Genozid in Ruanda: Bundesanwaltschaft nimmt mutmaßlichen Massenmörder fest

Datum01.07.2026 11:50

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Bundesanwaltschaft hat einen 58-jährigen Ruander in Hessen festgenommen, der verdächtigt wird, 1994 am Völkermord in Ruanda beteiligt gewesen zu sein. Dem Mann wird vorgeworfen, als Assistent eines Bürgermeisters zur Vernichtung der Tutsi aufgerufen, "Todeslisten" erstellen lassen und die Ermordung von 25 Menschen angeordnet zu haben. Er soll sich seit den frühen 2000er Jahren unbehelligt in Deutschland aufgehalten haben.

InhaltEr soll in Ruanda an der Tötung von 25 Menschen beteiligt gewesen sein und lebte nach SPIEGEL-Informationen jahrelang unbehelligt in Deutschland. Nun verhafteten Ermittler im Main-Kinzig-Kreis einen 58-Jährigen. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Mehr als 30 Jahre nach dem Genozid an der Volksgruppe der Tutsi in Ruanda hat Generalbundesanwalt Jens Rommel in Hessen einen mutmaßlichen Massenmörder verhaften lassen. Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Demnach erfolgte die Festnahme am Morgen im Main-Kinzig-Kreis. Bei dem Beschuldigten handelt es sich den Angaben zufolge um den aus Ruanda stammenden Innocent S., einen Angehörigen der Volksgruppe der Hutu. Nach Ermittlungen der Bundesanwaltschaft soll sich der heute 58-Jährige 1994 als Assistent eines Bürgermeisters in der ruandischen Präfektur Gisenyi aktiv am Völkermord beteiligt haben. Den Ermittlungen zufolge soll er vor dem Genozid seine Autorität genutzt haben, um zur Vernichtung von Angehörigen der Minderheit der Tutsi in seiner Gemeinde anzustacheln. Zudem wird ihm vorgeworfen, er habe "Todeslisten" anlegen lassen und die Ermordung von 25 Tutsi angeordnet. In einem Fall soll der Beschuldigte demnach selbst einem Opfer die Brust aufgeschnitten haben. Nach SPIEGEL-Informationen gehörte zu den Ermordeten auch ein leitender Priester der örtlichen Pfarrgemeinde. Laut den Ermittlungen floh der Beschuldigte im Juli 1994 zunächst in den Kongo; nach SPIEGEL-Recherchen hielt er sich offenbar seit Anfang der Nullerjahre in Hessen auf. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Beteiligung am Völkermord und Mord in 25 Fällen vor. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs muss nun über den Haftbefehl gegen Innocent S. entscheiden. Seine Verteidigung war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Während des Genozids von 1994 wurden in Ruanda binnen weniger Monate rund Hunderttausende Angehörige der Minderheit der Tutsi von radikalen Hutu ermordet.