Fußball-WM: Tah-Tor gegen Paraguay zählte nicht – Schiedsrichterchef verteidigt Entscheidung

Datum01.07.2026 11:23

Quellewww.spiegel.de

TLDRDas nicht gegebene Tor von Jonathan Tah im WM-Spiel gegen Paraguay sorgt weiter für Diskussionen. Fifa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina verteidigt die Entscheidung, das Tor wegen eines Fouls von Waldemar Anton am Torwart abzuerkennen. Er begründet dies mit Regelanweisungen an Schiedsrichter, die das Behinderung von Verteidigern, insbesondere Torhütern, sanktionieren sollen. Diese Anweisungen seien Trainern und Spielern vor der WM mitgeteilt worden.

InhaltBundestrainer Julian Nagelsmann sprach von einer "Vollskandal": Das nicht gegebene Tor von Jonathan Tah gegen Paraguay ist immer noch ein Aufreger. Nun äußert sich Pierluigi Collina dazu. Es war der Aufreger bei Deutschlands Ausscheiden bei der Fußball-WM gegen Paraguay: Jonathan Tah erzielte im Sechzehntelfinale per Kopf die vermeintliche 2:1-Führung. Aber die Videoschiedsrichterin griff ein und Referee Jalal Jayed ließ das Tor wegen eines Fouls von Waldemar Anton an Torwart Orlando Gill nicht zählen . Für die Entscheidung wurde Jayed hart kritisiert, unter anderem mit der Begründung, dass Torhüter wie Feldspieler behandelt werden und keinen besonderen Schutz genießen. Bundestrainer Julian Nagelsmann klagte über einen "Vollskandal". Nun hat sich Fifa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina eingeschaltet. Er hält die Entscheidung für korrekt. In einem Beitrag des Weltverbands  schreibt der Italiener grundsätzlich über Situationen wie zwischen Anton und Gill. "Trainer und Spieler wurden darüber informiert. Daher sollte es keine Überraschung sein, wenn Schiedsrichter solche Vergehen ahnden", schreibt Collina. Er nennt Anton in seinen Ausführungen nicht beim Namen, sein Beitrag endet aber mit einem großen Foto von genau dieser strittigen Szene. Der Körperkontakt des DFB-Verteidigers mit Gill wird dabei grafisch hervorgehoben. Den Schiedsrichtern sei empfohlen worden, besonderes Augenmerk auf bestimmte Situationen zu legen, die "im Zusammenhang mit den taktischen Vorgehensweisen einzelner Mannschaften auftreten können", schreibt Collina. "Ein Beispiel hierfür ist, wenn angreifende Spieler versuchen, verteidigende Spieler an ihrer Bewegung zu hindern." Zwar stelle das bloße Einnehmen oder Halten einer Position für sich genommen kein Foul dar. "Wenn ein angreifender Spieler jedoch kein Interesse am Ball hat und sich – selbst nur geringfügig – bewusst mit der klaren Absicht bewegt, die Laufbewegung eines Gegenspielers zu behindern und ihn dadurch am Verteidigen zu hindern, sollten die Schiedsrichter und – falls erforderlich – auch der VAR die Situation sorgfältig analysieren und eingreifen", so Collina. "Dies gilt insbesondere dann, wenn diese Taktik darauf abzielt, den gegnerischen Torhüter daran zu hindern, das Tor wirksam zu verteidigen." Das alles sei Trainern und Spielern vor der WM erklärt worden, so Collina. In einer Mitteilung  des International Football Association Boards (IFAB) vom Februar zu Regeländerungen sowie im Fifa-Regelwerk  hinsichtlich der WM lässt sich dazu nichts finden. Zudem wurden solche Situationen bei Eckbällen im WM-Verlauf von Schiedsrichtern schon anders bewertet. Bundestrainer Julian Nagelsmann wirkt bei der WM wie jemand, der ein Leck nach dem anderen stopft und dabei übersieht, dass das Boot auf einen Eisberg zurast. Das könnte ihn den Job kosten. Mehr dazu lesen Sie hier.