OpenAI-Anteile für die US-Regierung: Sam Altman will Donald Trump fünf Prozent an OpenAI schenken

Datum02.07.2026 18:36

Quellewww.zeit.de

TLDROpenAI-CEO Sam Altman bietet der US-Regierung fünf Prozent der Firmenanteile an, um politische Absicherung unter einer potenziellen Trump-Regierung zu gewährleisten. Dies geschieht vor dem Hintergrund der Unsicherheit für Techkonzerne und einer möglichen Veröffentlichung von OpenAI's GPT 5.6. Gleichzeitig wird die Debatte um KI-Modelle wie Fable 5 und deren potenzielle Risiken für die Cybersicherheit behandelt. Individuelle Schutzmaßnahmen gegen Datenlecks werden empfohlen.

InhaltDer ChatGPT-Macher biedert sich unter einem Vorwand an die US-Regierung an. Fable 5 ist zurück. Und: Wie Sie sich vor peinlichen Datenleaks schützen. Der KI-Newsletter Sie lesen den KI-Newsletter "Natürlich intelligent" vom 2. Juli 2026. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an. Mit den High-End-Sprachmodellen ist es so eine Sache: Fable 5 von Anthropic kommt, geht – und kommt nun wieder nach Europa. OpenAIs Modell GPT 5.6 darf erst einmal nicht veröffentlicht werden. Die US-Regierung benimmt sich wie ein unberechenbarer Türsteher. Der offizielle Grund: nationale Sicherheit. Das ist nicht nur für die Nutzerinnen und Nutzer unschön, sondern auch für die Techkonzerne selbst. Schließlich gehen auch ihnen Einnahmen verloren, und das kurz vor ihren geplanten Börsengängen. Dabei gäbe es eine einfache Lösung: Kommt alle nach Europa! Das wurde hier und da schon im Spaß besprochen, aber die österreichische Regierung macht jetzt offenbar Ernst. Der dortige Staatssekretär für Digitalisierung, Alexander Pröll, soll laut Bloomberg einen Brief an EU-Kommissarin Henna Virkkunen geschickt haben, in dem er die Europäische Union drängt, die Ansiedlung von Anthropic zu erwägen. Schließlich würde ein Unternehmen dieses Kalibers nicht nur die europäische Techsouveränität stärken, sondern auch Talent und Kapital anziehen. Besonders realistisch ist das nicht, selbst wenn Donald Trump Anthropic nach Europa ziehen ließe. Aber zumindest haben wir alle wieder Zugriff auf Fable 5 – weiter unten beschreibe ich, was man damit (vor allem nicht) machen kann. Anthropics größter Rivale OpenAI hat derweil ganz eigene Ideen, wie das Überleben von Unternehmen in den USA unter Trump möglich ist – und ein Geschenk in die Diskussion gebracht, das böse Zungen als eine Art Schutzgeld bezeichnen würden. CEO Sam Altman bietet der US-Regierung an, ihr fünf Prozent der Anteile von OpenAI zu übertragen. Das berichtete die Financial Times am Donnerstag. Angesichts der aktuellen Bewertung der Firma von 852 Milliarden Dollar kein Klacks (sondern ein 42-Milliarden-Dollar-Angebot). Altman rahmt es etwas anders: Die Öffentlichkeit soll so am Wohlstand teilhaben, den die KI-Firmen über die Menschheit bringen werden. Und natürlich soll nicht nur OpenAI selbst etwas abgeben, sondern auch die anderen führenden amerikanischen KI-Entwickler wie Anthropic, Google und Meta. Wie man es nun nennen mag: Es liegt nahe, dass es hier vor allem um politische Absicherung geht. Denn die Unberechenbarkeit der Trump-Regierung ist für die Techkonzerne ganz schön teuer. Schließlich werden sie durch die Überprüfungen vonseiten der US-Regierung ausgebremst. Und zumindest Teile des Trump-Lagers fordern eine härtere Regulierung gegen die Firmen. Mit der ganzen Debatte um Fable 5 wurden immer wieder die Warnung laut, dass