Datum03.07.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDas Kochbuch "Große Freiheit" von Maurizio Oster feiert Hamburg mit ungewöhnlichen Rezepten. Ein Bericht beleuchtet die Herausforderungen im Hamburger Gastgewerbe. Der Artikel thematisiert auch Kritik an strengeren Krankschreibungsregeln, sinkende Zahlen jugendlicher Straftäter in Hamburg, den Ruf nach schnellerem Netzausbau und Polizeieinsätze gegen Online-Netzwerke. Die BaFin hat die Geschäftsführung der Berenberg Bank abberufen, Verdacht auf Unregelmäßigkeiten bei Geschäften, u.a. mit Toniebox-Anleihen. Ein KI-Test der Hochbahn und ein NSU-Gedenkprojekt runden den Newsletter ab.
InhaltDie Elbvertiefung am Freitag – Mit Insider-Vorwürfen gegen die Privatbank Berenberg, KI-Überwachung an Bahnhöfen und einem Netto-Rechner für die Steuerreform Hamburg hat viele Restaurants, die fast zu hamburgisch sind – mit Plattdeutsch auf der Speisekarte und Hans Albers an der Wand. Aber kennen Sie einen Spitzenkoch, der hier aufgewachsen ist? Mir fällt nur ein einziger ein: Maurizio Oster, dem das Zeik in Winterhude gehört. Sein erstes Kochbuch ist kürzlich erschienen. Es heißt sinnigerweise Große Freiheit. Zum einen, weil er auf St. Pauli seine Kindheit verbrachte. Zum anderen, weil er sich bei den Rezepten große Freiheiten nimmt. Da steht die Scholle in Safransauce neben einer Würstchensuppe, Hackbraten wie zu Omas Zeiten neben Spaghetti Bolognese mit weißer Schokolade. Ein gut gelauntes Buch ohne jede Wichtigtuerei. Ich habe die Vorstellungsparty genutzt, um Oster mit Fragen zu löchern. Über die wenigen Hamburger in den Hamburger Küchen: "Es gibt uns kaum Familienbetriebe, anders als im Süden. Darum wächst man nicht in die Branche rein." Über den Hamburger als Gast: erst mal bedächtig, dann aber treu. "Einer kam mal rein und sagte: ›Ich habe gesehen, Sie sind hier seit eineinhalb Jahren. So, jetzt teste ich Sie.‹" Über Kindheitsaromen: das Schmalzgebäck vom Dom und der Bonbonstand am Schlump – "dieser lakritzige Geruch". Über Labskaus: ein Seemannsgericht, nur aus haltbaren Zutaten. "Gab es oft bei uns. Meine Mutter hat ihn aber mit Corned Beef gemacht, nicht mit gepökelter Rinderbrust." Das Zeik übrigens ist keines dieser betont lokalen Lokale. Oster kauft zwar die meisten Produkte aus dem Umland; doch er müht sich nicht um Gourmetversionen von Franzbrötchen oder Pannfisch. Mit einer Ausnahme: Seine Aalsuppe ist genial. Ja, bei ihm wird sie mit Aal gemacht – und mit einer Essenz aus Dörrobst und der Aalhaut. Wenn sie mal auf der Karte steht, oft in Form einer Sauce: unbedingt probieren! So explosiv präsentiert sich der Geschmack von Hamburg sonst nicht. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Michael Allmaier Die Pläne der großen Koalition, Krankschreibungen strenger zu regeln und zu erschweren, stoßen auf Kritik. Die Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Hamburgs, Jana Husemann, hält Maßnahmen wie die verpflichtende Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon vom ersten Tag an und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung für eine "nicht nachvollziehbare Fehlentscheidung". Im Jahr 2025 sind in Hamburg 7.422 mutmaßliche Straftäter unter 18 Jahren erfasst worden – 7,4 Prozent weniger als 2024. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion hervor. Der Anteil der Tatverdächtigen im Kindesalter stieg um 3,4 Prozent auf 2.868. Bis Mitte Juni erfasste die Polizei 154 mutmaßliche Intensivtäter; mit einer Ausnahme waren alle Männer. Bürgermeister Peter Tschentscher fordert mehr Tempo beim Ausbau der Stromnetze und sieht vor allem bei den Übertragungsnetzen dringenden Handlungsbedarf. Der schleppende Ausbau der vergangenen Jahre habe für den Klimaschutz und die Energiewende dramatische Folgen, sagte der SPD-Politiker. Internationale Ermittler sind erstmals gezielt gegen Online-Netzwerke von Männern vorgegangen, die ihre Partnerinnen betäuben, sexuell missbrauchen und Aufnahmen davon ins Netz stellen. 