Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Verkehrsforschung zum Mitmachen: Wann fahren Sie Rad und wann nicht?

Datum02.07.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRForscher der Uni Hamburg führen eine Umfrage zur Wahrnehmung der Fahrradinfrastruktur durch, um die Bedürfnisse verschiedener Radfahrer zu verstehen. Die Ergebnisse fließen in eine digitale Fahrradkarte ein. Zudem wird über die Gedenkveranstaltung zum NSU-Mord, Investitionen der Hochbahn, den Flughafenverkehr, Funkstandards im Hafen, eine geplante Oberstufenreform und den modularen Bau von Hochschulgebäuden berichtet. Die Linken-Politikerin Heike Sudmann wird für ihren Erfolg bei der Ablehnung der Olympia-Bewerbung gelobt. Ein Artikel beleuchtet die Eskalation von Sorgerechtsstreitigkeiten und eine Ausstellung über Fritz Schumacher wird angekündigt.

InhaltDie Elbvertiefung am Donnerstag – mit 500 Millionen Euro Sonderschulden, einer gut gelaunten Linken und Hintergründen zu Gewalt im Streit um das elterliche Sorgerecht wie oft steigen Sie in der Woche aufs Rad? Was für ein Fahrrad fahren Sie – ein Lastenrad, ein Citybike, ein E-Bike? Und wann lassen Sie das Fahrrad stehen – wenn es zu heiß, kalt oder windig ist? Wenn Ihnen der Weg zu holperig ist? Nein, das hier ist kein Psychotest für Radfahrer, es gibt am Ende keine Auswertung à la: "Sie sind zu 87 Prozent ein Hollandrad." Diese Fragen haben sich Forscher am Institut für Geografie der Uni Hamburg überlegt. Mit einer digitalen Umfrage wollen sie herausfinden, wie unterschiedlich die Menschen dieser Stadt die Fahrradinfrastruktur wahrnehmen. Wenn Sie mitmachen möchten: Hier geht’s lang. "Wir sehen gerade zwei Entwicklungen: Zum einen fahren immer mehr Menschen Fahrrad, zum anderen wird die Gruppe der Radfahrenden vielfältiger", sagte mir der Studienleiter Lukas Kische am Telefon. Sein Team wolle die unterschiedlichen Bedürfnisse ergründen. "Eine 35-jährige Pendlerin, die schnell unterwegs ist, kommt oft gut mit Mischverkehr zurecht. Ein Rentner, der mit einem Sack Kartoffeln am Lenker unterwegs ist, fühlt sich dort tendenziell unsicherer und braucht möglicherweise eine ganz andere Infrastruktur." Die Umfrage ist nur ein Baustein eines großen Forschungsprojekts, das über drei Jahre läuft und vom Bundesverkehrsministerium gefördert wird. Projektpartner sind der ADFC und die Hamburger Verkehrsbehörde. Die Geografen ziehen auch selbst durch Hamburg und nehmen Radweg für Radweg unter die Lupe. Sie schauen zum Beispiel, wie breit die Wege und wie die Oberflächen beschaffen sind, wo das Unfallrisiko besonders groß ist. Am Ende sollen alle Erkenntnisse in einer digitalen Fahrradkarte zusammengefasst werden, die nach Abschluss der Forschung, wohl im Jahr 2028, online gestellt wird. Darin sei dann ein "Profimodus" für Planerinnen und Planer vorgesehen, sagte Kische, und eine Version für die breite Öffentlichkeit. Als Kische mir das erzählte, dachte ich: Solch eine Karte ist längst überfällig. Denn so unterschiedlich wie die Menschen auf dem Rad sind heute auch Hamburgs Radwege. Manche machen richtig Spaß, der Leinpfad an der Alster zum Beispiel. Andere machen vor allem Stress. (Looking at you, Stresemannstraße.) Eine Karte, die all das bündelt, wäre nicht nur für Radfahrende praktisch. Der Stadt dürfte sie sehr deutlich zeigen, wo sie nachbessern muss. Mir fielen da ein paar Stellen ein. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Annika Lasarzik Die Hamburgische Bürgerschaft hat gestern des vor 25 Jahren vom NSU ermordeten Kaufmanns Süleyman Taşköprü gedacht. Parlamentspräsidentin Carola Veit (SPD) plädierte dafür, anzuerkennen, "dass die behördlichen Strukturen in unserer Hansestadt damals auf dem rechten Auge blind waren". Die Hochbahn hat 2025 nach eigenen Angaben 938,5 Millionen Euro in Infrastruktur und Fahrzeuge investiert – 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Nahezu 80 Prozent davon flossen in das U-Bahn-Netz, vor allem die neue U-Bahn-Linie 5, der Rest in den Busbetrieb. Die Zahl der Fahrgäste blieb mit 552 Millionen gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. Der Flughafen rechnet zum Ferienauftakt täglich mit bis zu 55.000 an- und abreisenden Fluggästen. Ab dem 10. Juli werden pro Tag 370 Starts und Landungen erwartet. Im Hafen nutzen Lokführer während des Rangierens noch den Analogfunk, wie der Hamburger Senat erklärt hat. Die CDU-Bürgerschaftsfraktion kritisiert, dass gefährliche Situationen entstehen können, wenn Schiffsbesatzungen die Funkfrequenzen der Lokführer besetzen. Die Präsidenten der Kunsthochschule und der Hochschule für Musik und Theater protestieren gegen eine geplante Oberstufenreform, die es Schülerinnen und Schülern erschweren könnte, in einem der ästhetischen Fächer ihr Abitur abzulegen. Hintergrund (Z+) ist die Verpflichtung der Bundesländer, ihre Abiturprüfungen bundesweit weniger uneinheitlich zu gestalten. Sieben