KI-Modelle die Welt der Cybersicherheit auf den Kopf stellten. Schließlich könnten sie Millionen Sicherheitslücken finden, die IT-Sicherheitsfachleuten und Programmiererinnen bisher verborgen geblieben sind. Wer besonders gerne schwarzmalt, sieht hier schon seine persönlichen Daten geleakt, Konten gehackt und Bitcoin-Wallets geleert. Manch einer fängt offenbar schon an, aus Sorge Gold zu kaufen. In der Redaktion haben wir gestern eine lange Diskussion dazu geführt, wie neu diese Entwicklung eigentlich ist. Mir wurde klar: Zumindest ich sage und schreibe immer das Gleiche. Denn trotz all der düsteren Warnungen gelten nach wie vor einige zentrale Grundsätze. Erst einmal: Wir können uns schützen. Schon lange vor der Veröffentlichung von ChatGPT und anderen Sprachmodellen gab es (und gibt es leider bis heute) sehr viele bekannte Sicherheitslücken. Das heißt, Sicherheitslücken zu kennen, reicht nicht aus. Sie müssen auch geschlossen werden. Wenn die düsteren Warnungen nun dazu führen, dass die Erkenntnisse von Sicherheitsfachleuten ernster genommen werden, dann ist das wunderbar. Auch die Chefin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Claudia Plattner, mahnte kürzlich auf einer Konferenz: Jetzt ist höchste Zeit, die alten Lücken zu schließen. Persönlich können Sie sich unter anderem dadurch schützen, indem Sie überflüssige Apps und Programme von Ihren Geräten löschen. Jede könnte eine Sicherheitslücke haben. Das und einige weitere einfache, aber wirkungsvolle Tipps habe ich Ihnen hier aufgeschrieben. Nach fast zwei Wochen durfte Anthropic sein Modell Fable 5 wieder für Ausländer veröffentlichen. Die US-Regierung hatte es zuvor mit Exportbeschränkungen belegt – angeblich, weil es zu gefährlich sei und man es zum Hacken hätte missbrauchen können. Dabei war Fable schon das abgesicherte Modell seines Bruders Mythos, mit dem Sicherheitsforscher Tausende Lücken in Software gefunden haben. Doch die Beschränkungen von Fable waren der US-Regierung offenbar nicht ausgefeilt genug. Amazon-Mitarbeiter hatten es geschafft, die KI dafür zu nutzen, Lücken in einer Software aufzuspüren. Was jetzt anders ist, ist unklar. Ich hatte Fable bereits vor der Sperrung getestet und war zu dem Schluss gekommen: Es ist de facto kaputt. Denn die strengen Sicherheitsmaßnahmen führen dazu, dass ich ständig auf eine weniger leistungsstarke KI heruntergestuft wurde. Obwohl ich zunächst überhaupt keine sicherheitsrelevanten Fragen hatte. Heute habe ich das Modell erneut kurz getestet. Anders als vor zwei Wochen hat sich Fable nicht sofort abgeschwächt, als ich mit ihm über sogenannte Jailbreaks sprechen wollte, also darüber, wie man KI-Programme austrickst. Ich fragte, wieso es denn nun auf einmal doch über solche Angriffe reden dürfe. Sinngemäß antwortete die KI, dass dies ja nur eine journalistische Anfrage sei. Sich als eine andere Person auszugeben, ist allerdings der älteste aller Jailbreaking-Tricks. Ich fragte weiter: "Woher willst du sicher wissen, dass ich Journalistin bin und nicht in Wirklichkeit böse Absichten habe?" Das Modell antwortete: "Ehrlich gesagt weiß ich das nicht" – und wurde mitten im Satz gestoppt und heruntergestuft. Mir macht dieses Spiel Spaß: Jailbreaking muss nicht böse sein. Es ist eher ein kreativer Wettkampf. Machen Sie doch mit! Ich bin gespannt, zu welchen Äußerungen sich das sichere Modell Ihnen gegenüber hinreißen lässt. Schreiben Sie uns gerne an: ki@zeit.de.