Datum03.07.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg plant den Hochschulentwicklungsplan bis 2030 unter unsicheren wirtschaftlichen und politischen Bedingungen. Die Universität erwartet stabile Studentenzahlen, legt aber Wert auf die Qualität der Lehre. Spezielle Programme für internationale Studierende könnten kostenpflichtig werden. Die Finanzierung basiert auf einer Zielvereinbarung, die aber durch eine neue Landesregierung gekündigt werden könnte. Die Uni will Studiengänge bündeln, internationale Programme stärken und auf Vernetzung setzen, um ihre Position im globalen Bildungsmarkt zu sichern.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Hochschulen“. Lesen Sie jetzt „Wie plant die Uni Magdeburg in unsicheren Zeiten?“. Die deutsche Industrie befindet sich im Transformationsprozess, Krisen gehören weltweit dazu, in Sachsen-Anhalt steht eine wegweisende Landtagswahl an. Wie kann eine Hochschule da eigentlich für die kommenden Jahre planen? Der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Jens Strackeljan, muss Antworten finden in unsicheren Zeiten. Mitte Juli soll der Hochschulentwicklungsplan für die Jahre 2026 bis 2030 verabschiedet werden. Derzeit hat die Uni etwa 13.000 Studierende, davon kommen rund 5.500 aus dem Ausland. Mit Blick auf 2030 sagt Strackeljan: "Ich gehe davon aus, dass wir noch mindestens 11.000 Studierende haben." Wie sich die Nachfrage aus Sachsen-Anhalt und der Region weiterentwickelt, das kann man relativ stabil vorhersagen, so Strackeljan. "Die wesentlichen Fakten sind geschaffen: Die Kinder sind in den Schulen, die Übergangsquote zum Gymnasium ist noch ein Faktor, bei dem sich was verändern könnte." Aber selbst wenn eine mögliche AfD-Regierung wie im Wahlprogramm vorgesehen nur noch jeden vierten Schüler das Abitur machen ließe, wären die Auswirkungen an den Hochschulen mit Verzögerung spürbar. Die Frage, ob man auch bei den internationalen Studierenden von Stabilität ausgehen kann, sei schwieriger zu beantworten, so Strackeljan. "Da spielen mehrere Faktoren rein: Veränderungen, die auf der Welt eintreten. Unsere größte Zielgruppe Indien ist vermutlich stabil." Es müsse aber zunehmend um die Frage gehen, wie sich Quantität stärker in Qualität wandeln lasse. Um Internationalen auf den Arbeitsmarkt zu helfen, hat die Uni spezielle Programme erprobt mit Sprachkursen, Praktika und enger Begleitung. Diese Extraleistungen könnten möglicherweise künftig kostenpflichtig werden. Die Finanzierung "Wir kommen in finanziell schwierige Zeiten", sagt der Uni-Rektor zur Grundannahme und ergänzt: "Wir haben Verträge und wir gehen davon aus, dass sie eingehalten werden." Besonders im Blick hat er dabei die Zielvereinbarung, die alle Hochschulen im Land mit dem Wissenschaftsministerium geschlossen haben. Sie regelt die Leistungen der Hochschulen und die Finanzierung durch das Land samt Tarifsteigerungen und einem jährlichen Inflationsausgleich von einem Prozent. "Wir gehen davon aus, dass die Zielvereinbarung bis Ende 2029 Bestand hat", sagt Strackeljan.Grundsätzlich könnte sie von einer kommenden Landesregierung gekündigt werden. Sollte am Vertrag gerüttelt werden, so der Uni-Rektor, "haben wir weniger Budget zur Verfügung und das hat am Ende auch Konsequenzen für die Zahl der Studierenden". Die Uni will ihre Studiengänge kritischer auf Auslastung, Profil und Zukunftsfähigkeit prüfen. Deutsch- und englischsprachige Angebote sollen stärker zusammengeführt werden. Ein Beispiel ist ein bilinguales Informatik-Bachelorprogramm, das deutsche und internationale Studierende zusammenbringen soll. In den Ingenieurwissenschaften gibt es bereits ein englischsprachiges Bachelorangebot mit gemeinsamem Einführungsjahr für Maschinenbau, Verfahrenstechnik und Elektrotechnik. Starke Felder wie Medizin, Medizintechnik, Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwissenschaften sollen weiter gestärkt werden. Eines ist für Strackeljan undenkbar: Eine Abkehr vom internationalen System mit Bachelor- und Master-Abschlüssen, wie sie die AfD anpeilt. "Wenn wir abkehren würden vom Bachelor-Master-System, würden wir 4.000 bis 4.500 internationale Studierende sofort verlieren, wären aber auch in Deutschland nicht mehr anschlussfähig." Strackeljan will die Uni stärker als Netzwerkuniversität aufstellen. Bereiche, die allein zu klein oder zu wenig sichtbar seien, sollten sich noch stärker mit anderen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen verbinden - in Sachsen-Anhalt und international. "Dann wird das Unterkritische, was wir haben, zur Stärke, weil wir es in ein Netzwerk einbringen." Das gelte etwa für spezialisierte Angebote wie Cybersecurity. Auch im profilgebenden Maschinenbau sieht die Universität nach externer Einschätzung Handlungsbedarf. Über europäische Netzwerke sollen außerdem Studierende bessere Jobperspektiven auch außerhalb Sachsen-Anhalts erhalten. © dpa-infocom, dpa:260703-930-326117/1