Krankschreibung: Umsetzung von erschwerter Krankschreibung noch offen

Datum03.07.2026 13:23

Quellewww.zeit.de

TLDRDie geplante Verschärfung der Krankschreibungsregeln, nach der Arbeitnehmer ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung benötigen, ist noch nicht umgesetzt. Laut Regierungssprecher müssen Beschäftigte nicht zwingend am ersten Tag zum Arzt. Die genaue Ausgestaltung, einschließlich der Möglichkeit von Videosprechstunden, wird noch besprochen und soll die Praxen nicht überlasten. Diese Neuregelung ist Teil der Reformpläne der schwarz-roten Koalition.

InhaltMüssen Arbeitnehmer künftig am ersten Krankheitstag zum Arzt? Nein, sagt der Regierungssprecher. Wie die neue Attestpflicht umgesetzt werden soll, werde noch besprochen. Wer krank ist, soll auch künftig nicht zwingend am ersten Tag zum Arzt müssen. Dass eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Krankheitstag vorliegen solle, bedeute nicht, "dass man am ersten Tag zum Arzt gehen sollte", sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius zu den Reformplänen der schwarz-roten Koalition. Die Ausgestaltung der Regelung stehe noch bevor. Die Spitzen von Union und SPD hatten beim Koalitionsausschuss strengere Regeln zur Krankschreibung vereinbart. Die Möglichkeit zu telefonischen Krankschreibungen auch ohne Praxisbesuch soll abgeschafft werden. Außerdem soll die verpflichtende Vorlage einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag als gesetzliche Regel eingeführt werden – statt wie bisher am vierten Tag. In Betrieben sollen abweichende Regeln vereinbart werden können. Wie und wann Beschäftige künftig an eine Bescheinigung kommen sollen, blieb offen. Das Gesundheitsministerium wies aber auf die bestehende Möglichkeit hin, sich eine Bescheinigung über eine Videosprechstunde ausstellen zu lassen. Ähnlich wie Kornelius hatte sich zuvor Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geäußert. "Sie müssen nicht am ersten Tag in die Arztpraxis. Sie müssen vom ersten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung haben", sagte er in der ZDF-Sendung Maybrit Illner. Auch die beiden SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas hatten betont, dass die Ausgestaltung der Regelung noch offen sei. Klingbeil plädierte für eine "vernünftige" Umsetzung der Vorgaben aus dem Koalitionsausschuss. Bas kündigte eine genaue Prüfung an. Ärzteverbände und Oppositionsvertreter kritisierten die geplanten Änderungen deutlich. Aus Sicht von Haus- und Kinderärzten droht durch die Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag ohne die Möglichkeit einer telefonischen Krankschreibung eine Überlastung der Praxen. Mehr zu den Reformplänen der Bundesregierung lesen Sie hier.