Hitzewelle in Europa: Mehr als tausend Hitzetote in Spanien im Juni

Datum01.07.2026 10:28

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Hitzewelle im Juni forderte in Europa über tausend Todesopfer, allein in Spanien übertraf die Zahl die des Vorjahres um ein Vielfaches. In Frankreich und Deutschland sehen sich Regierungen mit Kritik von Grünen und ärztlichen Verbänden wegen unzureichenden Hitzeschutzes konfrontiert. Wissenschaftler warnen, dass Europa kritische Temperaturgrenzen erreicht.

InhaltNach dem extrem heißen Juni meldet Spanien mehr als tausend Hitzetote, auch in anderen EU-Ländern schießen die Zahlen in die Höhe. Die Grünen kritisieren die Regierung. Die Hitzewelle im Juni hat in Europa zahlreiche Menschen getötet und Kritik am Hitzemanagement der europäischen Regierungen ausgelöst. So wurden in Spanien im Juni durch die Hitzewelle nach Behördenangaben mindestens 1.028 Todesfälle verzeichnet. Das sind nach Angaben des Gesundheitsinstituts mehr als doppelt so viele Hitzetote wie im Juni 2025, als 407 Sterbefälle registriert wurden. Spanien war von der Hitzewelle besonders betroffen. In Frankreich steht die Regierung wegen ihres Umgangs mit der jüngsten Hitzewelle in der Kritik. Die Grünen-Fraktion kündigte einen Misstrauensantrag gegen die Regierung von Premierminister Sébastien Lecornu an. Sie wirft ihr vor, die Bevölkerung nicht ausreichend vor Hitzewellen zu schützen. Die Regierung sei mit Blick auf die extremen Temperaturen "unvorbereitet" gewesen und sei dies weiterhin mit Blick auf weitere befürchtete Hitzewellen, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Cyrielle Chatelain. Auch Frankreich hatte mehr als 1.000 Tote nach der außergewöhnlichen Hitzewelle Ende Juni gemeldet. In vielen Ländern Europas wurden in den vergangenen Tagen Höchstwerte bei den Temperaturen gemessen, oft mehrere hintereinander. So erlebte Frankreich mit mehr als 44 Grad an manchen Orten den heißesten Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Auch die Nachttemperaturen in dem Land erreichten Rekordwerte. Auch die Grünen in Deutschland kritisierten die Regierung für ihr fehlendes Hitzemanagement. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge warf der Bundesregierung Untätigkeit vor. "Deutschland hat am Wochenende unter einer gefährlichen Hitze gelitten. Dass die Folgen nicht noch schlimmer waren, lag nur am großartigen Einsatz vieler Pflege- und Rettungskräfte, die über das Limit gearbeitet haben", sagte Dröge. Trotzdem werde die Hitze des vergangenen Wochenendes viele Menschenleben gekostet haben. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) halte es jedoch nicht einmal für notwendig, sich dazu zu äußern, sagte Dröge. "Das ist beeindruckend empathielos." Zuvor hatte bereits der Hausärztinnen- und Hausärzteverband der Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vorgeworfen. Die Bundesregierung lasse die Praxen beim Hitzeschutz im Stich, ein bereits vor drei Jahren angekündigtes, umfassendes Maßnahmenpaket zum Hitzeschutz sei nie gekommen, sagte Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth. Auch der Städte- und Gemeindebund forderte eine bessere Finanzierung von Klimaanpassungs- und Hitzeschutzmaßnahmen durch Bund und Länder. Dafür müsse eine neue Gemeinschaftsaufgabe "Klimaschutz und Klimaanpassung" nach Artikel 91a GG geschaffen werden. Der Bund verwies immer wieder auf die Zuständigkeit von Ländern und Kommunen beim Hitzeschutz, diesen fehlt jedoch das Geld für umfassende Maßnahmen. Deutschland hatte am Wochenende Höchsttemperaturen erlebt, seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hatte es keine vergleichbare Hitzewelle gegeben. Der Bahnverkehr musste zeitweise eingeschränkt werden, die Hitze verursachte Schäden an Autobahnen und Sportereignisse wie der Halbmarathon in Hamburg wurden abgesagt. Auch die nächtlichen Temperaturen erreichten Höchstwerte. Die Feuerwehr kämpfte gegen Waldbrände, ganze Orte mussten evakuiert werden. Nach der Hitze warnt der Wetterdienst vor Gewittern. Notaufnahmen in mehreren deutschen Krankenhäusern waren Berichten zufolge überlastet. Köln meldete nach dem extrem heißen Wochenende 120 Tote und mehr als doppelt so viele Einsätze wie an anderen Tagen. Unter anderem in Stuttgart wurde eine sogenannte Außergewöhnliche Einsatzlage ausgerufen, Notaufnahme und Intensivstation des Robert-Bosch-Krankenhauses waren komplett ausgelastet, die Krankenhausleitung spricht von einem nie dagewesenen Aufkommen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) forderte Bund und Länder auf, unverzüglich ein Sonderinvestitionsprogramm für klimaresiliente Krankenhäuser aufzulegen. Der Klimawandel machte die Hitzewelle Wissenschaftlern zufolge um bis zu vier Grad heißer. Mit der Hitzewelle der vergangenen Tage nähert sich Europa demnach den Temperaturgrenzen, an die sich Gesellschaften und Ökosysteme noch anpassen könnten. In den kommenden Wochen werden erneut Extremtemperaturen in weiten Teilen Europas erwartet.