Datum03.07.2026 15:36
Quellewww.spiegel.de
TLDRDieter Nuhr hat mit einem Witz über Frauenmorde und strukturelle Gewalt beim RBB 325 Beschwerden ausgelöst. Der Sender verteidigt den Kabarettisten und verweist auf die Kunstfreiheit von Satire. Nuhr selbst wies Vorwürfe, er habe sich über Femizide lustig gemacht, zurück und betonte, seine Aussagen seien nicht als Witz über Frauenmorde zu verstehen. Kritiker im Rundfunkrat werfen ihm indes eine Grenzüberschreitung und Täter-Opfer-Umkehr vor.
InhaltDieter Nuhr löste mit einem Monolog über Femizide und strukturelle Gewalt Kritik aus. Beim RBB gehen Beschwerden ein, im Rundfunkrat wird kontrovers diskutiert. Die Intendantin aber verteidigt den Kabarettisten. Im Streit über Äußerungen des Kabarettisten Dieter Nuhr (65) über Frauenmorde und Männer hat die Spitze des für die Sendung zuständigen Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) Forderungen nach Konsequenzen zurückgewiesen. "Es gehört zur Demokratie, das auszuhalten", sagte RBB-Intendantin Ulrike Demmer in der Rundfunkratssitzung, wie die RBB-"Abendschau" und der "Tagesspiegel" berichteten. Zugleich verwies sie "für alle, denen dieses Aushalten im konkreten Fall schwerfällt", auf nach ihrer Aussage rund 300 journalistische Beiträge des RBB, die mit Ernsthaftigkeit und Sorgfalt das Thema Morde an Frauen untersuchten. Der RBB prüfe derzeit 325 Beschwerden zu dem Thema der Sendung "Nuhr XXL" vom 18. Juni, die als förmliche Programmbeschwerden eingestuft würden, sagte Demmer in der Sitzung. Bereits in der vergangenen Woche hatte der RBB mitgeteilt, in Satireformaten gelte es auch, die künstlerische Freiheit zu achten: "Dieter Nuhr darf grundsätzlich als Künstler vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit auch provozierend und zugespitzt formulieren. (...) Es ist das Kerngeschäft von Satire, Dinge bewusst ins Gegenteil zu verkehren." In der Rundfunkratssitzung gab es aber auch kritische Stimmen, wie in der RBB-"Abendschau" zu sehen war. So warfen zwei Mitglieder Nuhr vor, er sei zu weit gegangen, er betreibe "Täter-Opfer-Umkehr" und der Witz sei eine "Grenzüberschreitung". Nuhr hatte in der Sendung Pauschalurteile über Männer und Frauen thematisiert, die aus seiner Sicht durch wissenschaftliche Fachbegriffe wie "strukturell" aufgewertet würden. Es ging um den Vorwurf, Männer übten strukturell Gewalt aus. Er sagte: "Es gibt etwa 300 bis 350 Frauenmorde jedes Jahr und bitte, natürlich sind das 300 bis 350 zu viel, das ist doch keine Frage. Aber es gibt in Deutschland zig Millionen Männer. Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null." Dann folgte der Satz, der die Debatte auslöste: "Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt." Vorwürfe, er habe sich in einer Sendung über Frauenmorde lustig gemacht, wies Nuhr später zurück. "Kein Witz über Femizide, nirgends. Habe ich noch nie gemacht. Werde ich nicht tun", schrieb er in einem Facebook-Beitrag. "Der Vorwurf ist lächerlich. Interneterregung wird zur Volksmeinung umgedeutet. So ist es üblich in diesen Tagen."