Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Das sind die Spitzenkandidierenden in Sachsen-Anhalt

Datum03.07.2026 11:29

Quellewww.zeit.de

TLDRBei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September liegt die AfD laut Umfragen vorn, angetreten mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, der rechtsextreme Vernetzungen aufweist. Die CDU hofft mit Sven Schulze auf das Ministerpräsidentenamt. Die SPD bangt wegen schwacher Umfragewerte um den Einzug. Die Linke mit Eva von Angern zeigt sich offen für eine CDU-Annäherung. Die Grünen und das BSW sind unsicher, die FDP wohl nicht im Landtag.

InhaltIn Sachsen-Anhalt könnte die AfD die absolute Mehrheit holen. Die Union hofft dennoch auf das Ministerpräsidentenamt. Die SPD bangt um den Einzug. Die Kandidierenden Am 6. September wählen die Menschen in Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. In den Umfragen zur Landtagswahl liegt die AfD mit Abstand vorn, dahinter folgt die regierende CDU. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird auch auf Bundesebene genau beobachtet. Welche Politikerinnen und Politiker führen ihre Parteien in die Wahl? Und wofür stehen sie? Ein Überblick über die Spitzenkandidierenden. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sieht sich bereits an der Regierung. Der 35-Jährige ist seit 2016 im Landtag vertreten, seit 2022 als Fraktionsvorsitzender. Er ist Sprecher für Gesundheitspolitik und in mehreren Ausschüssen, darunter Gleichstellung und Europapolitik, vertreten. Er ist gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann und hat einen Bachelor in BWL. Siegmund ist in der rechtsextremen Szene vernetzt. Er nahm 2023 am Potsdamer Treffen verschiedener Rechtsextremer teil, welches das Recherchekollektiv Correctiv aufdeckte. Auf dem Treffen wurde unter anderem über die massenhafte Zwangsausweisung von Menschen mit Migrationshintergrund gesprochen. Die teilnehmenden AfD-Politiker sollen die Ideen in ihre Parteien getragen haben. Siegmund warb dort zudem um Spenden für seinen Wahlkampf. Schon seit einiger Zeit ist Siegmund auf TikTok sehr erfolgreich. Mittlerweile hat er knapp 660.000 Followerinnen und Follower sowie 13,4 Millionen Likes. Damit ist er einer der erfolgreichsten Politiker auf der Plattform. Siegmund taucht in der Verwandtenaffäre der AfD in Sachsen-Anhalt als Beschuldigter auf. Medienrecherchen hatten gezeigt, dass mehrere Politiker des AfD-Landesverbandes jahrelang Jobs in ihren Abgeordnetenbüros an die Familienangehörigen der anderen vergeben und so ein System der Vetternwirtschaft etabliert hatten. Siegmunds Vater war etwa im Bundestagsbüro eines AfD-Politikers aus dem Landesverband angestellt. Zudem soll Siegmund seine unternehmerische Tätigkeit falsch bei der Landtagsverwaltung angezeigt haben. Der Landesverband der AfD in Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz seit 2023 als "gesichert rechtsextremistische Bestrebung" eingestuft. Sie klagte dagegen. Dennoch liegt die Partei in den Umfragen klar vorn und könnte im neuen Landtag sogar die absolute Mehrheit der Abgeordneten stellen. Sie tritt mit einem besonders rechten Programm an. Erst seit Januar 2026 ist Sven Schulze Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt. Sein Vorgänger Reiner Haseloff hatte im Herbst 2025 seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Er übergab in der laufenden Legislaturperiode seinen Posten an Schulze und zog sich zurück – wohl, um ihm einen wahlkampftaktischen Vorteil zu verschaffen. Haseloff hatte das Land knapp 15 Jahre als Ministerpräsident regiert. Schulze wurde mit großer Mehrheit zum Spitzenkandidaten ernannt. Der 46-Jährige hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert, er arbeitete einige Jahre in dem Bereich sowie im Vertrieb. Bereits als junger Erwachsener war er Abgeordneter im Gemeinderat Heteborn und später im Kreistag Quedlinburg, bevor er auf die Landesebene wechselte. Von 2014 bis 2021 war er Mitglied im EU-Parlament, anschließend arbeitete er als Landeswirtschaftsminister unter Haseloff. Schulze regiert mit einer sogenannten Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP. Schulze hat im Wahlkampf bereits mehrmals vor einer AfD-Regierung gewarnt. Eine solche könne zu einem "Schulsterben" führen, sagte er. Er will Perspektiven für junge Menschen schaffen, unter anderem mit einer "Ausbildungsplatzgarantie". Zuletzt setzte er sich von der Bundesregierung ab und kritisierte die langsamen Reformen. Die CDU in Sachsen-Anhalt regiert das Land bereits seit knapp 24 Jahren. Tatsächlich regiert die CDU seit der Wiedervereinigung, mit Ausnahme von acht Jahren SPD-geführter Regierung. Ein Verlust des Ministerpräsidentenamtes würde die Partei hart