Datum01.07.2026 19:28
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Hitzewelle in NRW führte zu Engpässen bei der Überführung von Leichen in Leichenhallen, die innerhalb von 36 Stunden erfolgen muss. Es gab Berichte über akute Platzprobleme in Köln und Leverkusen. Durch Vermittlung des Innenministeriums konnten externe Kapazitäten bereitgestellt werden. Ob die Hitze zu Übersterblichkeit führte, wird noch geprüft, da dies in Statistiken schwer zu erfassen ist. Das Gesundheits- und Rettungssystem war laut Minister Laumann stark gefordert, jedoch wurden lokale Versorgungsprobleme gelöst.
InhaltUnter normalen Bedingungen muss ein Leichnam innerhalb von 36 Stunden in eine Leichenhalle gebracht werden. Während der Hitzewelle musste oft schneller gehandelt werden – doch nicht immer war ausreichend Platz vorhanden. Die Hitzewelle der vergangenen Woche hat nicht nur Rettungsdienste stark belastet. Auch Bestatter sind vereinzelt an ihre Grenzen gestoßen: Im Raum Köln soll es am Wochenende vorübergehend zu Engpässen beim Abtransport von Leichen gekommen sein. Das berichtete der Gruppenleiter im nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium, Professor Frank Stollmann, im zuständigen Ausschuss des Landtags. Zudem habe es in Leverkusen am Samstag nach Angaben der Bezirksregierung Köln einen akuten Engpass bei der Unterbringung von Verstorbenen gegeben. Auch die Stadt Köln habe vergleichbare Probleme gemeldet. Durch Vermittlung des Innenministeriums sei ein Kontakt zu den Notfallteams des Bundesverbandes der Bestatter hergestellt worden, so Stollmann. Dieser habe der Stadt Leverkusen mindestens 30 Plätze für Leichen anbieten können. Die Stadt Köln sei ebenfalls auf das Notfallteam hingewiesen worden. Dort habe aber die Uniklinik zwischenzeitlich Abhilfe schaffen können. Laut Bestattungsgesetz Nordrhein-Westfalen muss ein Leichnam spätestens nach Ablauf von 36 Stunden in eine Leichenhalle überführt werden. Bei extremer Hitze könne es aus Gründen des Gesundheitsschutzes auch notwendig sein, den Leichnam noch schneller zu überführen, sagte Stollmann. Nach dem bisherigen Kenntnisstand habe es sich eher um "solitäre Problemlagen" gehandelt und nicht unbedingt um ein flächendeckendes Phänomen. Das werde aber noch geprüft. Es gebe aber eine gute Netzwerkarbeit unter den Bestattern, die einander helfen. Ob die Hitzewelle eine Übersterblichkeit verursacht habe, könne derzeit noch nicht mit konkreten Zahlen belegt werden, sagte Stollmann weiter. Die Daten der Todesursachenstatistik 2026 würden wegen der Meldewege voraussichtlich erst bis Herbst 2027 vorliegen. Die Auswertung erfolge für das gesamte Jahr und nicht für einzelne Monate oder Wochen. Zudem werde in der Statistik nur das Grundleiden dokumentiert. Todesfälle, die einen starken Zusammenhang zur Hitzebelastung haben könnten, bei denen aber als ursächliches Grundleiden etwa eine Herz-Kreislauf-Erkrankung dokumentiert werde, würden nicht als hitzebedingt identifiziert. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte mit Blick auf die tagelange Extremhitze: "Das waren für das gesamte Gesundheits- und Pflegesystem und Rettungssystem vor allen Dingen am Samstag und Sonntag äußerst herausfordernde Situationen." Ohne Frage sei es in Krankenhäusern und Notfallambulanzen teilweise zu schwierigen Stunden gekommen. Nirgendwo aber habe es ein sogenanntes übergeordnetes Versorgungsproblem gegeben. "Es hat lokale Versorgungsprobleme gegeben, aber die sind dann auch lokal gelöst worden."