Datum02.07.2026 04:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Landtag von Sachsen-Anhalt hat eine wissenschaftliche Untersuchung der Parlamentsgeschichte von 1946-1952 abgeschlossen, um eine Forschungslücke zur Nachkriegszeit zu schließen. Diese als "verzögerte Diktaturbildung" beschriebene Phase war gekennzeichnet durch eine kurzzeitige politische Offenheit nach dem NS-Regime, die jedoch durch die Aushöhlung der Verfassung und politischen Druck unterging. Die Ergebnisse sollen diese Zeit mit couragierten demokratischen Akteuren würdigen und beinhalten erstmals einen Biografienkatalog der Parlamentsmitglieder.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Sachsen-Anhalt“. Lesen Sie jetzt „Landtag schließt Lücke bei Aufarbeitung der Nachkriegszeit“. Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat eine Lücke in der Aufarbeitung der Geschichte des Parlaments geschlossen. Dafür wurde die Epoche von 1946 bis 1952 wissenschaftlich untersucht. In der Forschung seien das NS-Regime und die SED-Diktatur stets stärker als diese Zwischenzeit im Fokus gewesen, sagte der Politikwissenschaftler Everhard Holtmann der Deutschen Presse-Agentur. Die Landtage von 1946 bis 1950 und von 1950 bis 1952 stehen für einen Prozess, den Holtmann als "verzögerte Diktaturbildung" beschreibt. Zwischen dem Ende der NS-Diktatur und der Etablierung der SED-Diktatur habe es ein kurzes Zwischenstadium mit - wenn auch stark eingeschränkter - politischer Offenheit gegeben. Diese wurde durch die Aushöhlung der Verfassung, politischen Druck, Einschüchterungen sowie der Auflösung des Landtags abgebaut. Es sei wichtig, diese Zeit heute in die Erinnerungskultur einzubeziehen, sagte Holtmann. Es habe Akteure gegeben, die es sich couragiert und mit Widerstandsfähigkeit zur Aufgabe gemacht hätten, Demokratie einzuführen. In den vom Landtag herausgegebenen Forschungsergebnissen ist erstmals auch ein Katalog mit Kurzbiografien aller Mitglieder des Parlaments aus dieser Zeit enthalten. © dpa-infocom, dpa:260702-930-319387/1