Datum03.07.2026 18:42
Quellewww.spiegel.de
TLDRDrei Männer wurden im Mordprozess um die 2019 getötete Journalistin Lyra McKee freigesprochen. McKee starb bei Ausschreitungen in Nordirland durch eine Kugel, zu deren Tod sich die "New IRA" bekannte. Die Anklage ging davon aus, die Männer hätten den Schützen unterstützt. McKees Schwester kritisiert ein Versagen des Justizsystems und eine "Kultur des Schweigens" in Nordirland, die aus Jahrzehnten des Bürgerkriegs resultiere.
InhaltIm Jahr 2019 ist die nordirische Reporterin Lyra McKee in der früheren Bürgerkriegsregion von einer Kugel tödlich getroffen worden. Jahre später wurden nun drei Männer vom Vorwurf des Mordes freigesprochen. Mehr als sieben Jahre nach dem Tod der Journalistin Lyra McKee in der früheren Bürgerkriegsregion Nordirland sind drei Männer vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden. Das verkündete die Richterin der Nachrichtenagentur PA zufolge im Gericht in der Hauptstadt Belfast. Reporterin McKee war am 18. April 2019 am Rande von Ausschreitungen in der Stadt Derry/Londonderry von einer Kugel tödlich getroffen worden. Die militante Gruppe "New IRA" hatte die Verantwortung für den Tod der Journalistin übernommen. Die 29-Jährige sei versehentlich Opfer geworden, hieß es damals von den radikalen Befürwortern einer Wiedervereinigung des britischen Landesteils Nordirland mit dem EU-Mitglied Irland. In der Anklage gegen die drei Männer im Alter von 25, 38 und 58 Jahren wurde laut PA davon ausgegangen, dass diese in der Nacht, in der McKee getötet wurde, einen einzelnen Schützen begleitet und ihn bei seiner Tat ermutigt oder unterstützt hätten. Der Verteidigung zufolge beruhte die Anklage jedoch auf "reiner Spekulation", heißt es beim Sender Sky News. Die Schwester von McKee erklärte vor dem Gericht laut PA, dass das Justizsystem "völlig versagt" habe. Der heutige Tag sei "ein absoluter Schock", so Nichola Corner. In Nordirland herrsche eine "Kultur des Schweigens" und viele Menschen hätten Angst, sich zu äußern. Das müsse ein Ende haben, forderte sie. In Nordirland haben gewaltsame Krawalle eine traurige Tradition. Etwa drei Jahrzehnte lang standen sich im nordirischen Bürgerkrieg die meist katholischen Befürworter einer Vereinigung mit Irland den überwiegend protestantischen Anhängern der Union mit Großbritannien, Polizei und britischer Armee gegenüber. Die sogenannten Troubles endeten erst 1998 mit dem Karfreitagsabkommen. Bis heute bestehen trotzdem Segregation, territoriales Denken, paramilitärische Reststrukturen und Misstrauen gegenüber der Polizei als Erbe des Krieges fort. Belfast war zuletzt vor allem wegen Krawallen nach einem Messerangriff in den Schlagzeilen . Es brannten Häuser und Autos, Migranten und Menschen mit dunkler Haut wurden bedroht. Die Familie des Mannes, der bei dem Angriff schwer verletzt wurde, bat um Ruhe – vergeblich.