Datum03.07.2026 15:23
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie japanische Bürgermeisterin Shoko Kawata sorgt mit ihrer angekündigten Babypause für eine landesweite Debatte. Sie wird sich für mehrere Monate vom Amt zurückziehen, um sich um ihr Kind zu kümmern. Dies stößt auf geteilte Meinungen: Während einige sie für ihr Vorbild loben, kritisieren andere die angebliche Vernachlässigung ihrer Pflichten. Der Fall wirft ein Licht auf Japans niedrige Geburtenrate und die geringe Frauenbeteiligung in der Politik.
InhaltMit ihrem Mutterschutz schreibt Japans Bürgermeisterin Shoko Kawata Geschichte. Doch statt Glückwünschen bekommt die 35-Jährige eine hitzige Debatte darüber, ob gewählte Politikerinnen sich eine Babypause leisten dürfen. Die Ankündigung der japanischen Bürgermeisterin Shoko Kawata, wegen der Geburt ihres Kindes mehrere Monate beruflich kürzerzutreten, hat in Japan eine landesweite Diskussion über Mutterschutz und die Rolle von Frauen in der Politik ausgelöst. Die 35-jährige Rathauschefin der Stadt Yawata südlich von Kyoto will sich zwei Monate vor und zwei Monate nach der Geburt ihres Kindes aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Das kündigte sie auf einer Pressekonferenz an. Da es in Japan bislang keinen rechtlichen Rahmen für die Elternzeit kommunaler Spitzenpolitiker gibt, nimmt Kawata den Mutterschutz nicht offiziell in Anspruch. Stattdessen soll ihr Stellvertreter Shigeto Nose vorübergehend die Amtsgeschäfte übernehmen. Mit ihrem Schritt schreibt Kawata Geschichte: Sie wird die erste Bürgermeisterin Japans, die während ihrer Amtszeit Mutterschutz nimmt. Während ihre Mitarbeiter die Entscheidung nach eigenen Angaben geschlossen unterstützen, fällt die öffentliche Reaktion deutlich gemischter aus. In sozialen Netzwerken und auf Videoplattformen wird kontrovers diskutiert. Viele Nutzer loben Kawata dafür, Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu wollen, und sehen in ihrem Vorgehen ein wichtiges Signal für andere Frauen, die eine politische Karriere anstreben. Kritiker hingegen werfen der Bürgermeisterin vor, ihre öffentlichen Pflichten zu vernachlässigen. Einige fordern sogar ihren Rücktritt oder eine Kürzung ihres Gehalts während der Auszeit. Kawata weist die Vorwürfe zurück. "Das würde bedeuten, dass alle Frauen zwischen 20 und 40 – Frauen die schwanger werden können – von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen werden", sagte sie der BBC. Die Debatte berührt ein grundlegendes Problem der japanischen Gesellschaft. Das Land kämpft seit Jahren mit einer niedrigen Geburtenrate und zugleich mit einer geringen politischen Beteiligung von Frauen. Nach offiziellen Angaben waren im vergangenen Jahr nur rund vier Prozent der 1720 Bürgermeister und Gemeindeoberhäupter Japans weiblich. Eine Regierungsumfrage aus dem Jahr 2025 nannte Schwangerschaft, traditionelle Rollenbilder und Belästigung als zentrale Hürden für Frauen in der Politik. Auch im internationalen Vergleich schneidet Japan schlecht ab: Im aktuellen Gleichstellungsindex des Weltwirtschaftsforums belegt die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt lediglich Rang 118 von 146 Staaten und ist damit das Schlusslicht unter den G7-Ländern. Kawatas Stellvertreter Nose sieht in dem Fall vor allem die Chance, neue Lösungen zu entwickeln. Die Frage sei nicht, ob Mutterschutz richtig oder falsch sei, sondern wie sich politische Verantwortung während einer solchen Auszeit organisieren lasse.