treffen. Neben der AfD gewinnt in den Umfragen bisher nur die Linke an Zustimmung. Spitzenkandidatin Eva von Angern ist gelernte Rechtsanwältin und bereits seit 2002 Abgeordnete im Landtag. Seit 2020 ist sie Fraktionsvorsitzende. Die 49-Jährige ist Teil des Parlamentarischen Kontrollgremiums und zuständig für Rechtspolitik und Gleichstellung. Bereits bei der vergangenen Landtagswahl war sie Spitzenkandidatin ihrer Partei. Sie engagiert sich für die Gleichstellung Ostdeutscher. Zuletzt kritisierte sie die vorübergehende Absage einer Lesung des Autors Arne Semsrott in der Magdeburger Stadtbibliothek. Angesichts der Stärke der AfD gibt es bei den Linken mittlerweile eine gewisse Offenheit gegenüber einer Annäherung an die CDU. Will diese nicht mit der AfD regieren, aber trotzdem an der Macht bleiben, wird sie sich mit allen im Landtag vertretenen Parteien abstimmen müssen. Bisher hat die Union einen Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Linken, Absprachen zu Reformprojekten und Entgegenkommen bei Parlamentsbeschlüssen gibt es aber bereits in der laufenden Legislatur. Auf eine Linie hat sich von Angern bisher nicht festgelegt. SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann ist in der aktuellen Regierung Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt. Der 63-Jährige ist bereits seit 2016 Teil der Landesregierung und war für die Bereiche Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung zuständig. Willingmann studierte Jura und arbeitete in einer Anwaltskanzlei sowie als Professor und Rektor der Hochschule Harz. Er ist seit 2009 außerdem im Stadtrat von Wernigerode. Willingmann wurde mit großer Mehrheit zum Spitzenkandidaten der SPD gewählt. Die SPD konzentriert sich in ihrem Wahlkampf auf Forderungen nach einem bezahlbaren Leben und angemessen bezahlten Arbeitsplätzen. Willingmann setzte sich zuletzt für die Umsetzung der geplanten Bafög-Reform auf Bundesebene ein, und lehnte in der Diskussion um die künftige Energieversorgung eine Rückkehr zur Atomkraft ab. Die SPD muss um ihren Einzug in den Landtag bangen, sie liegt derzeit bei gut sechs Prozent. Ob die Grünen in den neuen Landtag einziehen, ist offen. Um der AfD die absolute Mehrheit nicht allzu einfach zu machen, wäre ihr Einzug aber praktisch. In den Umfragen liegt die Partei bei vier Prozent. Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz zeigt sich offen für eine Regierungsbeteiligung der Grünen unter CDU-Führung, eine Zusammenarbeit mit der AfD lehnt die Partei ab. Sziborra-Seidlitz wurde 1977 in Ost-Berlin geboren und arbeitete in Quedlinburg als Krankenschwester. Die 48-Jährige ist seit 2021 Abgeordnete im Landtag und seit 2016 mit Unterbrechung Landesvorsitzende der Partei. In der aktuellen Legislatur kümmert sie sich vor allem um die Themen Arbeit, Soziales, Gesundheit und Bildung. Sie setzt sich für eine Gesundheitsreform in Zusammenarbeit von Regierung und Opposition in Sachsen-Anhalt ein. Auch der Einzug des BSW in den Landtag ist anders als von der Parteiführung erhofft offen, das Bündnis liegt in den Umfragen ebenfalls bei vier Prozent. Auf einem lauten Parteitag wurden Claudia Wittig und Thomas Schulze zu den Spitzenkandidaten der Partei gewählt. Der Landesverband gilt als gespalten. Er wurde im September 2024 gegründet und hatte auf ein gutes Abschneiden im Osten gehofft, das aktuell nicht in Aussicht steht. Das BSW heißt noch bis Ende September offiziell Bündnis Sahra Wagenknecht, dann wird es Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft heißen. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schlossen sowohl die Spitzenkandidierenden als auch die Bundesparteiführung aus. Wittig ist Historikerin und arbeitet seit 2021 an der Universität in Halle (an der Saale). Die 43-Jährige ist seit 2023 beim BSW und Mitglied des Bundesvorstands. Schulze ist Landesvorsitzender und seit 2024 in der Partei. Der 61-Jährige ist Justizvollzugsbeamter und ehrenamtlicher Fußballtrainer. Dass die FDP in den neuen Landtag einzieht, ist unwahrscheinlich. Die Partei liegt aktuell bei drei Prozent – und das, obwohl sie der amtierenden Landesregierung angehört. Spitzenkandidatin Lydia Hüskens ist derzeit Ministerin für Infrastruktur und Digitales und hat als einzige aus ihrer Partei ein Ministeramt inne. Die 62-jährige Hüskens ist FDP-Landesvorsitzende und seit 2021 Abgeordnete im Landtag, zuvor war sie bereits 2002 bis 2011 dabei. Dazwischen arbeitete sie als Geschäftsführerin des Studierendenwerks in Halle (an der Saale) und war im Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium des Landes angestellt. Sie will die FDP als "Stimme der Freiheit" und mit den Themen Wirtschaft, Bildung und weniger Bürokratie im Landtag halten.