156 mutmaßliche Opfer und Täter wurden dabei laut Europol identifiziert. An dem Projekt Medusa, das von deutschen und britischen Behörden geleitet wird, ist auch das Hamburger Landeskriminalamt beteiligt. Die Hochbahn überwacht testweise mit KI-Software ausgewählte U-Bahnhöfe. Auf Barmbek und Baumwall sollen künftig die Stationen Landungsbrücken und Hauptbahnhof Süd folgen, hieß es. Die Software erkennt automatisch gefährliche Ereignisse in Kameraaufnahmen und informiert die Leitstelle, die die Vorfälle prüft. Die Bankenaufsicht hat die Geschäftsführung der Berenberg Bank ausgewechselt – ein radikaler Schritt. Doch es gibt Zweifel, ob die neue Führung geeignet ist, aufzuklären. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autor Christoph Twickel. Dass staatliche Bankenaufseher die gesamte Chefetage einer Bank abräumen, ist in Deutschland bislang noch nie vorgekommen. Am Freitag, dem 19. Juni jedoch hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz Bafin, die Geschäftsführung der altehrwürdigen Hamburger Privatbank Berenberg abberufen. Statt der dreiköpfigen Geschäftsführung um Hendrik Riehmer sind nun zwei Sonderbeauftragte eingesetzt: der ehemalige Berenberg-Chef Hans-Walter Peters sowie der frühere Degussa-Bank-Vorstand Michael Horf. Die Bafin äußerte sich zu den Gründen ihres Vorgehens nicht. Die Berenberg Bank selbst sprach in einer Pressemitteilung von "Markttransaktionen mit unklarem Hintergrund, bei deren Aufklärung die nötige Transparenz fehlte". Offenbar waren die Wirtschaftsprüferinnen und -prüfer von Deloitte beim Jahresabschluss 2025 der Berenberg Bank auf eigenartige Geschäfte gestoßen, die sie nicht durchwinken wollten. Der Verwaltungsrat der Bank hatte daraufhin eine Sonderuntersuchung beauftragt, um diese Ungereimtheiten aufzuklären. Der Wirtschaftswoche wurde der Auftrag zu dieser Untersuchung zugespielt. In den Unterlagen ist auch von einem Deal rund um Wandelanleihen von Toniebox die Rede, dieses bekannte Spielzeug, auf das Kinder Plastikfiguren stellen, um Hörspiele und Kinderlieder abzuspielen. Eine Wandelanleihe ist ein verzinstes Papier, das seinen Käuferinnen und Käufern das Recht gibt, es innerhalb einer Frist zu einem günstigen Kurs in Aktien umzutauschen. Tonies SE, die Firma hinter der Toniebox, legte die Anleihe 2022 in der Höhe von 10 Millionen Euro auf und verkaufte sie an einen Investor. Berenberg hatte Tonies SE bei ihrem Börsengang 2021 begleitet und immer wieder Kaufempfehlungen für die Aktien des Unternehmens abgegeben. Die FAZ vermutet daher, es handele sich bei diesem Investor um die Berenberg Bank. Die Bank selbst äußert sich aus rechtlichen Gründen dazu nicht. Ob ein Geschäftspartner des entmachteten Managers geeignet ist, den Fall aufzuklären, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Der Finanzminister legt einen Vorschlag für die Einkommensteuer vor. Unser Online-Tool rechnet für Sie aus, ob Sie demnach mehr oder weniger Steuern zahlen müssten. → Zum Artikel (Z+) Mit Gedächtnislücken #revisited holen Nina Kalenbach und Katharina Kohl bis zum 12. Juli die offenen Fragen rund um die Aufklärung im NSU-Komplex in den Hamburger Stadtraum. Teil des Projekts ist eine stadtweite Plakatierung an 300 Litfaßsäulen – als temporäres Denkmal und auch als Anstoß für ein Stadtgespräch, in Gedenken an den NSU-Mord des Hamburger Gemüsehändlers Süleyman Taşköprü im Jahr 2001. Am Sonntag findet in der Kunsthalle ein Podiumsgespräch mit Publikumsdiskussion statt: Künstlerische Praxis und Erinnerungskultur im Stadtraum. Im Anschluss gibt es eine Führung mit Joanna Warsza zur Ausstellung Fire am Mahnmal St. Nikolai (für den Weg gern ein Fahrrad mitbringen). Künstlerische Praxis und Erinnerungskultur im Stadtraum, 5. Juli, 13.30 Uhr; Hamburger Kunsthalle, Galerie der Gegenwart, Vortragsraum, Ferdinandstraße 1; Eintritt frei In Seevetal. Die Bendestorfer Wehr an der Seeve ist eine beliebte Stromschnelle für eher erfahrene Paddler – Adrenalinkick garantiert. Drei etwa 12-jährige Jungs flitzen in ihrem Kanu direkt darauf zu. Da klingelt ein Handy. Der Junge in der Mitte: "Eyy, ich werde angerufen!" Der Junge hinten: "Egal! Egaal!! Egaaal!!!" Gehört von Marietta Lohmann Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.