches Behördenversagen aufdecken. 27. Oktober 2021: Eine Enquete-Kommission des Landtags nimmt die Arbeit auf. Sie soll Gründe, Ablauf und Folgen des verheerenden Hochwassers analysieren und Empfehlungen für einen besseren Katastrophenschutz, aber auch für Anpassungen an den Klimawandel erarbeiten. 31. Oktober 2021: Landrat Pföhler wird auf eigenen Antrag in den Ruhestand versetzt. Nach der Flutkatastrophe hatte er sich zunächst krankschreiben lassen und dann einen Antrag auf dauerhafte Dienstunfähigkeit gestellt. Einen Rücktritt hatte er abgelehnt. 8. November 2021: Knapp vier Monate nach der Flutkatastrophe rollen wieder Züge auf einem ersten Abschnitt der Ahrtalbahn. 11. April 2022: Die Grünen-Politikerin Anne Spiegel tritt als Bundesfamilienministerin zurück. Zum Zeitpunkt der Flutkatastrophe war sie Umweltministerin in Rheinland-Pfalz. Sie stand unter anderem wegen eines längeren Familienurlaubs in der Kritik, den sie zehn Tage nach der Flut angetreten hatte, was erst Monate später bekannt wurde. 14. Juli 2022: Die Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gedenken am ersten Jahrestag der Flutopfer. 12. Oktober 2022: Rund 15 Monate nach der Flutkatastrophe im Ahrtal gibt der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) nach zunehmender Kritik sein Amt auf. 14. Juli 2023 und 2024: Im Ahrtal gedenken zahlreiche Menschen am zweiten Jahrestag den Opfern. Neben die Trauer mischt sich auch etwas Hoffnung, der Wiederaufbau schreitet voran. Ein Jahr später kommen die Bürgerinnen und Bürger zu einem ökumenischen Gottesdienst zusammen. 18. April 2024: Die Ermittlungen werden eingestellt. Ein hinreichender Tatverdacht gegen den ehemaligen Ahr-Landrat Jürgen Pföhler (CDU) und einen Mitarbeiter aus dem Krisenstab habe sich nicht ergeben, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Koblenz. 2. August 2024: Der Untersuchungsausschuss veröffentlicht den Abschlussbericht zur Flutkatastrophe und kritisiert darin den Katastrophenschutz und die Landesregierung deutlich. 12. Oktober 2024: Gut drei Jahre nach der Flutkatastrophe wird mit der Aufstellung einer ersten Gedenkstele in Müsch (Landkreis Ahrweiler) ein sichtbares Zeichen für ein Erinnerungsprojekt gesetzt. 4. Juli 2025: Der ehemalige Landrat Jürgen Pföhler hat während der tödlichen Flutkatastrophe an der Ahr "gravierend gegen beamtenrechtliche Pflichten verstoßen". Zu diesem Ergebnis kommt der Ermittlungsbericht im Disziplinarverfahren gegen den CDU-Politiker. Pföhler droht die Aberkennung des Ruhegehalts. 4. Dezember 2025: Das sogenannte Helfer-Haus von Dernau (Kreis Ahrweiler) wird abgerissen. Die Ruine war nach der Flut im Ahrtal zu einem Symbol der Solidarität geworden. Unzählige Helfer hatten sich vor den bunten Graffitis an der Hausfassade ablichten lassen. 12. Dezember 2025: Die Ahrtalbahn nimmt wieder ihren durchgehenden Betrieb auf. Mit einer Sonderfahrt wird sie feierlich wiedereröffnet. Für die Wiederherstellung der Gesamtstrecke wurden laut Bahn 18 Kilometer Gleis mit 28.000 Schwellen, 60.000 Tonnen Schotter, 36.000 Meter Schienen und 9 Weichen erneuert. Juni 2026: Hinterbliebene der Flutkatastrophe im Ahrtal scheitern mit einem Klageerzwingungsantrag vor dem Oberlandesgericht Koblenz. Ihnen bleibt noch eine Verfassungsbeschwerde. 19. Juni 2026: Ein Teil des nach der Flut im Ahrtal weitgehend zerstörten Ahr-Radweges ist wieder befahrbar. Der Abschnitt zwischen dem Stadtteil Walporzheim und dem Ortsteil Laach ist wieder für den Radverkehr freigegeben. © dpa-infocom, dpa:260704-930-331762/1