Syrien strebt keine militärische Einmischung im Libanon an

Datum03.07.2026 06:55

Quellewww.spiegel.de

TLDRSyrien dementiert laut dem libanesischen Präsidialamt jegliche militärische Einmischung im Libanon, trotz eines Vorschlags von Donald Trump, die Hisbollah zu bekämpfen. Syriens Außenminister reiste nach Beirut, um Unklarheiten zu beseitigen und eine Einladung an den libanesischen Präsidenten auszusprechen. Diese Bemühungen erfolgen nach dem Sturz Assads und sind vor dem Hintergrund der historischen syrischen Präsenz im Libanon und der komplexen Beziehungen zur Hisbollah zu sehen. Parallel ereignete sich in Damaskus ein Bombenanschlag mit neun Toten.

InhaltEx-Bauunternehmer Donald Trump kann sich gut vorstellen, dass Syrien anstelle von Israel gegen die Hisbollah im Libanon kämpft. Nun haben die neuen Machthaber in Damaskus versucht, ihren kleinen Nachbarn zu beruhigen. Syrien strebt nach Angaben der Führung in Beirut keinerlei militärische Einmischung im Libanon an. Damaskus habe trotz diesbezüglichen Drucks seitens der USA "keine Absicht, einen solchen Schritt vorzunehmen", erklärte Libanons Präsidialamt am Donnerstag unter Berufung auf Syriens Außenminister Asaad al-Shaibani. Al-Schaibani hält sich derzeit zu einem Besuch im Libanon auf. Er äußerte sich den Angaben zufolge bei einem Treffen mit dem libanesischen Staatschef Joseph Aoun. Erstmals traf er auch mit Parlamentspräsident Nabih Berri zusammen, einem engen Verbündeten der proiranischen Hisbollah-Miliz. US-Präsident Donald Trump hatte vorgeschlagen, dass Syrien anstelle von Israel die Bekämpfung der von Iran finanzierten Hisbollah im Libanon übernehmen könnte. Syriens neuer starker Mann, Ahmed al-Sharaa, erklärte jedoch, er habe nicht die Absicht, militärisch im Libanon zu intervenieren – und damit alte Wunden wieder aufzureißen. Die syrische Armee war 1976 als Teil arabischer Streitkräfte in den Libanon einmarschiert, um den ein Jahr zuvor entflammten Bürgerkrieg dort zu beenden. Stattdessen blieben syrische Truppen jedoch bis zu ihrem Abzug im Jahr 2005 in dem Nachbarland präsent, wo pro-syrische Gruppierungen wie die Hisbollah-Miliz fortan sämtliche Bereiche des politischen und militärischen Lebens beherrschten. Die von Iran finanzierte Miliz zählte zu den wichtigsten Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Der im Dezember 2024 gestürzte Assad spielte lange Zeit eine strategische Rolle für Iran, insbesondere bei ungehinderten Waffenlieferungen an die Hisbollah. Außenminister al-Schaibani sagte dem libanesischen Präsidenten, er wolle "die durch Berichte über eine mögliche syrische Militärintervention im Libanon entstandenen Unklarheiten beseitigen". Zudem übermittelte al-Schaibani an Aoun eine Einladung seines Präsidenten zu einem Besuch in Syrien; ein solcher Besuch wäre ein Novum. Al-Schaibani hatte den Libanon bereits im Oktober besucht – als erster Vertreter der neuen islamistischen Übergangsregierung nach dem Sturz Assads. Bei einer Bombenexplosion in einem Café im Zentrum der syrischen Hauptstadt Damaskus sind deweil offenbar am Donnerstag neun Menschen getötet worden. 20 weitere Menschen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums verletzt. Zunächst bekannte sich niemand zu dem möglichen Anschlag. Der Gouverneur von Damaskus, Maher Eldibi, gab am Tatort bekannt, dass eine Untersuchung eingeleitet worden sei. "Die Verantwortlichen für dieses Blutvergießen werden bestraft", sagte er. Der stellvertretende Uno-Sondergesandte für Syrien, Claudio Cordone, erklärte im Onlinedienst X, die Täter "sollten vor Gericht gestellt werden". Seit dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad im Jahr 2024 hat es in Damaskus mehrere tödliche Anschläge gegeben. Im Juni 2025 wurden bei einem Attentat auf eine Kirche 25 Menschen getötet.