Wut auf Albaniens Regierung: Festnahmen bei »Flamingo-Protesten« in Tirana

Datum02.07.2026 20:02

Quellewww.spiegel.de

TLDRIn Tirana kam es bei Protesten gegen ein Luxusbauprojekt von Jared Kushners Firma in der Lagune von Narta zu Zusammenstößen mit der Polizei. Demonstranten, die das Parlament blockieren wollten, wurden mit Wasserwerfern und Pfefferspray zurückgedrängt. Mehrere Personen wurden verletzt und 18 vorläufig festgenommen. Umweltschützer befürchten eine Schädigung des Ökosystems. Die Proteste, symbolisiert durch Flamingos, richten sich auch gegen Ministerpräsident Rama und dessen angebliche Korruption im Zusammenhang mit der Aufweichung von Naturschutzgesetzen.

InhaltIn Tirana geraten Demonstranten und Polizisten aneinander. Die Wut geht längst über ein Luxus-Bauprojekt hinaus, im Widerstand gegen die Regierung gibt es Festnahmen und Verletzte. In Albanien eskalieren die Proteste gegen ein Bauprojekt der Trump-Familie weiter: Gegner der geplanten Luxusimmobilien in einem albanischen Naturschutzgebiet sind bei ihrem Protest in der Hauptstadt Tirana mit der Polizei zusammengestoßen. Die Demonstranten versuchten, das Parlamentsgebäude zu blockieren und warfen Eier und Mehl gegen die Polizisten, wie albanische Medien berichteten. Die Beamten setzten Wasserwerfer und Pfefferspray ein, um die Menge zurückzudrängen. Es kam zu Festnahmen, mehrere Menschen wurden verletzt. Der Protest richtete sich gegen die geplante Verbauung von Teilen der Lagune von Narta im Delta des Flusses Vjosa durch amerikanische Investoren. Federführend ist dabei eine Firma von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. In der Bucht von Zvernec und auf der Insel Sazan sollen Luxushotels, Villenanlagen und Freizeiteinrichtungen entstehen. Umweltschützer befürchten, dass das Vorhaben das sensible Ökosystem im Vjosa-Delta an der Adria nachhaltig beschädigen könnte. Dazu gehören etwa Rast- und Brutgebiete für Flamingos, Reiher und andere Vögel. In Tirana demonstrieren deshalb seit mehr als einem Monat an den Abenden jeweils Tausende Menschen. Die Medien sprechen von einer "Flamingo-Revolution", die Vögel sind das Symbol der Bewegung geworden. Der Protest am Donnerstag war erstmals tagsüber und zielte auf eine Blockade des Parlaments ab. Dabei wurden 18 Personen vorläufig festgenommen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur ATA unter Berufung auf die Polizei. 15 Polizisten und 4 Demonstranten wurden wegen Verletzungen in Krankenhäusern versorgt, schrieb die Agentur weiter. Die Demonstranten verlangen außerdem den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama . Hinter seinem Beharren auf dem Projekt mutmaßen sie Korruption. Der sozialistische Politiker hatte vor knapp zwei Jahren das Gesetz zu Naturschutzgebieten verwässern lassen. Das ermöglicht es überhaupt erst, dass das Vjosa-Delta für den Luxus-Tourismus erschlossen werden kann. Rama behauptet wiederum, dass derzeit noch gar keine Baugenehmigung vorläge. Tatsächlich aber waren Ende Mai Baumaschinen auf dem vorgesehenen Gelände aufgefahren, was die bis heute anhaltende Protestwelle ausgelöst hatte. Lesen Sie auch  den Bericht vor Ort aus Tirana: Zehntausende Albaner treibt es auf die Straße. "Fickt euch", pöbelt ihr Regierungschef.