Europol: Männer betäubten und missbrauchten Partnerinnen – Ermittlern gelingt Schlag gegen Netzwerke

Datum02.07.2026 11:08

Quellewww.spiegel.de

TLDREuropol hat im Rahmen des "Projekts Medusa" erfolgreich gegen Netzwerke vorgegangen, in denen Männer ihre Partnerinnen betäuben, sexuell missbrauchen und die Taten filmen und online teilen. Internationale Ermittler identifizierten 156 mutmaßliche Opfer und Täter. Die Operation führte zu 274 neuen Spuren und zur Entdeckung von vier neuen Netzwerken. Seit April gab es 57 Festnahmen und 158 Opfer wurden in Sicherheit gebracht.

InhaltDie Fälle weisen Parallelen zum Fall Gisèle Pelicot auf: Dutzende Täter sollen den Missbrauch ihrer Partnerinnen gefilmt, ins Internet gestellt und Tipps ausgetauscht haben. Nun berichten Ermittler von einem Erfolg. Die Verbrechen erinnern an den Fall der Französin Gisèle Pelicot: Männer betäuben ihre Partnerinnen, missbrauchen sie sexuell und stellen Aufnahmen der Tat ins Internet. Internationale Ermittler sind nach einem Bericht von Europol nun erstmals gezielt gegen solche Onlinenetzwerke vorgegangen. 156 mutmaßliche Opfer und Täter seien identifiziert worden, teilt Europol in Den Haag mit. An dem "Projekt Medusa" waren maßgeblich das Bundeskriminalamt und das Hamburger Landeskriminalamt beteiligt. Der Einsatz im Juni führte nach Angaben von Europol zu 274 neuen Spuren. Insgesamt waren neun Länder am Einsatz beteiligt. Deutsche und britische Behörden hatten die Leitung. Die europäische Polizeibehörde koordinierte den Einsatz. Einzelheiten über Täter oder Opfer, wie etwa Heimatländer, nannte Europol mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht. Täter sind nach Angaben von Europol vorwiegend Männer, die ihre eigenen Partnerinnen erst betäuben und sie dann sexuell missbrauchen. Aufnahmen davon würden sie dann in frauenfeindlichen Gruppen in sozialen Medien teilen. Dort tauschten die Täter auch ihre Erfahrungen aus sowie Tipps. Sie informierten auch über die Wirksamkeit der Drogen oder Betäubungsmittel und wie man sich diese beschaffen kann. Im Zuge der jüngsten Operation waren vier neue solcher Netzwerke entdeckt worden. Das "Projekt Medusa" war im April gestartet, mit dem Ziel, die Onlinenetzwerke hinter diesem Missbrauch zu zerschlagen. Seit April gab Europol zufolge in den beteiligten Ländern 57 Festnahmen, 158 Opfer wurden in Sicherheit gebracht. Im Juni hatte die niederländische Polizei nach Hinweisen ihrer britischen und deutschen Kollegen vier mutmaßliche Täter festgenommen. Gisèle Pelicot erlitt den maximalen Kontrollverlust. Unsere Autorin saß Wochen mit ihr im Gerichtssaal – und traf eine Frau, die Wut in Handlung verwandelt. Wie hat sie es geschafft, jetzt schon wieder fröhlich zu sein? Mehr dazu lesen Sie hier.  Außerdem finden Sie hier die SPIEGEL-Podcastserie "Avignon: Der Prozess Pelicot".