Kinderprojekt: Mit Kinderaugen auf Kurt Weill schauen

Datum04.07.2026 04:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDas Projekt "Made by Weill" bringt Kinder aus sozialschwachen Verhältnissen in Dessau mit dem Komponisten Kurt Weill in Kontakt. Ursprünglich als Kinderbuch geplant, entsteht nun ein Buch, ein Song und ein Musikvideo mit eigener Choreografie. Die Kinder finden im Projekt ein Gefühl von Familie und stärken ihr Selbstwertgefühl. Ihre kreativen Arbeiten werden Teil des Kurt Weill Fests 2027, das unter dem Motto "Mehr als Worte" Weills Werk und seine Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht beleuchtet.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Kinderprojekt“. Lesen Sie jetzt „Mit Kinderaugen auf Kurt Weill schauen“. Bevor Alina Dorn zu "Made by Weill" kam, wusste sie gar nicht so recht, wer Kurt Weill überhaupt war. Und das, obwohl der 1900 in ihrer Heimatstadt geborene Komponist bis heute viele Besucherinnen und Besucher nach Dessau lockt. Aus Unwissen und Unsicherheit wurde in nur wenigen Monaten ein Gefühl von Familie. Heute lassen das Projekt und Kurt Weill die Augen der 13-Jährigen strahlen, wenn sie gemeinsam mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern singt und tanzt. Und ganz nebenbei entsteht ein völlig neuer Blick auf Weill und sein Schaffen, der im nächsten Jahr Teil des Kurt Weill Fests sein wird.  "Erst wusste ich nicht so richtig, wie ich mit dem Thema umgehen soll", erzählt die Jugendliche. Trotz der Unsicherheit kam sie immer wieder zu den Treffen im Kurt Weill Zentrum - und fand irgendwann ihr Interesse. "Es ist wirklich spannend, sich in seine Lage hineinzuversetzen", findet sie nun.  "Die ursprüngliche Idee war, dass ein Kinderbuch oder Comic entsteht", erzählt Projektleiterin Susanne Heft. Sie, ihr Team treffen sich seit September mit den Kindern aus dem Kinderheim in Dessau und der kleinen Arche, also aus eher bildungs- und sozialschwachen Strukturen.  Unter den Kindern wollten jedoch nicht alle zeichnen, erinnert sich Heft. Also haben sie die ursprüngliche Idee weiterentwickelt. Nun entsteht neben einem von den Kindern gezeichneten Buch über Weill auch ein selbst komponierter und aufgenommener Song und ein Musikvideo dazu, in dem die Jugendlichen eine eigene Choreographie zeigen. "Die Kinder haben nämlich eine ganz andere Wahrnehmung und völlig neue Impulse, vor allem frischere als Expertinnen und Experten." In ihrem Lied singen sie von zu Hause, von Freunden und von Familie.  Auch die 13-jährige Alina ist Teil des Musik- und Tanz-Teams. "Es ist schon aufregend, hier mitzumachen und tanzend vor der Kamera zu stehen", berichtet sie. Manchmal sei es aber auch anstrengend, sich zu überlegen, wie man die Dinge "jetzt wirklich macht". Was sie und die anderen Kinder immer wieder motiviere, sei das Gefühl von Familie, das im Laufe der Zeit entstanden ist. "Wir halten zusammen, geben uns Ratschläge, verbessern uns und so." Auch in den kommenden Monaten sind Treffen geplant, neue Kinder können noch dazustoßen.  Die Kinder sollen durch das Projekt Botschafterinnen und Botschafter werden. Sie sollen anderen Kindern, aber auch Erwachsenen neue Ansätze zeigen - einen neuen Weill eröffnen. Es sei wichtig, dass ihre Ideen und Arbeiten geschätzt werden, betont Heft. Dabei geht es nicht nur um die Leistung, vielmehr soll jeder einzelne gestärkt werden. "Es hat lange gedauert, bis sich die Kinder geöffnet haben. Ihr Selbstwertgefühl ist durchaus eher niedrig. Das große Ziel war, den Kindern ein Gefühl von Familie zu geben und Vertrauen in sie zu setzen", sagt Heft. Und - fast nebenbei - werde ihnen Kultur nähergebracht.  Das 35. Kurt Weill Fest soll im kommenden Jahr unter dem Motto "Mehr als Worte" stehen. Das Projekt "Made by Weill" reiht sich da ein, denn das Fest soll zeigen, dass Musik und Sprache gemeinsam mehr können. Zwischen dem 26. Februar und dem 14. März 2027 sind in Dessau und der Region rund 70 Veranstaltungen geplant. Erwartet werden unter anderem die Schauspieler Heiner Lauterbach, Ulrich Tukur, Mechthild Großmann und Benno Fürmann.  Besonderes Augenmerk soll im nächsten Jahr auch auf der Begegnung zwischen Weill und dem deutschen Lyriker Bertolt Brecht (1898-1956) liegen. Sie trafen 1927 - also genau 100 Jahre vor dem Fest - aufeinander.  Weill und Brecht hätten gewusst, wie wichtig die Macht der Worte und die Kombination von Musik und Text ist, sagt die künstlerische Leiterin des Fests, Constanze Mitter. "Wir haben ein bisschen verlernt, wirklich auf den Punkt zu kommen, zuzuhören, uns zurückzulehnen und einfach zu erkennen, wie wichtig es ist, das zu meinen, was wir aussprechen, was wir aufschreiben und was wir mit unseren Mitmenschen teilen." Karten für das Festival können ab dem 23. November gekauft werden. © dpa-infocom, dpa:260704-930-331768/1