Börsengang von KNDS: Deutsch-französischer Rüstungskonzern KNDS verschiebt Börsengang

Datum02.07.2026 00:36

Quellewww.zeit.de

TLDRDer deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS verschiebt seinen Börsengang auf unbestimmte Zeit, um auf günstigere Marktbedingungen zu warten. Hauptgrund ist die jüngste Talfahrt von Rüstungsaktien. Ursprünglich war der Börsengang auch als Einstieg der Bundesregierung geplant, die trotz der Verschiebung an ihren Plänen festhält. Wertungenauigkeiten zwischen Eigentümerfamilien und Banken hatten jedoch bereits zuvor für Spannungen gesorgt.

InhaltDer Börsengang von KNDS sollte den Einstieg der Bundesregierung bei dem Panzerbauer ermöglichen. Aber das Unternehmen will auf "günstigere Marktbedingungen" warten. Der deutsch-französische Panzerbauer KNDS schiebt seinen Börsengang angesichts der Wertverluste bei Rüstungsaktien auf. Das Unternehmen wolle angesichts der "Volatilität des europäischen Verteidigungssektors" auf "günstigere Marktbedingungen" warten. Die Aktionäre hätten dem Unternehmen mitgeteilt, sie wollten die Börsenpläne erst wieder aufnehmen, wenn sich das Marktumfeld für Rüstungsaktien in Europa wieder verbessert habe, teilte KNDS mit.  Der Börsengang von KNDS in Paris und Frankfurt am Main war in der vergangenen Woche angekündigt worden und sollte den Einstieg des Bundes bei dem Rüstungskonzern ermöglichen. "KNDS und seine Aktionäre werden die Bedingungen an den Kapitalmärkten weiterhin genau beobachten", hieß es in der Erklärung des deutsch-französischen Rüstungskonzerns. Das Unternehmen stehe bereit, "den Börsengang wieder aufzunehmen, sobald die Marktbedingungen dies zulassen". Die ‌Rüstungsbranche war ⁠an der Börse zuletzt unter Druck geraten. Der ​Rivale Rheinmetall, den viele Investoren als besten Vergleichsmaßstab für KNDS sehen, hatte in den vergangenen Tagen stark an Wert verloren. Auch die Aktien des seit Jahresbeginn in Amsterdam gelisteten tschechischen Rüstungskonzerns CSG werden weit unter dem ​Ausgabepreis gehandelt. Die Vorbereitungen seien praktisch abgeschlossen, in den Gesprächen mit Investoren habe sich gezeigt, dass diese auch von der langfristigen Strategie von KNDS überzeugt seien, teilte der Hersteller der Kampfpanzer Leopard 2 und Leclerc sowie anderer militärischer Landfahrzeuge. Die Financial Times hatte aber berichtet, dass wichtige Investoren mitgeteilt hätten, sie sähen die Bewertung des Unternehmens beim Börsengang nur bei rund zwölf Milliarden Euro. Banker hatten dagegen 15 Milliarden Euro für realistisch gehalten, vor einigen Monaten war sogar noch von bis zu 20 Milliarden die Rede. Laut Financial Times sind die deutschen Eigentümerfamilien ⁠nicht bereit, eine Bewertung von weniger als 12,5 ​Milliarden hinzunehmen. Ein Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Die ​Bundesregierung hält trotz der Verschiebung des Börsengangs an ihrem geplanten Einstieg bei dem KNDS ​fest. "Die Bundesregierung respektiert die Entscheidung des Unternehmens, den Börsengang zu pausieren", teilte ​eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums mit. Die Bundesregierung sei aber "weiterhin daran interessiert, gemeinsam mit den französischen Partnern, das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft führen". Man sei weiter in Gesprächen mit den Familien.  Dem Bund geht es darum, die gleichen Einflussrechte zu haben wie Frankreich. "Diese sichern ‌einerseits den Schutz der beiderseitigen Sicherheitsinteressen auf Augenhöhe und legen andererseits die Grundlage für eine erfolgreiche Entwicklung des ​Unternehmens", sagte die Sprecherin. Der genaue Preis, den der Staat für das Anteilspaket zahlen will, ist an ⁠den Emissionspreis für die ​Aktien geknüpft, mit einem Paketzuschlag und einem möglichen Nachschlag, wenn die Papiere nach ‌der Erstnotiz zulegen. Maximal wären das rund 7,2 Milliarden Euro. Die Verhandlungen zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und den Eigentümerfamilien hatten sich bis in den Juni hingezogen und einen schnelleren Börsengang – unter ‌möglicherweise besseren Bedingungen – blockiert. Der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, Sebastian Schäfer, sprach von einem "Desaster für die Bundesregierung". Das sei das Ergebnis einer strategielosen Industriepolitik ​und der Gier einer Milliardärsfamilie, die den Staat in dieser Sicherheitslage im Schwitzkasten halte. "Nun macht die Besitzerfamilie von KNDS einen Rückzieher, weil ihnen offenkundig der Milliardenerlös noch nicht ausreicht."