Ärger um angebliche AfD-Ansage von Döpfner an Kanzler Merz

Datum01.07.2026 19:13

Quellewww.spiegel.de

TLDRAxel-Springer-Chef Mathias Döpfner soll versucht haben, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu einer Zusammenarbeit mit der AfD zu drängen. Dies wird in einem Podcast behauptet, wobei sich die Journalisten auf Informanten berufen. Döpfner und Springer weisen die Darstellung als "glatte Lüge" und "absurd" zurück und sprechen von Rufmord. Merz habe eine solche Kooperation strikt abgelehnt. Schon zuvor soll es ähnliche Versuche Döpfners gegeben haben, die Politik zu beeinflussen.

InhaltDer Chef des Springer-Verlags versuchte schon in der Vergangenheit, die Politik in seinem Sinne zu beeinflussen. Nun soll Mathias Döpfner es erneut probiert haben – an höchster Stelle. Springer spricht von "absurden" Vorwürfen. Hat Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner in einem hitzigen Vieraugengespräch versucht, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu einer Zusammenarbeit mit der AfD zu drängen? Das legen zumindest Aussagen in einem neuen Podcast nahe. Springer bezeichnet diese jedoch als "glatte Lüge". Das, was im Politik-Podcast "Wenn Sie wüssten..."  des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) geäußert wurde, sei "absurd", heißt es in einem Post des Medienhauses auf X. In der Folge, um die es nun so viel Wirbel gibt, sprechen der Dokumentarfilmer Stephan Lamby und RND-Chefredakteurin Eva Quadbeck miteinander. Sie haben eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit Kristina Dunz, Vize-Chefin des RND in Berlin, zu dem angeblichen Treffen Döpfners mit Merz recherchiert. Ob es dieses überhaupt gegeben hat, dazu wollte die Bundesregierung nichts sagen. Man gebe über nichtöffentliche Termine des Kanzlers grundsätzlich keine Auskunft – "unabhängig davon, ob sie stattgefunden haben oder nicht", hieß es in einer Antwort an die Journalistinnen und den Journalisten. Laut dem Beitrag kam Döpfner Anfang des Jahres zu einem Vieraugengespräch ins Kanzleramt. Dabei soll es bei der Frage des Umgangs mit der AfD zu einem schweren Zerwürfnis zwischen Döpfner und Merz gekommen sein. Die Journalisten berufen sich bei ihrer Darstellung auf "gut informierte Personen", die anschließend von dem Treffen erfahren hätten, und auf weitere Indizien. Nach diesen Informationen soll Döpfner den Kanzler aufgesucht haben, um diesen dazu zu bringen, sich für eine Zusammenarbeit mit der AfD zu öffnen. Merz habe jedoch bekräftigt, das werde nicht passieren. "Nur über meine Leiche", soll der Kanzler der Darstellung nach gesagt haben. Als Döpfner nicht locker gelassen habe, sei das Treffen eskaliert. Merz sei der Geduldsfaden gerissen, er habe schließlich erklärt, hiermit sei das Gespräch beendet. Döpfner soll daraufhin im Hinausgehen gesagt haben: "Das werden Sie noch bereuen." Das Medienhaus Springer, zu dem unter anderem die "Bild"-Zeitung gehört, wies die Darstellung scharf zurück. "Die Unterstellung, Mathias Döpfner hätte den Kanzler zu einer Zusammenarbeit mit der AfD gedrängt, ist eine glatte Lüge. Sowohl der Verlauf als auch der Inhalt des Gespräches sind frei erfunden", heißt es auf X. Im Übrigen sei es bemerkenswert, dass bereits im November 2025 eine Nachricht in Berliner Journalistenkreisen in Umlauf gebracht worden sei, die nahezu wortgleich Verlauf und Inhalt des Gespräches wiedergebe, das laut Podcast erst im Frühjahr 2026 stattgefunden haben solle. "Offensichtlich handelt es sich hier um eine lange geplante und gezielt betriebene Rufmordkampagne gegen Mathias Döpfner", so das Medienhaus. Auch Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille bemühte sich, den brisanten Inhalt des Podcasts herunterzukochen: In der Bundespressekonferenz sagte er auf die Frage, ob es das Treffen von Merz und Döpfner im Kanzleramt gegeben und ob Döpfner wirklich "Das werden Sie noch bereuen" zu Merz gesagt habe, nur zwei Worte: "absurde Gerüchte". RND-Chefredakteurin Quadbeck erklärte auf Anfrage, dass man "den Springer-Verlag selbstverständlich mit den Aussagen unserer Quellen über den Verlauf des Gespräches konfrontiert" habe. Leider habe es daraufhin keine Stellungnahme zum konkreten Verlauf des Gespräches gegeben, sondern "nur die allgemeine Stellungnahme, es sei 'totaler Unsinn', dass Döpfner eine Zusammenarbeit zwischen Union und AfD wolle". Dem Podcast zufolge soll es schon rund um den Bundestagswahlkampf 2024/25 ein Gespräch zwischen Merz und Döpfner gegeben haben, bei dem der Springer-Chef den damaligen Kanzlerkandidaten gedrängt haben soll, eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit der AfD zu suchen. Auch in diesem Fall berufen sich die Journalisten auf Personen, denen von dem Gespräch berichtet worden sein soll. Schon damals habe Merz das abgelehnt. Lamby berichtet in dem Zusammenhang von einem Interview mit Merz Anfang 2025, bei dem dieser gesagt habe: "Einmal '33 reicht." Im Jahr 1933 hatten die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland übernommen. Brisant: Nach Ansicht der Podcast-Verantwortlichen erscheint eine Äußerung des Kanzlers vom 9. März dieses Jahres mittlerweile in einem anderen Licht. Tags zuvor hatte die CDU in Baden-Württemberg überraschend eine Niederlage bei der Landtagswahl eingefahren. Daraufhin sagte Merz in einer Pressekonferenz: "Erlauben Sie mir auch den Hinweis noch zu geben: Ich werde, auch wenn ich mittlerweile sogar aus einzelnen Verlagshäusern dazu aufgefordert werde, eine andere Mehrheit im Deutschen Bundestag nicht suchen. Ich werde es nicht tun." Eine Zusammenarbeit mit der AfD komme in Baden-Württemberg so wenig infrage wie in Berlin, so Merz seinerzeit. "Und alle diese Avancen können sich die Damen und Herren sparen. Wir werden mit dieser Partei nicht zusammenarbeiten. Punkt." Es wäre nicht das erste Mal, dass Döpfner versucht, die Politik zu beeinflussen. Vor einigen Jahren kam heraus, dass der Springer-Chef den damaligen "Bild"-Chefredakteur anwies, vor der anstehenden Bundestagswahl die FDP hochzuschreiben. Lesen Sie hier mehr dazu.