Datum03.07.2026 19:49
Quellewww.spiegel.de
TLDRLitauen erwägt die Stationierung von Atomwaffen, um sich angesichts der Bedrohung durch Russland zu verteidigen. Präsident Nausėda strebt eine Verfassungsänderung an, um das derzeitige Verbot aufzuheben. Bundeskanzler Merz nimmt diesen Schritt mit Respekt zur Kenntnis und betont, dass Litauen seine Verteidigungsbereitschaft signalisiere. Konkrete Pläne gibt es noch nicht. Der Schritt Litauens ist vor dem Hintergrund der russischen Militärpräsenz in Kaliningrad und Belarus sowie der Sorge vor US-amerikanischer Unzuverlässigkeit zu sehen.
InhaltEigentlich dürfen auf litauischem Boden keine Atomwaffen postiert werden. Präsident Gitanas Nausėda will das ändern. Kanzler Friedrich Merz kann den Schritt offenbar nachvollziehen. Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine hat Litauen Angst vor einem ähnlichen Schicksal. Um dieses abzuwenden, würde das Land nun gern Atomwaffen stationieren. Litauens Präsident Gitanas Nausėda strebt deshalb eine Verfassungsänderung an: Sie soll das Verbot der Stationierung von Atomwaffen auf litauischem Boden aufheben. Bundeskanzler Friedrich Merz hat das "mit Respekt zur Kenntnis" genommen. Das sagte der CDU-Politiker nach einem Treffen mit den Staats- und Regierungschefs der baltischen Länder in Berlin. "Das ist zunächst einmal eine Entscheidung der Politik in Litauen. Es zeigt aber auch zugleich, wie in diesem Land die Bedrohung aus Russland ernst genommen wird und wie das Land bereit ist, sich auch in dieser Hinsicht zu verteidigen", führte Merz aus. Insofern habe er "das hier nicht nur nicht zu kritisieren, sondern mit Respekt zur Kenntnis zu nehmen, dass Litauen auch in dieser Hinsicht bereit ist, das Land und damit auch das Nato-Territorium zu verteidigen." Nausėda unterstrich das: Es gehe "hier um das Ziel meines Landes, alle Möglichkeiten der nuklearen Abschreckung zu nutzen", sagte der Präsident in Berlin. "Und wir (…) möchten ein integraler Bestandteil dieser nuklearen Abschreckung sein." Dafür wolle er alle rechtlichen Hürden aus dem Weg räumen. Die Bemühungen Litauens hätten jedoch "nichts mit aggressivem Vorgehen oder der Provokation einer Eskalation zu tun", betonte Nausėda. Konkrete Pläne zur Stationierung von Atomwaffen in Litauen gibt es bisher aber nicht. Litauen grenzt an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sowie an Russlands Verbündeten Belarus, dessen Territorium als Aufmarschgebiet für russische Streitkräfte gilt. In Kaliningrad hat Moskau nach eigenen Angaben unter anderem atomwaffenfähige Iskander-Raketen stationiert. Im Rahmen der nuklearen Abschreckung der Nato sind nach inoffiziellen Angaben derzeit in fünf Mitgliedstaaten US-Atomwaffen stationiert: Deutschland, Belgien, Niederlande, Italien und Türkei. Außerdem besitzen Großbritannien und Frankreich eigene Atomwaffen. Anders als Litauen grenzt keines dieser insgesamt sieben Länder an Russland. Auch Polen hat Interesse signalisiert, sich an der nuklearen Abschreckung der Nato zu beteiligen und ist in Gesprächen darüber mit den USA. Polen grenzt wie Litauen an das Kaliningrader Gebiet Russlands. Weil die USA zunehmend unzuverlässig wirken, diskutieren europäische Politiker schon länger auch über eigene Atomwaffen. Wissenschaftler haben untersucht, wie sinnvoll das ist und welche Alternativen es gibt. Lesen Sie hier mehr dazu.