Donald Trump: Scharfe Kritik an seinen Milliarden, doch der US-Präsident winkt ab

Datum02.07.2026 04:56

Quellewww.spiegel.de

TLDRDonald Trump hat 2025 über 1,4 Milliarden Dollar durch Kryptodeals eingenommen, was Kritik wegen Interessenkonflikten auslöst. Kritiker werfen ihm und seinen Söhnen "schamlose Krypto-Korruption" vor, während Trump behauptet, alle würden vom Aktienmarktboom profitieren und seine Finanzen würden von Fonds verwaltet. Sein Vermögen hat sich seit der Wahl fast verdreifacht. Demokraten machen Korruption zu einem Wahlkampfthema. Auch Vizepräsident Vance und First Lady Melania Trump verzeichneten Einnahmen.

InhaltAllein 2025 kassierte Donald Trump mehr als 1,4 Milliarden Dollar durch Kryptodeals. Seit Bekanntgabe dieser Zahlen wächst die Empörung. Der US-Präsident selbst kann die Aufregung so gar nicht nachvollziehen. Donald Trump und sein Team verbreiten gern den Mythos, dass er mit seinem Job als Präsident der Vereinigten Staaten auf jede Menge Geld verzichte. An dieser Darstellung gab es schon lange Zweifel. Seit gestern liegen neue Zahlen vor, die belegen, wie wenig sich diese Darstellung mit der Realität deckt. So hat Trump allein im vergangenen Jahr mit Kryptowährungen rund 1,2 Milliarden Dollar (gut eine Milliarde Euro) eingenommen (mehr dazu hier). Kritiker sehen einen Interessenkonflikt, da er die Auflagen für den Sektor selbst gelockert hatte. Jetzt hat der US-Präsident seine Milliarden-Einnahmen mit Kryptowährungen verteidigt. Alle profitierten von dem Boom, sagte Trump am Mittwoch (Ortszeit) auf einem Militärflugplatz bei Washington. "Ich profitiere, weil der Aktienmarkt steigt, alle profitieren", sagte Trump. Es könne gar keinen Interessenkonflikt geben, denn er kümmere sich nicht um seine persönlichen Finanzen, die von Fonds verwaltet würden. Im Übrigen, so Trump, sollten ihm die Amerikanerinnen und Amerikaner dankbar sein, deren Altersvorsorge an die Börse gekoppelt seien. Laut den Zahlen machen die Börsenspekulationen nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Einnahmen aus – verglichen mit Krypto. Seit der Veröffentlichung der Zahlen setzt es heftige Kritik vonseiten der Demokraten. Senatorin Elizabeth Warren sprach von "schamloser Krypto-Korruption" des Präsidenten und forderte schärfere Vorgaben, um diese Form der Bereicherung zu verhindern. Gavin Newsom, Gouverneur in Kalifornien, erklärte: "Trump wird reicher. Seine Krypto-Unterstützer hingegen werden abgezockt." Und Tim Walz, demokratischer Gouverneur in Minnesota fasste es so zusammen: "Der korrupteste Präsident in der Geschichte der USA." Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Anders als von Donald Trump suggeriert, hat die Präsidentenfamilie durchaus Einfluss auf den Kryptomarkt: Gemeinsam mit seinen drei Söhnen hatte Trump die Krypto- und Investitionsplattform World Liberty Financial gegründet, über die er im vergangenen Jahr fast 550 Millionen Dollar einnahm. Das geht aus einer Vermögensaufstellung vor, die das Weiße Haus am Dienstag gemäß einer Gesetzesvorschrift von 1978 veröffentlichte. Die Aktivitäten des Präsidenten im Bereich Kryptowährungen sind der Hauptgrund für sein enorm steigendes Privatvermögen. Dieses verdreifachte sich laut dem Magazin "Forbes" zwischen dem Wahljahr 2024 und 2026 nahezu – von 2,3 Milliarden auf 6,5 Milliarden Dollar. Für Lizenzgebühren im Zusammenhang mit der sogenannten Trump-Coin kassierte Trump den Angaben zufolge weitere 635 Millionen Dollar. Die virtuelle Münze $TRUMP war kurz vor seiner Amtseinführung Anfang 2025 herausgekommen. Trump werden regelmäßig Interessenkonflikte vorgeworfen, weil er als Präsident die Deregulierung des Krypto-Sektors vorangetrieben hat und selbst in dem Bereich investiert. Zudem begleiten ihn seine Söhne Eric und Donald Trump Jr. oft auf Dienstreisen und treiben im Ausland Immobilieninvestitionen voran. "Weder der Präsident noch seine Familie waren jemals in Interessenkonflikte verwickelt – und werden dies auch niemals sein", erklärte dagegen Trumps stellvertretende Sprecherin Anna Kelly ohne weitere Begründung. In einem Interview mit der "New York Times"  hatte sich Trump im Januar 2026 über Geschäftsaktivitäten während seiner Amtszeit so geäußert: "Mir ist klar geworden, dass es niemanden interessiert." Ob diese Einschätzung zutrifft, könnte sich schon im November zeigen. Viele Demokraten haben Korruption und Bereicherung zu einem wichtigen Thema im Wahlkampf für die Midterm-Wahlen ausgemacht. Dort steht Trump zwar nicht selbst zur Wahl, seine Partei könnte aber ihre Mehrheiten im Kongress einbüßen. In die Kritik geriet Trump zudem, weil er das Emirat Katar nach eigenen Worten überredet hat, den USA eine Boeing 747 für die Präsidentenflotte Air Force One zu schenken. Der Präsident nutzte den Luxusflieger nun erstmals für eine Reise nach North Dakota, wo er an der Eröffnung einer Bibliothek für den früheren Präsidenten Theodore Roosevelt (1901 bis 1909) teilnahm. Die USA sollten "sehr stolz darauf sein", das Flugzeug sei "wunderschön", erklärte Trump. Vizepräsident JD Vance konnte sein Vermögen ebenfalls steigern, wie aus den Unterlagen hervorgeht. Vance gab Einnahmen von bis zu fünf Millionen Dollar durch sein autobiografisches Buch "Hillbilly-Elegie" an, das in den USA 2016 und ein Jahr später auf Deutsch erschienen war. Zusammen mit Investments erzielte der 41-Jährige laut "Wall Street Journal" im vergangenen Jahr 7,4 Millionen Dollar. Das ist relativ bescheiden: Trump wird nachgesagt, so viele Milliardäre in seinem Kabinett zu versammeln wie kein anderer US-Präsident vor ihm. Zu den Superreichen gehören etwa Handelsminister Howard Lutnick und Finanzminister Scott Bessent. Auch das Einkommen von First Lady Melania Trump wird in den Finanzunterlagen dokumentiert. Darin sind Einnahmen in Höhe von mehr als zehn Millionen Dollar für eine Amazon-Dokumentation über sie aufgeführt sowie über 500.000 Dollar für ihre Ende 2024 erschienenen Memoiren. Film wie Buch tragen den Titel "Melania".