Übergriffe durch Fahrgäste: Deutsche Bahn verteilt Bodycams an 2000 Beschäftigte

Datum01.07.2026 12:53

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Deutsche Bahn stattet 2000 Mitarbeiter im Fernverkehr mit Bodycams aus. Ziel ist die präventive Wirkung zur Reduktion von Gewalt und zur Beweissicherung, um die Sicherheit der Beschäftigten zu erhöhen. Diese Maßnahme ist Teil eines Aktionsplans, der auch zusätzliche Sicherheitskräfte und die Weiterentwicklung eines Hilferufknopfs vorsieht. Hintergrund ist ein tödlicher Angriff auf einen Zugbegleiter im Februar. Die Nutzung der Kameras ist freiwillig.

InhaltNach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter im Februar verteilt die Deutsche Bahn nun Bodycams an Mitarbeitende in Fernzügen und DB Lounges. Es geht um die Beweissicherung und "präventive Wirkung". Die Deutsche Bahn stattet ab sofort rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fernverkehr mit Bodycams aus. Das umfasse Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter sowie Beschäftigte in der Bordgastronomie und in den DB Lounges, wie der bundeseigene Konzern mitteilte . Die Nutzung der Kameras, die an der Dienstkleidung befestigt werden, bleibe freiwillig. Mit der Maßnahme sollen die Mitarbeiter Übergriffe durch Fahrgäste besser dokumentieren können. Die Sicherheit der Beschäftigten soll sich dadurch erhöhen. "Bodycams tragen dazu bei, dass sich Reisende und Mitarbeitende gleichermaßen sicher in den Zügen des Fernverkehrs fühlen", teilte die Bahn mit. "Sie haben eine präventive Wirkung und dienen der Abwehr und Reduktion von Gewalttaten sowie der Beweissicherung." Bahnchefin Evelyn Palla hatte nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter im Regionalverkehr im Februar angekündigt, dass noch in diesem Jahr alle Beschäftigten mit Kundenkontakt mit einer solchen Kamera auf freiwilliger Basis ausgestattet werden sollen. Bisher war das nur im Regionalverkehr der Fall. Die Maßnahme ist eine von mehreren im sogenannten Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene. Weitere sind die Einstellung von 200 zusätzlichen Sicherheitskräften sowie die Weiterentwicklung eines sogenannten Hilferufknopfs, mit dem die Mitarbeiter in Gefahrensituationen schon jetzt unauffällig die Leitstelle informieren können. Im Prozess nach der tödlichen Prügelattacke gegen den Bahn-Mitarbeiter Serkan Ç. hatte der Angeklagte vor einer Woche die Familie des Opfers um Verzeihung gebeten. "Aus der Tiefe meines Herzens möchte ich eine große Entschuldigung aussprechen für eine nicht zu entschuldigende Tat und einen Moment blinder Wut", heißt es in der Erklärung von Ioanni V., die seine Verteidigerin im Landgericht Zweibrücken verlas. Der Anwalt der Familie Ç. sagte dazu, es würde den Angehörigen helfen, wenn Ioanni V. Angaben zur Tat machen würde. Das Urteil könnte am 9. Juli fallen. Seit Jahren werde die Stimmung in der Bahn aggressiver, sagt Zugchef René Bäselt. Er wurde selbst schon angegriffen. Was ihm und seinen Kollegen helfen würde – und ob er noch ohne Angst einsteigen kann, lesen Sie hier.