Jahre später als geplant wurde gestern das Haus der Erde an die Universität übergeben. Das teilte die Wissenschaftsbehörde mit. Der Senat habe aus dem Planungs- und Baudebakel gelernt, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Er wolle nun stärker auf eine modulare Bauweise setzen, bei der nicht mehr jedes Gebäude eigens entworfen, sondern auf vorgefertigte Pläne und Bauteile zurückgegriffen wird. Das habe heutzutage "nichts mit Plattenbau" zu tun, sagte Dressel, sondern ermögliche einen "ordentlichen Standard, schnell und preislich akzeptabel". Vorbild dafür ist das Hamburger Klassenhaus, über dessen Einführung wir im Jahr 2022 berichtet haben. Inzwischen ist es nach Angaben des städtischen Unternehmens Schulbau Hamburg mehr als 40-mal errichtet worden, wobei eine Preisersparnis von bis zu 20 Prozent gegenüber konventionell geplanten Gebäuden erzielt worden sei. Die Bauzeit verkürze sich sogar um bis zu einem Drittel. Hochschulgebäude müssen andere Anforderungen erfüllen als Schulen, sagte Finanzsenator Dressel, deshalb sei zunächst ein Musterbau an der Horner Rennbahn geplant. Dieser solle 2028 eröffnen und die Norddeutsche Akademie für Finanzen und Steuerrecht beherbergen. Ein Prestigeprojekt wie die Science City Bahrenfeld könne man allerdings nicht allein mit Bauten aus dem Katalog bestreiten. "Bei Adresslagen werde ich mich als Effizienzsenator nicht durchsetzen können", sagte Dressel. Dort solle es weiterhin internationale Architekturwettbewerbe geben. Insgesamt will der Senat bis 2030 rund 500 Millionen Euro für den Schul- und Hochschulbau einsetzen. Das Geld kommt aus dem Sondervermögen des Bundes. Von Oskar Piegsa Heike Sudmann hat schon wieder eine Mehrheit hinter sich versammelt, gegen SPD, Grüne und CDU. Und das als Linke. Wie sie das macht? Das hat ZEIT-Autor Christoph Twickel aufgeschrieben; lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel. "Es ist mir noch nie passiert, dass mir jemand schlechte Laune unterstellt!", ruft Heike Sudmann in den Plenarsaal der Hamburgischen Bürgerschaft. Es ist der 3. Juni, drei Tage nach dem Hamburger Olympia-Referendum, bei dessen Kampagne der SPD-Innen- und Sportsenator Andy Grote die Kritiker der Bewerbung als "Koalition der schlechten Laune" bezeichnete. Tatsächlich gehört Heike Sudmann, 64, Co-Fraktionschefin der Hamburger Linken und die zentrale Figur der NOlympia-Kampagne in Hamburg, zu den Menschen, die meistens fröhlich gestimmt sind. An diesem Tag ist ihre Laune besonders gut. Wochenlang war Sudmann durch die Fußgängerzonen der Stadt gezogen, um für ihre Sicht zu werben: dass Olympia Hamburg mehr schadet als bringt, dass man die mutmaßlichen sechs Milliarden Euro, die die Spiele – abzüglich der Zuschüsse des IOC – gekostet hätten, besser nutzen könnte. Die Hamburgerinnen und Hamburger folgten mehrheitlich ihrer Skepsis: Rund 55 Prozent derer, die abgestimmt hatten, lehnten die Olympiabewerbung ab. Nun steht Heike Sudmann am Rednerpult, verteidigt einmal mehr ihr zentrales Argument – und bekommt den Unmut der Verlierer zu spüren. Fortwährend gibt es Zwischenrufe, Johlen, Kopfschütteln, Abwinken, doch das scheint sie eher anzuspornen. "Fragen Sie ruhig zwischen – das bringt mir mehr Redezeit!", sagt sie lächelnd. "Wenn sie keine Argumente mehr haben, gehen sie eben auf mich los", sagt Sudmann. "Sie hat ein schön dickes Fell", sagt ihr Parteigenosse Norbert Hackbusch, der sie seit mehr als dreißig Jahren kennt. Ob Heike Sudmann in Hamburg auch mitregieren möchte, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) In Stade tötete ein Vater mutmaßlich sechs Menschen wegen eines Sorgerechtsstreits. Dass solche Verfahren eskalieren, sei keine Seltenheit, sagt Anwältin Asha Hedayati im Interview. Die Fragen stellte ZEIT-Redakteurin Livia Sarai Lergenmüller. → Zum Artikel (Z+) In der Universitätsbibliothek ist im Rahmen des "Hamburger Architektur Sommer" die Ausstellung Fritz Schumacher. Architektur als City Branding zu sehen. Der frühere Oberbaudirektor hat Hamburgs Stadtbild nachhaltig geprägt – und sein persönlicher Nachlass liegt in der Stabi. Auf Basis von Zeichnungen, Fotos, Briefen und Plänen haben Studierende des Kunstgeschichtlichen Seminars eine Ausstellung zusammengestellt, die Schumachers Wirken in der Stadt nachzeichnet. "Fritz Schumacher. Architektur als City Branding", bis 16.8.; Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, Von-Melle-Park 3; Mo–Fr 9–24 Uhr, Sa+So 10–24 Uhr; Führungen durch die Ausstellung am 7. und 14. Juli, 18 Uhr; Anmeldung bitte bei mika.denke@uni-hamburg.de Anton (4) ist gerade sehr im Fußballfieber und hat eine Idee: "Wir könnten uns ja mal mit Manuel Neuer treffen!" Seine Mama gibt zu bedenken, dass wir ihn ja gar nicht persönlich kennen und nicht wissen, wo er wohnt. Anton: "Aber er könnte doch zu uns kommen!" Gehört von Annette Gückler Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.