Datum02.07.2026 17:32
Quellewww.spiegel.de
TLDRUmweltminister Carsten Schneider tauchte vor Rügen, um auf die Verschmutzung und Erderhitzung der Ostsee aufmerksam zu machen. Er barg ein "Geisternetz", das Meeresbewohner gefährdet und Mikroplastik freisetzt. Schneider kritisierte den Nährstoffeintrag und stellte fest: "Fisch war nicht viel." Schneider setzt damit eine Tradition fort, die an Aktionen früherer Umweltminister wie Klaus Töpfer erinnert, die ebenfalls zur Symbolik ins Wasser gingen.
InhaltUmweltminister Schneider war vor Rügen tauchen, um sich die Verschmutzung der Ostsee anzusehen. Damit setzt er eine lange deutsche Tradition fort: die von Umweltministern, die vor Kameras ins Wasser steigen. Für Klaus Töpfer endete der Ausflug in den Rhein mit "Augen gerötet wie Lackmuspapier im sauren Regen". So jedenfalls spottete der SPIEGEL im Jahr 1988 über eine Aktion des damaligen Bundesumweltministers. Indem der CDU-Politiker den Fluss durchschwamm, wollte er der Öffentlichkeit demonstrieren, wie sich die Wasserqualität verbessert habe. Außerdem, so gestand Töpfer freimütig ein, habe er eine Wette verloren. Sein Fazit nach 350 Metern Schwimmen in Kraul- und Rückenlage: "So etwas mache ich nie mehr." Wollte Töpfer mit seiner Aktion noch demonstrieren, wie sehr sich Dinge verbessert haben, ging es einem seiner Nachfolger jetzt um genau das Gegenteil: Carsten Schneider, 50, nutzte einen Tauchgang vor Rügen, um auf die Folgen von Erderhitzung und Meeresverschmutzung hinzuweisen. Mit an die Oberfläche brachte der SPD-Politiker bei seiner Rückkehr ein sogenanntes Geisternetz – also eines jener herrenlos durchs Meer treibenden Netze, die Meeresbewohner gefährden und durch Mikroplastik für Verschmutzung sorgen, wenn sie sich zersetzen. Schneider beklagte zudem einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa zufolge, dass die Ostsee einem Übermaß an Nährstoffen ausgesetzt sei und betonte die Notwendigkeit, deren Eintrag zu verringern. Sein Fazit: "Fisch war nicht viel." Ob Schneider sich mit seinem Gang ins Wasser bewusst in die Tradition Töpfers gestellt hat? Möglicherweise eifert er auch einem weiteren deutschen Umweltminister nach: Erst wenige Monate ist es her, dass der in Mecklenburg-Vorpommern Ressortverantwortliche Till Backhaus (SPD), 67, öffentlich ins Wasser ging – und zwar wie Schneider in das der Ostsee. Backhaus hatte allerdings seine ganz eigene Mission: Sein Ziel war es, einem gestrandeten Buckelwal einen Eimer Wasser über den Körper zu gießen. Dem Minister gelang dies. Danach sagte er. "Es war mir wichtig, nah beim Wal zu sein. Man nimmt ihn ganz anders wahr als aus großer Entfernung." So unterschiedlich die Ziele der drei auch waren: Wasser, so scheint es, braucht ein echter Umweltminister zum Leben. Nur Fisch war nicht viel.