Reformpaket: Ärzte gegen Krankschreibung ab Tag eins

Datum02.07.2026 14:50

Quellewww.zeit.de

TLDRNiedersächsische Kassenärzte lehnen geplante Reformen bei Krankschreibungen ab. Sie kritisieren die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und die Verpflichtung zur Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag. Dies führe zu unnötigen Arztbesuchen, erhöhe die Belastung der Praxen und verschärfe die Terminlage, statt den Krankenstand zu reduzieren oder Infektionsrisiken zu senken. Alternativen wie die Analyse von Fehlzeiten und Angebote zur psychischen Gesundheit würden als effektiver erachtet.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Reformpaket“. Lesen Sie jetzt „Ärzte gegen Krankschreibung ab Tag eins“. Niedersachsens Kassenärzte lehnen die geplante Reform der Krankschreibung für die Arbeit ab. Sowohl den Wegfall der telefonischen Krankschreibung als auch die verpflichtende Krankschreibung vom ersten Tag an sieht die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) kritisch. Die telefonische Krankschreibung habe sich bewährt und sei eine sinnvolle Ergänzung der Sprechstunden in den Praxen, sagte KVN-Sprecher Detlef Haffke. Bekannte Patientinnen und Patienten mit nicht schwerwiegenden Erkrankungen könnten so niedrigschwellig behandelt werden, ohne unnötige Praxisbesuche zu verursachen. "Damit werden nicht nur die Praxisteams entlastet, sondern auch Infektionsrisiken reduziert", sagte Haffke. "Auch die Krankschreibung ab Tag eins macht keinen Sinn", sagte der Sprecher weiter. Bei späteren Krankschreibungenentfielen unnötige Arztbesuche und das Gesundheitssystem könne entlastet werden. Die geplante Änderung produziere dagegen "Abertausende Arztbesuche, die aus Sicht der KVN nicht zwingend notwendig sind". Die Kassenärzte befürchten, dass die ohnehin angespannte Terminlage dadurch weiter zunimmt. "Zusätzliche unnötige Termine durch die Regelungen sind in Arztpraxen eines der größten Hindernisse für die Patientenversorgung", sagte Haffke. Die Änderungen würden mehr Arbeitszeit mit sich bringen, die von der Behandlungszeit abgehe, was wiederum zu längeren Wartezeiten und kürzeren Sprechstunden für die Patientinnen und Patienten führe.  Die Erwartung, dass die neuen Maßnahmen den Krankenstand reduzieren könnten, teilt die KVN nicht. Zum einen könnten Arbeitgeber schon jetzt eine Krankschreibung vom ersten Tag an fordern. "Darüber hinaus würden Arbeitnehmer zum Beispiel mit leichten Erkältungen oder Magen-Darm-Problemen durchaus den Arbeitsplatz aufsuchen und das Infektionsrisiko für die Kolleginnen und Kollegen dadurch erhöhen", vermutet Haffke. Effektiver wären aus Sicht der KVN etwa eine gezielte Analyse der Muster in den Fehlzeiten sowie eine Förderung von ergonomischen Arbeitsplätzen und Angeboten zur mentalen Gesundheit und Stressbewältigung. © dpa-infocom, dpa:260702-930-323010/1