Werksschließungen bei Volkswagen: Im VW-Aufsichtsrat stoßen mögliche Werksschließungen auf Widerstand

Datum03.07.2026 06:31

Quellewww.zeit.de

TLDRVW-Aufsichtsrätin Julia Willie Hamburg lehnt Werksschließungen zur Kostensenkung strikt ab. Sie betont, dass dies die industrielle Substanz schwäche und keine Zukunftsstrategie sei. Hamburg schlägt stattdessen die Nutzung von Synergien, Prozessoptimierung und mehr Innovation in Zukunftstechnologien vor. Sie kritisiert, dass Werksschließungen keine akute Krise lösen. Niedersachsen, als Großaktionär, sichert den Beschäftigten Unterstützung zu und verweist auf eine bestehende Vereinbarung zur Arbeitsplatzsicherung bis 2030.

InhaltWerksschließungen seien keine Zukunftsstrategie, sagt Aufsichtsrätin und Vizeregierungschefin Julia Willie Hamburg. VW dürfe die industrielle Substanz nicht schwächen. Im Aufsichtsrat von Volkswagen kommt die Idee nicht gut an, mehrere Standorte aufzugeben. "Einfach nur Werke zu schließen, wäre viel zu kurz gesprungen. Werksschließungen sind keine Zukunftsstrategie", sagte VW-Aufsichtsrätin Julia Willie Hamburg der Nachrichtenagentur dpa. Niemand stelle den notwendigen Wandel infrage. "Im Gegenteil: Volkswagen muss sich verändern", sagte die Grünen-Politikerin. Aber die Transformation müsse den Konzern nachhaltig wettbewerbsfähiger machen und "an seine Stärken anknüpfen – nicht seine industrielle Substanz schwächen." Hamburg ist nicht nur Aufsichtsrätin bei Volkswagen, sondern auch Vizeregierungschefin in Niedersachsen. Das Bundesland hält 20 Prozent der Stimmrechte im VW-Konzern. Zusammen mit den Arbeitnehmervertretern hat es dadurch eine Mehrheit im Aufsichtsrat. Bei wichtigen Entscheidungen hat das Land zudem ein Vetorecht. Das manager magazin hatte berichtet, der VW-Konzern wolle seinen Sparkurs deutlich verschärfen. Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken in Deutschland – Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm – drohe die Schließung. Die Situation von Volkswagen sei ernst, sagte Hamburg. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu halten, gebe es jedoch andere Möglichkeiten als Werksschließungen. Zum Beispiel könne das Unternehmen Synergien nutzen und etwa Doppelstrukturen abbauen, Prozesse vereinfachen und die Zusammenarbeit zwischen den Marken verbessern. "Da liegt doch der eigentliche Hebel, auch wirklich Kosten zu senken", sagte die VW-Aufsichtsrätin. Gleichzeitig forderte sie mehr Innovation. VW müsse weiter in Zukunftstechnologien investieren, von moderner Antriebstechnik über Software bis hin zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Einen kurzfristigen Effekt möglicher Werksschließungen sieht Hamburg dagegen nicht. "Werksschließungen wirken, wenn überhaupt, frühestens 2030. Das ist nicht die Antwort auf die akute Krise, die wir jetzt gerade haben", sagte sie. "Wir werden deshalb darauf hinwirken, dass der Vorstand jetzt sehr strukturiert Lösungen präsentiert, die auch umsetzbar sind, die ausreichend geprüft sind und die dann auch wirklich einen Effekt haben." Im Dezember 2024 hatten die Gewerkschaft IG Metall und Volkswagen nach harten Tarifverhandlungen vereinbart, dass an den deutschen Konzernstandorten die Arbeitsplätze bis 2030 gesichert bleiben. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis dahin ausgeschlossen. Für den Fall, dass VW diese Vereinbarung aufkündigt, wurde eine Strafzahlung von einer Milliarde Euro festgelegt. Als stellvertretende Ministerpräsidentin Niedersachsens signalisierte Hamburg den Beschäftigten die Unterstützung der Landesregierung. Es sei weder im Interesse des Landes Niedersachsens noch des Volkswagenkonzerns, die Werke aufzugeben. "Wenn eine Industrie einmal verloren gegangen ist, kommt sie nicht so schnell wieder", sagte Hamburg.