Reformpläne der Regierung: Minister: «Absolute Fehlentscheidung» bei Krankschreibungen

Datum02.07.2026 19:40

Quellewww.zeit.de

TLDRNiedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) kritisiert die Pläne der Bundesregierung zur Krankschreibung scharf. Er hält die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag für eine "absolute Fehlentscheidung", die Praxen überlasten und Kranke zur Arbeit zwingen werde. Auch das geplante Ende der telefonischen Krankschreibung sieht er kritisch, da diese sich bewährt habe und Praxen entlaste. Philippi befürchtet, dass die Neuregelung Genesungsprozesse erschwert und Ansteckungen fördert.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Reformpläne der Regierung“. Lesen Sie jetzt „Minister: "Absolute Fehlentscheidung" bei Krankschreibungen“. Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi kritisiert die im Reformpaket der Bundesregierung vorgesehene Neuregelung der Krankschreibung mit deutlichen Worten. "Es ist eine absolute Fehlentscheidung, dass Patientinnen und Patienten ab dem ersten Krankheitstag eine Krankschreibung vorhalten sollen", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. "Ein weiteres Überlaufen der ohnehin schon vollen Wartezimmer in den Hausarztpraxen ist damit vorprogrammiert." Den Koalitions-Plänen zufolge soll es Pflicht werden, schon vom ersten Tag an eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen. Beschäftigte müssen dafür dann direkt in die Praxis gehen und können nicht erst einmal zu Hause bleiben und schauen, wie es ihnen geht. Bisher ist eine Bescheinigung vom vierten Tag an vorgeschrieben. Arbeitgeber können aber schon früher einen Nachweis verlangen können.  Auch das von schwarz-rot geplante Ende der telefonischen Krankschreibung sieht der Landesminister kritisch. "Dass außerdem die telefonische Krankschreibung nicht mehr möglich sein soll, wird sowohl zu einer Belastung der Praxen als auch der kranken Menschen führen", sagte Philippi. "Die Telefon-AU bei bekannten Patienten hat sich bewährt und sie entlastet Praxisteams."  Zurecht würden Ärzte- und Patientenverbände die geplante Neuregelungen nun kritisieren, sagte der Politiker, der aktuell auch Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz ist.  Die Möglichkeit, sich auch ohne Praxisbesuch krankschreiben zu lassen, besteht seit Ende 2023 - unter der Bedingung, dass man in der Praxis bekannt ist und keine schweren Symptome hat. Vorbild war eine Sonderregelung aus Corona-Zeiten, um Ansteckungen zu vermeiden.  Gesundheitsminister Philippi fürchtet zudem, die verschärfte Krankschreibungspflicht könne dazu führen, dass kranke Menschen sich "zur Arbeit schleppen". "Damit ist niemandem geholfen", sagte der Minister. "Krankheiten müssen auskuriert werden, damit Patientinnen und Patienten ordentlich gesunden und ihr näheres Umfeld nicht anstecken." © dpa-infocom, dpa:260702-930-324925/1