Datum03.07.2026 13:26
Quellewww.spiegel.de
TLDRJulian Nagelsmann ist nach dem WM-Aus nicht mehr Bundestrainer. Der DFB löste seinen bis 2028 laufenden Vertrag auf. Nagelsmann entschuldigte sich bei den Fans. Der Verband sucht nun das Gespräch mit Jürgen Klopp als möglicher Nachfolge. Auch Nagelsmanns Assistenten verlassen den DFB. Der Vertrag von Geschäftsführer Andreas Rettig wird ebenfalls nicht verlängert.
InhaltDer DFB und Julian Nagelsmann gehen wenige Tage nach dem WM-Aus getrennte Wege. Das bestätigte der Verband, der bereits das Gespräch mit Jürgen Klopp über eine Nachfolge sucht. Nagelsmann entschuldigte sich bei den Fans. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und Julian Nagelsmann gehen nach dem frühen WM-Aus der Nationalmannschaft getrennte Wege. Der bis 2028 laufende Vertrag des Bundestrainers wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Das teilte der DFB am Freitag vier Tage nach dem verlorenen Sechzehntelfinale in Foxborough gegen Paraguay (3:4 i.E.) mit. Auch Nagelsmanns Assistenten Benjamin Glück und Benjamin Hübner werden den DFB verlassen. "Ich habe in den vergangenen Tagen seit dem Ausscheiden viel nachgedacht und mich mit Vertrauten in meinem persönlichen Umfeld und im Verband ausgetauscht. Die Entscheidung ist mir alles andere als leichtgefallen", sagte Nagelsmann, der am Montag mit der DFB-Auswahl aus dem Turnier ausgeschieden war. In der Mitteilung des DFB heißt es, Nagelsmann habe in einem Gespräch am Vortag um die Auflösung seines Vertrags gebeten. Nach SPIEGEL-Informationen und Informationen anderer Medien soll ihm dieser Schritt aber von der DFB-Spitze während des Krisentreffens am Donnerstag nahegelegt worden sein. "Ich stehe bereit, wenn man das möchte. Und wenn man das nicht möchte, muss man das sagen", hatte Nagelsmann noch im Stadion von Foxborough bei MagentaTV gesagt. Zudem richtete er sich am Freitag an die deutschen Fans und entschuldigte sich für das frühe WM-Aus: "Es tut mir von Herzen leid und weh, dass wir euch enttäuscht haben und euch keine weiteren Fußballnächte bei dieser WM bescheren konnten. Ihr hättet viel mehr verdient gehabt!", so Nagelsmann. Der DFB bestätigte zudem, dass er mit Blick auf die Neubesetzung das Gespräch mit Jürgen Klopp suchen werde. Dieser habe "bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert". Auch Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig wird seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht verlängern. Hierüber habe er den DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf bereits vor WM-Beginn informiert. Keine Angaben machte der Verband zur Zukunft von Sportdirektor Rudi Völler. Der Weltmeister von 1990 war für Nagelsmann erster Ansprechpartner beim Verband. Wie beim Vorrunden-Aus 2018 in Russland und 2022 in Katar verpasste das DFB-Team beim XXL-Turnier mit erstmals 48 Mannschaften in Amerika zum dritten Mal nacheinander die Runde der besten 16 Teams. Nagelsmann war mit dem erklärten Ziel angereist, die Nationalmannschaft bestmöglich zum Titel zu führen. Der ehemalige Bundesliga-Trainer (TSG Hoffenheim, RB Leipzig, FC Bayern München) hatte im September 2023 die Nachfolge von Hansi Flick angetreten. Seine ersten Länderspiele bestritt er dabei im Oktober 2023 ebenfalls auf einer US-Reise. Und in Foxborough leitete er damals sogar seine ersten Trainingseinheiten. Nagelsmann war damals "die Wunschlösung" von Völler, der in der etwas mehr als 1000 Tage währenden Amtszeit Nagelsmanns wichtigster Ansprechpartner im Verband war. Bei seinem ersten Turnier als DFB-Chefcoach war Nagelsmann vor zwei Jahren bei der Heim-EM im Viertelfinale gegen den späteren Titelgewinner Spanien unglücklich mit 1:2 nach Verlängerung ausgeschieden. Sein Vertrag mit dem DFB lief ursprünglich bis nach der EM 2028. Klopp galt bereits vor der Trennung als Topfavorit auf die Nachfolge von Nagelsmann. Der 59-Jährige ist seit Januar 2025 als Head of Global Soccer für die Red Bull GmbH tätig. Davor war Klopp als Trainer sehr erfolgreich bei Borussia Dortmund und dem FC Liverpool. Mit dem BVB wurde er deutscher Meister, mit Liverpool gewann er den englischen Titel und 2019 die Champions League. Klopp hatte bereits vor dem Eröffnungsspiel vor Aufsehen gesorgt, als er in seiner Rolle als TV-Experte im Fernsehen sagte, "noch" stelle ja Nagelsmann die Mannschaft auf. Klopp hatte seine Anmerkung im Anschluss zu erklären versucht, nachdem diese auf öffentliche Kritik gestoßen war. Das erste Länderspiel der deutschen Mannschaft nach der WM findet am 24. September in den Niederlanden zum Start in die Nations League statt. Weitere Gruppengegner bis zum Jahresende sind Griechenland und Serbien. Das WM-Aus ist die Geschichte eines Selbstbetrugs und die eines Trainers, der sich verloren hat. Die SPIEGEL-Rekonstruktion lesen Sie hier